Warum wir kirchlich heiraten wollen – trotz allem
Bild: © Privat
Ein junges Paar erzählt von seinem Bild der Ehe

Warum wir kirchlich heiraten wollen – trotz allem

Jennifer Markwiok und Johannes Brägelmann wollen bald heiraten – und zwar kirchlich. Sie stehen damit dem Trend sinkender katholischer Trauungen entgegen. Im katholisch.de-Interview erzählen sie, warum sie sich für diesen Schritt entschieden haben.

Von Meike Kohlhoff und Christoph Paul Hartmann |  Bonn - 31.07.2021

Wie die Zahl der Kirchenmitglieder geht auch jene der kirchlichen Trauungen Jahr für Jahr zurück. Warum heute noch kirchlich heiraten – in einer von schwindendem Vertrauen, heiklen Themen und Missbrauchsfällen bestimmten Kirche? Katholisch.de hat genau das Jennifer Markwiok (24) und Johannes Brägelmann (26) aus der Nähe von Dortmund gefragt. Die beiden wollen noch in diesem Jahr kirchlich heiraten. Im Interview erzählen Sie über ihr erstes Treffen, ihre Beziehung und was beides mit Gott zu tun hat.

Frage: Frau Markwiok, Herr Brägelmann, was macht die Trauung in der Kirche besonders?

Markwiok und Brägelmann: Die kirchliche Trauung steht unter dem Segen Gottes. Sie reiht sich ein in unser bisheriges christliches Leben und verbindet diese beiden. Die Liebe zwischen zwei Menschen ist schon an sich etwas Besonderes. Wenn diese Liebe in der kirchlichen Trauung dann vor Gott, der die Liebe ist, bekundet wird, wird sie zu etwas Einzigartigen. Wir geben da unsere Beziehung in etwas Größeres. Sie wird zum Sakrament, welches unser beider Leben und Können übersteigt und gleichzeitig durch unsere Ehe ständig in unserem Leben präsent sein wird. Besonders wird das Sich-Verbinden natürlich auch durch unsere Familien und Freunde, die unseren Glauben teilen und unterstützen. Diesen Schritt zu gehen und sie an diesem Tag, aber auch sonst in unserer Nähe zu wissen, gibt Kraft und Freude.

Frage: Warum haben Sie sich bewusst für die kirchliche und nicht nur die standesamtliche Hochzeit entschieden?

Markwiok und Brägelmann: Der christliche Glaube und die katholische Kirche begleiten schon immer unser beider Leben und so hat uns der Glaube auch in unserer Beziehung begleitet. Wir haben uns beim Weltjugendtag kennengelernt, uns zusammen auf den Jakobsweg begeben und in unserem Alltag den christlichen Glauben gelebt. Dementsprechend lag es für uns auf der Hand, dass wir kirchlich heiraten. Denn uns ist es wichtig, die Hochzeit und unser Ja-Wort zueinander in das Licht des Glaubens und ins Bewusstsein der Gegenwart Gottes zu stellen. Darüber hinaus hat die kirchliche Hochzeit eine Verbindlichkeit, die uns das Standesamt allein nicht gibt. Die staatliche Ehe ist halt anders als die kirchliche Ehe mit etwas Aufwand wieder auflösbar. Die kirchliche Hochzeit ist nicht nur ein besonderer Tag, sondern der Start und Auftakt für die Ehe, bei der es um mehr geht als einen schönen Tag.

Ein Priester legt seine Stola um die Hände eines Paares
Bild: © KNA

Die Trauung ist in der katholischen Kirche ein Sakrament.

Frage: Was erhoffen Sie sich von der kirchlichen Hochzeit für ihre Beziehung?

Markwiok und Brägelmann: Eine Ehe, die von Gott getragen und geschützt ist. Die kirchliche Trauung soll dabei diesen Wendepunkt in den beiden einzigartigen Leben und in unserem gemeinsamen Leben markieren. Die Hoffnung ist, dass wir durch das öffentliche Ja zu einer noch tieferen Verbundenheit kommen. Wir hoffen natürlich, keine schweren Zeiten erleben zu müssen, aber wenn sie dann doch kommen, so kann die kirchliche Trauung ein Wegweiser sein, um sich zu erinnern, dass man auf den Partner und Gott vertrauen kann. Als Paar braucht man sich nicht mehr zu fürchten, dass man den Herausforderungen nicht allein gegenübersteht.

Frage: Sie versprechen auch, ihre Kinder im katholischen Glauben zu erziehen. Lässt sich das mit den aktuellen Problemen vereinbaren?

Markwiok und Brägelmann: Ja, definitiv. Genauso, wie wir es mit uns vereinbaren können trotz der Probleme in dieser Kirche zu bleiben. Der katholische Glaube ist für uns selbst, aber auch für die Gesellschaft eine Bereicherung. Nächstenliebe, Barmherzigkeit sind Ansprüche unserer Hoffnungsbotschaft, nach denen wir unsere Kinder gerne erziehen. Dieser Glaube ist es Wert, dass man Schwierigkeiten annimmt und nicht vor ihnen davonläuft. Man muss sich mit unserem Glauben immer neu auch auseinandersetzen. Ruhig ist es da selten. Und wir finden, dass es Stärke zeigt, sich in dieser Hinsicht Problemen zu stellen, wenn diese uns herausfordern. Das an unsere Kinder weiterzugeben, können wir auf jeden Fall mit uns vereinbaren.

Frage: Haben Sie auch Verständnis für Paare, die nur wegen des schönen Ambientes kirchlich heiraten?

Markwiok und Brägelmann: Natürlich ist die kirchliche Trauung mehr als das Ambiente. Trotzdem würden wir keinem Unterstellen, dass sie diesen Sinn aktiv untergraben wollen. Im Endeffekt ist ja nicht das äußerliche Bild entscheidend, sondern die inneren Beweggründe und Veränderungen, die bei der Eheschließung einhergehen. Sie sagen vor Gott Ja zueinander und auch wenn sie das vielleicht nicht so ganz wissen, werden sie von Gott getragen. Gott ist es ja schließlich, der seinen Segen darüberlegt. Uns obliegt es da eigentlich gar nicht zu urteilen, weil man ja nur den Blick von außen hat. Aber wenn nicht mehr im Vordergrund steht, dass man Ja zueinander sagt, und Gott am besten außen vor bleiben soll, kommt schon die Frage auf: "Wozu das ganze?"

Von Meike Kohlhoff und Christoph Paul Hartmann