Jüngste EKD-Präses: Auch kleinere Kirche hat große Botschaft
Bild: © Peter Bongard
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Jüngste EKD-Präses: Auch kleinere Kirche hat große Botschaft

Anna-Nicole Heinrich ist mit 25 Jahren die jüngste Präses der Geschichte der Evangelischen Kirche in Deutschland. Im Interview erzählt sie von ihrem besonderen Amt – und wie die Kirche auch bei hohen Austrittszahlen in der Zukunft bestehen kann.

Von Katharina Geiger |  Köln - 21.07.2021

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Im Mai wurde die Regensburger Philosophie-Studentin Anna-Nicole Heinrich von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zur jüngsten Präses ihrer Geschichte gewählt. Für die 25-Jährige stehen vor allem Zukunftsthemen wie Digitalisierung und geringer werdenden Mitgliederzahlen auf der Agenda - aber auch vieles mehr. Im Interview erzählt sie von Visionen – und ihrem Amt in jungen Jahren.

Frage: Sehen Sie sich selbst als Verändererin – Aufbruch der Kirche in Person?

Heinrich: Ich würde den Aufbruch nicht in mir personifizieren. Das, glaube ich, funktioniert nicht. Irgendwo zu Beginn stand mal "Wachmacherin". Das ist tatsächlich ein Begriff, den ich ganz charmant finde, weil das heißt, vielleicht habe ich so einen kleinen Impuls gesetzt. Aber die Zukunft personifiziert sich hoffentlich nicht in Einzelpersonen.

Frage: In die Zeit der Corona-Pandemie fällt auch Ihre Wahl nun als junge Präses der EKD, was erst mal überraschend war. Den Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt konnten Sie dann aber trotzdem direkt mitnehmen. Wie war das für Sie?

Heinrich: Das war echt richtig spannend, nach Frankfurt fahren zu dürfen. Das war auch wirklich eine der ersten Sachen, die ich wieder außerhalb meines Büros oder meiner Wohnung gemacht habe. Und dann gleich schon einige Leute treffen, einen Gottesdienst mit Chor und vielen Leuten draußen, einige Veranstaltungen in Frankfurt – mächtig aufregend. Gut, dass die Tage so voll waren, sonst, glaube ich, wäre ich vielleicht auch ein bisschen überfordert gewesen, so viele Menschen auf einmal wieder zu treffen und zu sehen.

Es sind auch ein paar witzige Sachen gewesen, zum Beispiel stand ich bei einem Interview neben Heinrich Bedford-Strohm und da ist mir erst einmal wieder aufgefallen, dass ich im Gegensatz zu anderen Menschen mit relativ kleinen Menschen zusammenlebe. Ich dachte mir: Oh, der ist einen Kopf größer als ich. Mensch, ist das ein großer Mann. Ich stand schon lange nicht mehr neben jemandem so großen. Es war ein spannendes Wochenende, aber natürlich auch eine super Möglichkeit, direkt richtig viele Leute zu treffen, die ich jetzt in Zukunft wahrscheinlich auch immer mal wieder treffen werde.

Frage: Genauso wie wir alle leben Sie seit eineinhalb Jahren inzwischen mit der Corona-Pandemie. Was hat sich in Ihrem Alltag und auch in Ihrem Studentenleben verändert?

Heinrich: Natürlich hat die ganze Lehre, die ich wahrgenommen habe, digital stattgefunden, was ich an vielen Stellen – aber jetzt bin ich auch schon relativ am Ende meines Studiums – ganz praktisch fand, weil ich so irgendwie noch einmal auch anders Sachen kombinieren konnte. Da tut man sich, wenn man im zehnten, elften Hochschulsemester ist, deutlich einfacher als jemand, der gerade ein Studium beginnt.

In meinem Privatleben – wir waren auf einmal alle immer zu Hause. Das ist am Anfang schön. Dann gibt es die Phase, wo man sich denkt: Okay, immer die gleichen Leute. Dann kommt die Phase, wo man dann ganz froh ist, nicht alleine zu leben, sondern zu wissen: Wenigstens habe ich ein paar Leute außen rum.

