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Globale Solidarität: Afrika bei Pandemie-Bekämpfung nicht ausblenden

Die afrikanischen Länder brauchen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie dringend Impfstoffe und Sauerstoff aus Europa, fordert Christof Haverkamp. Weniger hilfreich findet er dagegen eine Freigabe von Patenten.

Von Christof Haverkamp |  Bonn - 30.06.2021

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In Deutschland können wir uns freuen, weil gerade etliche Corona-Beschränkungen aufgehoben wurden – aber eines sollten wir keinesfalls ausblenden: Weltweit ist die Pandemie längst nicht vorbei. Während die Deltavariante für uns in Europa bislang nur die Reisepläne bedroht, kämpfen in anderen Kontinenten die Menschen mit viel schwereren Problemen. Gut, dass katholische Hilfsorganisationen wie die Malteser, Caritas-International und andere daran erinnern. Zu Recht fordern sie eine weltweit gerechtere Bekämpfung der Covid-19-Pandemie.

Mehr Impfstoffe für Afrika – dieser Appell ist dringend nötig, denn in vielen Staaten ist die Lage dramatisch. In Namibia zum Beispiel liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei 445 pro 100.000 Einwohnern. Doch in vielen armen Ländern ist der Impfstoff zu teuer, und sie haben das Nachsehen, wenn sie mit reicheren Nationen auf dem Weltmarkt konkurrieren. Mit der Folge, dass im Durchschnitt noch nicht einmal zwei Prozent der afrikanischen Bevölkerung geimpft ist. Einer Ansteckung stehen die Menschen fast schutzlos gegenüber.

Was tun? Die Patente auf Impfstoffe freigeben? Auch US-Präsident Joe Biden spricht sich dafür aus. Das klingt erst mal gut, löst aber nicht das Problem. Denn Vakzine lassen sich nicht so einfach wie Kopfschmerztabletten herstellen; das Verfahren ist vielmehr höchst kompliziert. Und es wäre nicht so, dass nach einer Freigabe der Patente die Produktion von Impfstoffen schlagartig starten könnte.

Daher ist es jetzt nötig, schnell und in großen Mengen Impfstoff, Sauerstoff und Aufbereitungsgeräte zu liefern. Das entspricht der Forderung von Papst Franziskus, der in seiner jüngsten Sozial-Enzyklika "Fratelli tutti" für globale Solidarität wirbt. Ein Schreiben, auf das sich der italienische EU-Parlamentspräsident David Sassoli übrigens immer wieder bezieht.

Abgesehen davon nützt die Unterstützung auch den Europäern selbst. Denn wenn die Pandemie in Afrika, Asien und Lateinamerika nicht ausreichend bekämpft wird, droht irgendwann die Gefahr der Verbreitung einer Epsilon- und Zeta-Variante. Das kann niemand wollen.

Von Christof Haverkamp

Der Autor

Christof Haverkamp ist Pressesprecher und Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der katholischen Kirche in Bremen und Senderbeauftragter der katholischen Kirche bei Radio Bremen.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.