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Standpunkt

Nur wenige Integrationsgeschichten im ZdK

Deutschland ist ein Land mit einer sehr vielfältigen Bevölkerung, das schlägt sich auch in der Politik-Landschaft mehr und mehr nieder. Pater Nikodemus Schnabel vermisst diese Vielfalt allerdings im Zentralkomitee der deutschen Katholiken.

Von Pater Nikodemus Schnabel |  Bonn - 20.04.2021

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Was haben die Grünen-Politikerin Agnieszka Brugger, der SPD-Politiker Josip Juratovic und die CDU-Politiker Kees de Vries und Paul Ziemiak gemeinsam? Einiges! Alle vier sind nicht in Deutschland geboren, sind Mitglieder des Deutschen Bundestags und machen dort eine hervorragende Arbeit – und bekennen sich offen zu ihrem katholischen Glauben. Sie sind natürlich nicht die einzigen katholischen Bundestagsabgeordneten mit einem Migrationshintergrund, zu nennen wären auch die, die in Deutschland als Kinder von Migranten geboren wurden, wie etwa der Linken-Abgeordnete Fabio De Masi, für den sein eigener biographischer Hintergrund eine politische Verpflichtung darstellt, wie er immer wieder selbst betont.

Aber auch gerade die Zukunft lässt richtig hoffen: Die über Parteigrenzen hoch geachtete Integrationsbeauftrage der Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern, Reem Alabali-Radovan, tritt im Herbst als SPD-Bundestagskandidatin für den Wahlkreis Schwerin an und verdeutlicht, dass "Katholisch" in Deutschland längst nicht mehr nur "Römisch-Katholisch", sondern eben auch "Chaldäisch-Katholisch" bedeuten kann. Mit dem äußerst erfolgreichen Musikmanager Joe Chialo wagt ein unverklemmt vom Glauben sprechender Kreativwirtschaftler den Sprung in die Politik als CDU-Bundestagskandidat für den Wahlkreis Berlin-Spandau. Gleich ihm steht auch die wohl in Zukunft noch wichtiger werdende CDU-Politikerin, Beraterin und Schriftstellerin Diana Kinnert für eine urban sozialisierte wahrhaft katholische, also international-plurikulturelle Lebensperspektive, welche in unserer globalisierten Welt immer wertvoller und unverzichtbarer wird.  

Leider haben all die hier Genannten noch eine weitere Gemeinsamkeit: Sie sind nicht Mitglieder im Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Unter den ca. 230 Mitgliedern der Vollversammlung haben nur die beiden Vertreter des Bundespastoralrats der Katholiken anderer Muttersprache, Emeka Ani und Pero Jurisic, eine offensichtliche Migrationsgeschichte, niemand jedoch von den 45 gewählten Einzelpersönlichkeiten. Wenn jetzt am Wochenende diese 45 Einzelpersönlichkeiten neu gewählt werden, steht für das ZdK eine wichtige Frage an: Möchte es endlich im heutigen Deutschland ankommen und eine echte Vertretung aller Katholikinnen und Katholiken in diesem Land sein, vor allem auch derer mit einer Integrationsgeschichte?

Von Pater Nikodemus Schnabel

Der Autor

Pater Nikodemus Schnabel OSB ist Benediktinermönch der Dormitio-Abtei in Jerusalem und Direktor des Jerusalemer Instituts der Görres-Gesellschaft (JIGG).

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.