Und trotzdem: Jetzt die letzten Wochen, in denen wir alle wieder mehr unterwegs sind aus der WG, ist es schon auch irgendwie wieder schöner, wenn man sich dann trifft und zusammenkommt, weil man sich auf einmal wieder was zu erzählen hat. Das ist tatsächlich was, womit ich so im Privaten schon ein bisschen gehadert habe, also gerade in der Wohnsituation, dass man den ganzen Tag weiß, was die anderen machen und deshalb, wenn man abends beim Essen zusammensitzt, gar nicht mehr weiß, was man sich erzählen soll.

Frage: Wie gehen Sie damit um, wie es jetzt gerade ist: Einige Einschränkungen weniger, wir können wieder ein bisschen mehr machen diesen Sommer?

Heinrich: Ich bin schon geimpft. Deswegen habe ich das Gefühl, mich an einigen Stellen ein bisschen freier bewegen zu können. In Regensburg haben Bars und Lokale wieder auf. Wir sind viel draußen unterwegs, so es das Wetter zulässt. Ich war letzte Woche das erste Mal wieder im Kino. Es ist so ein bisschen wie eine neue Welt zu entdecken an manchen Stellen. Im Kino zum Beispiel ist mir dann aufgefallen, wie laut Kino eigentlich ist. Ich saß da zwei Stunden im Kino und dachte immer so: Macht doch mal zweimal leiser ...

Ich glaube schon, dass das an vielen Stellen schon auch noch eine Herausforderung wird, das wieder anzunehmen. Gerade macht das Entdecken Spaß, alles wieder zu sehen und rauszugehen. Jetzt bin ich natürlich im Präsesamt auch viel unterwegs. Ich besuche Institutionen, treffe mich mit Personen – und das ist spannend. Und mit den drei Gs: Genesen, getestet, geimpft, hangeln wir uns durch alle Termine durch. Damit fühle ich mich tatsächlich auch relativ sicher.

Ein Smartphone filmt die Predigt eines Priesters am Ambo.

Wegen der Folgen der Corona-Pandemie ist das Thema Digitalität auch in der Kirche sehr bedeutsam geworden.

Frage: Sie stecken ja noch zwischen Studium und dann diesem Präsesamt jetzt, waren Jugenddelegierte der vorhergehenden Synode und sind ja im Thema sowieso schon drin und wachsen da jetzt auch weiter rein. Welche Wünsche und auch Hoffnungen verbinden Sie mit dem neuen Amt und mit der neuen Aufgabe?

Heinrich: Das ist ja spannend, das die Amtsinhaberin zu fragen. Ich verbinde, glaube ich, ganz viele Gedanken mit der gesamten neuen Synode. Wir haben uns ja jetzt erst im Frühjahr konstituiert. Und jetzt liegen sechs Jahre vor uns, in denen wir Sachen aus der letzten Synodalperiode, also aus der zwölften Synode aufgreifen können: Die ganzen Zukunftsprozesse, die Digitalisierungsprozesse, aber auch die Finanzstrategie, die ja irgendwie erstmal so wirkt, als würde sie nicht so viel Spaß machen, aber auch eine riesige Chance für Gestaltung ist.

Das ist, glaube ich, was, da habe ich Hoffnung, dass wir da als Synode echt gute Wege gehen und das, was begonnen ist, weiter fortsetzen. Ich wünsche mir natürlich, dass wir auch jetzt nach den Monaten, wo vieles nicht passieren konnte oder nicht stattfinden konnte, wo wir vieles Neues ausprobiert haben, das wir jetzt, wenn wir wieder starten, wirklich gekonnt und gut und nüchtern zurückblicken auf die letzten Monate und gucken: Wo sind Sachen liegen geblieben, um die wir uns jetzt kümmern müssen? Wo haben wir Sachen gemacht, weil sie irgendwie ein Ersatz für Sachen waren, die wir nicht mehr machen konnten? Und wo fangen wir aber Sachen, die es vorher gab, die es aber eigentlich gar nicht mehr gebraucht hat, jetzt auch nicht mehr an?

Das wünsche ich mir – diesen Mut, in den nächsten Monaten und im nächsten Jahr zu gucken, was wir aus dieser Disruption, die durch die Corona-Krise entstanden ist, mitzunehmen. Und wo tun sich auch Themenfelder auf, wo wir als Kirche wieder mehr reingehen müssen?

