Heinrich Bedford-Strohm, Landesbischof und Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland
"Keine Neiddebatte, sondern ein Beitrag zum sozialen Zusammenhalt"

Bedford-Strohm fordert gerechte Verteilung der Pandemie-Kosten

Die Zahl der Hochvermögenden sei weltweit und auch in Deutschland in der Corona-Zeit gestiegen, so der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm. Deshalb brauche es nun eine gerechte Verteilung der Kosten der Pandemie.

Mannheim - 19.06.2021

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, dringt auf eine gerechte Verteilung der Kosten der Corona-Pandemie. In besonderer Weise zur Solidarität verpflichtet seien diejenigen Menschen, deren Vermögen in der Pandemie gewachsen sei, schrieb der bayerische Landesbischof in einem Beitrag für die Zeitung "Mannheimer Morgen" (Samstag).

Die Zahl der Hochvermögenden sei weltweit und auch in Deutschland in der Corona-Zeit gestiegen, erklärte Bedford-Strohm. Der Boom an den Aktienmärkten, der die Vermögenszuwächse maßgeblich ermöglicht habe, gehe nicht zuletzt auf die aus Steuergeldern finanzierten direkten Unternehmenshilfen zurück. "Es war richtig, dass der Staat die Wirtschaft so massiv gestützt hat. Viele Arbeitsplätze wurden damit gerettet", schrieb der EKD-Ratsvorsitzende. Doch nun müssten auch die Kosten gerecht verteilt werden. Nach Schätzung der Weltbank seien durch die Pandemie mehr als 100 Millionen Menschen in absolute Armut gefallen.

"Keine Neiddebatte, sondern Beitrag zum sozialen Zusammenhalt"

"Auf welchem Wege diejenigen, die besonders profitiert haben und mit Wohlstand besonders gesegnet sind, auch in besonderer Weise an den Kosten der Pandemie beteiligt werden, muss im politischen Diskurs geklärt werden", so der Bischof weiter. Ein solcher Diskurs sei keine Neiddebatte, sondern ein Beitrag zum sozialen Zusammenhalt. "Denn das Gefühl, dass es in der Gesellschaft einigermaßen gerecht zugeht, ist für den sozialen Zusammenhalt einer Gesellschaft grundlegend", erklärte Bedford-Strohm. Und weiter: "Dass dazu auch die Verteilungsgerechtigkeit gehört, sagt schon die blanke Vernunft."

Wissenschaftler hätten zudem herausgefunden, dass auch das reichste Drittel der Gesellschaft zufriedener sei in Gemeinschaften, in denen der soziale Ausgleich besonders entwickelt sei. "Diese Untersuchungen bestätigen das alte biblische Orientierungswissen, nach dem der Wohlstand einer Gesellschaft sich am Schicksal ihrer schwächsten Glieder misst", erklärte der EKD-Ratsvorsitzende. Es gehöre "zu den größten Glücksquellen einer Gesellschaft, wenn alle Menschen, auch die Schwächsten, Anteil haben an den Gütern, die sie hervorbringt". (stz/epd)