Frage: Auf Instagram nehmen Sie bei genau diesen Schritten ja auch die Leute mit dahin, wo Sie gerade kirchlich unterwegs sind. Sie erklären beispielsweise, was überhaupt eine Präses ist und dass das in der weiblichen Form auch so heißt. Ist das eine Chance, die Kirche insgesamt auch ein bisschen zu verjüngen oder auch junge Christinnen und Christen zu erreichen?

Heinrich: Oh, ich glaube, da schwingen ganz viele Sachen mit. Natürlich erstens so ein bisschen die Sache transparent zu gestalten, also die Leute mitzunehmen. Auch zu zeigen, was da dranhängt und was für Möglichkeiten dadurch entstehen.

Ich glaube, der zweite Punkt ist schon auch, dass das ein Impuls für mich ist. Das ist im Grunde wie wenn ich sonntags nach dem Gottesdienst den Leuten sage: Da und da war ich heute unterwegs oder bin ich heute unterwegs und spreche noch über das und das Thema. Dann passiert es ja im Gespräch auch, dass Leute einem was mit auf den Weg geben. Genau das funktioniert auch in Social Media und hilft mir dann oft ein bisschen, meine Gedanken zu sortieren oder auch noch mal andere Impulse zu kriegen.

Und dieser erklärende Faktor ist tatsächlich etwas, wo ich jetzt auch in den letzten Wochen viel überlegt habe, weil natürlich sehr viele konkrete Glaubensfragen kommen. Das sind persönliche Glaubensfragen, aber auch einfach strukturelle Glaubensfragen oder theologische Fragen, worauf ich oft selber gar keine wirklich guten Antworten habe, aber dann jetzt gesegnet bin, dass ich auf Menschen zurückgreifen kann, die gute Antworten darauf haben.

Das ist, glaube ich, etwas, das will ich in den nächsten Wochen oder Monaten auch mal ein bisschen mehr durchdenken. Auf Kika gibt es so ein Format, "Checker Can". Ob es nicht eigentlich auch irgendwie so einen "Kirchen-Checker" braucht, der irgendwie Sachen erklärt, die man wahrscheinlich eigentlich im Kindergottesdienst lernt, aber die viele halt nicht mehr mitbekommen, weil sie noch nie in einem Kindergottesdienst waren.

Instagram spielt in der Arbeit von Anna-Nicole Heinrich eine wichtige Rolle.

Frage: Was geben Ihnen denn Menschen mit auf den Weg – ob es jetzt nach dem Gottesdienst bei einem Pläuschchen ist oder auf Instagram?

Heinrich: Ganz viele unterschiedliche Sachen. Das, was in den letzten Wochen am häufigsten passiert ist, ist die Zusage für Unterstützung. Die Zusage dafür, dass sie immer ansprechbar sind und dann oft auch zu konkreten Themen, wo die Menschen, mit denen ich im Austausch bin, Expertinnen oder Experten sind. Sonst ganz viel Mut und Gelassenheit und aber auch Tipps auf einer sehr persönlichen Ebene und Unterstützungsangebote.

Letztens hat mir jemand geschrieben, er ist gerne immer Soundingboard (gibt Resonanz), wenn auch mal die haarigen Zeiten kommen, wenn es mal passiert, dass man mit einem Thema irgendwie in den Brunnen gefallen ist. Das tut tatsächlich gerade gut, einfach auf den ersten Schritten zu wissen, dass da viele Menschen sind, die einen begleiten. Themen oder Agenda-Setting machen tatsächlich gerade noch die wenigsten.

Frage: Was aber ja bestimmt kommen wird: Die Evangelische Kirche in Deutschland hat einige große Herausforderungen zu meistern. Weniger Geld zum Beispiel, das sie zur Verfügung hat. Gläubige fühlen sich nicht mehr so verbunden mit der Kirche und – wie in der katholischen Kirche auch – treten die Menschen aus der Kirche aus. Wir haben gerade die aktuellen Zahlen gesehen: 440.000 waren es letztes Jahr. Dafür gibt es viele Gründe. Einer davon sind sicherlich die Missbrauchsfälle, die im vergangenen Jahrzehnt zunehmend ans Licht gekommen sind. Und die Aufarbeitung ist wichtig, keine Frage. Fühlt sich das aber vielleicht auch ein bisschen wie ein erdrückendes Erbe an? Und haben Sie manchmal die Sorge, dass andere Fragen und Themen der Zukunft da dann hintenanstehen?

Heinrich: Letzteres muss ich ganz klar verneinen. Es ist das Thema, was gerade oben aufliegt und was auch oben aufliegen muss. Das ärgert mich irgendwie. Es macht mich betroffen, dass man da immer wieder auch beim Thema der Aufarbeitung in Sackgassen rennt.

Das wird jetzt einfach eine wichtige Aufgabe sein, auch in der Synode und in der synodalen Arbeit vor allem jetzt mit Blick auf die Herbstsynode gilt es, Raum zu ermöglichen, dort auch Betroffenen noch mal Raum zu geben, Stellung zu beziehen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Das wird uns weiter beschäftigen und das ist etwas, was man mittragen muss. Aber es darf keine Last sein, denn es ist wichtig, dass wir uns diesen Sachen stellen.

Frage: Was keine leichte Aufgabe wird, glaube ich, in einer Zeit, in der die Kirche durch diese Krise jetzt geht. Wo sehen Sie die Zukunft der Kirche?

Heinrich: Was für eine breite Frage! Bei den Leuten, mit einer guten Botschaft unterstützend, die Menschen annehmend – wenn Sie so eine breite Frage stellen, fallen mir nur ganz viele Floskeln ein. Ich kann es ein bisschen defizitorientierter formulieren: Ich sehe die Kirche, auch wenn sie kleiner wird – und das müssen wir ganz pragmatisch annehmen ... Wir werden kleiner werden. Wir werden die Trends, die sich ja jetzt auch in den Mitgliederzahlen abbilden, nicht umkehren können. Das zumindest setze ich jetzt mal voraus.

Trotzdem haben wir in Zukunft deshalb nicht weniger Wirkkraft. Nur weil wir kleiner werden, haben wir trotzdem noch eine mega gute Botschaft, die sich lohnt, in die Welt zu tragen. Nur weil das ein paar weniger Leute tun, heißt das nicht, dass das weniger erreicht.

Nur weil wir kleiner werden, haben wir trotzdem noch eine mega gute Botschaft, die sich lohnt, in die Welt zu tragen.

Zitat: Anna-Nicole Heinrich

Frage: Wirkung in welche Richtung? Und wie formulieren Sie diese Botschaft, die Sie transportieren?

Heinrich: Es hat mehrere Dimensionen. Natürlich die persönliche Wirkung auf jedes Individuum, also in einem persönlichen Kontakt, aber schon auch eine gesamtgesellschaftliche Wirkung und Aufgabe, dort gestaltend tätig zu werden.

Frage: Das heißt auch ein bisschen erklärender und vielleicht mit mehr Außenwirkung, sodass man die Präsenz der Kirche sieht?

Heinrich: Ja, erklärender und noch etwas – das ist wieder nur so ein Bild in meinem Kopf. Wir wissen ja: Die Menschen werden nicht mehr so stark sozialisiert von zu Hause. Es ist ja bei mir auch so, dass da von zu Hause wenig mitgegeben worden ist. Die Glaubensinhalte sind einfach nicht mehr so präsent. Riten sind oft unbekannt. Traditionen spielen manchmal gar keine Rolle mehr oder man kennt sie einfach nicht.

Ich glaube, wir müssen es in Zukunft als Kirche schaffen, mehr Räume zu eröffnen, wo Menschen sich mal punktuell berührt fühlen können von der Botschaft oder punktuell getragen oder punktuell unterstützt sein können davon. Ich glaube, das sind Sachen, wo wir ein gutes Gespür dafür entwickeln sollten in den nächsten Jahren, wo wir es schaffen, solche Räume öffentlich wirksam gut kommuniziert zu eröffnen.

Frage: Was ja auch spannend ist, dass Sie das von zu Hause gar nicht so mitbekommen haben, aber jetzt hier in diesem Amt ganz oben stehen und auch Lust haben, das weiterzuführen bzw. auch so ein bisschen zu erneuern. "Wachmacherin" war vorhin das Stichwort. Wie ist es dazu gekommen oder wie haben Sie selbst sich dann diese Dinge angeeignet, die Riten und die Kirche verstanden?

Heinrich: Also, ich würde sagen, ich eigne mir das immer noch an. Ich bin, glaube ich, noch nicht hier am Ende der Erkenntnis angelangt. Ich glaube, das ist tatsächlich keiner.

Einfach mitmachen. Ich habe sehr profitiert davon, dass ich viele Leute in meiner Umgebung hatte, eben auch durch die Jugendarbeit in der Gemeinde und dann auch darüber hinaus, die sozusagen beim Entdecken geholfen haben und das jetzt im Präsesamt auch noch einmal auf eine ganz andere Weise tun, weil ich auf einmal auch viel mehr gefordert bin, über diese Sachen zu sprechen.

Viele der Gedanken entstehen eben nur, wenn man das im Diskurs mit Freunden, mit Bekannten macht und darüber ins Gespräch kommt. Ich glaube, alleine durch diese Bestärkung, "wir nehmen dich mit, wir trauen dir etwas zu", ist viel Gutes in mir entstanden, was dann am Ende wahrscheinlich auch dazu beigetragen hat, dass ich dann in die Synode gekommen bin.

Frage: Bei den Gedanken oder den Visionen, die Sie für die Zukunft der Kirche haben, spielt da auch die Ökumene eine Rolle, also die Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche? Sehen Sie da neue Wege, aufeinander zuzugehen?

Heinrich: Auf alle Fälle. Ich komme ja aus einer Gegend, wo es weniger als fünf Prozent evangelische Christen gibt. Der Großteil meiner Freundinnen und Freunde ist katholisch. Ich bin zum Beispiel als Jugendliche auch bei den Sternsingern mitgegangen, weil man das bei uns im Dorf einfach so gemacht hat. Ich arbeite an der Uni Regensburg an der Professur für Pastoraltheologie und Homiletik, also an der katholischen Fakultät, fachfremd sozusagen. Ich mache hier keine Theologie, aber fühle mich hier gut eingebunden – und wir unterhalten uns hier mit den Kolleginnen und Kollegen natürlich auch über unseren Glauben.

Ich bin mir sicher, Ökumene ist ein riesiges Thema für die nächsten Jahre – gerade auch die Ökumene evangelisch-katholisch hier in Deutschland. Und ich hoffe, dass meine Generation – und so würde ich es jetzt einfach mal steil behaupten, für die die Konfessionsgrenzen kaum mehr eine Rolle spielen – mit dieser Auffassung auch Schwung in die gemeinsame Ökumene bringt.

Frage: Das heißt: Da, wo die Kirche kleiner wird, dann zusammenwachsen, damit man doch noch da ist?

Heinrich: Ah, da ist ja wieder so ein negativer Blick drauf. Nein, einfach zu sehen, dass uns viel mehr eint als uns trennt und wir deshalb frohen Mutes die Sachen zusammen machen können, egal wie groß oder klein wir sind.

Frage: Und gibt es da dann auch die Aussicht auf ein gemeinsames Abendmahl beispielsweise, sodass man auch einfach zusammen diese Gemeinschaft feiern kann oder bleibt das ein trennendes Element?

Heinrich: Das obliegt, glaube ich, den Menschen, die das Abendmahl empfangen wollen. Wir haben es ja auch auf dem Kirchentag gesehen. Ich fühle mich da frei und eingeladen, zu allen Abendmahlsfeiern zu gehen.

Frage: Was bringt Ihnen persönlich Hoffnung – sowohl im Amt als auch in der Situation rund um die Corona-Pandemie?

Heinrich: Ich glaube, das Christsein an sich. Dieses Eingebundensein, dieses Wissen, da kommt noch irgendwas und diese Zuversicht, die man oft auch in aussichtslosen Situationen aufbringt, das ist schon etwas, was in den letzten Monaten getragen hat. Also würde ich auf die Frage "Was gibt dir Hoffnung?" antworten: Die Hoffnung, die ich durch mein christliches Leben und durch die christliche Gemeinschaft mitgegeben bekomme, gibt mir Hoffnung.

Von Katharina Geiger

Hinweis

Bei den Interview handelt es sich um die Transkribierung eines Podcasts, nicht um ein journalistisch überarbeitetes Wortlaut-Interview.