Pater Klaus Mertes im Porträt
Jesuit erhält Salzburger "Theologischen Preis"

Pater Klaus Mertes für sein Lebenswerk ausgezeichnet

Seit 2010 war er die treibende Kraft, um Missbrauch in der katholischen Kirche aufzuarbeiten: Jetzt wurde der Jesuit Klaus Mertes mit dem Salzburger "Theologischen Preis" für sein Lebenswerk geehrt. Laudator war ZdK-Präsident Thomas Sternberg.

Salzburg - 05.08.2021

Der Jesuit Klaus Mertes hat am Mittwochabend den "Theologischen Preis" der Salzburger Hochschulwochen erhalten. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis würdigt das theologische Lebenswerk des Jesuiten, der dadurch bekannt wurde, dass er 2010 als damaliger Schulleiter des Berliner Canisius-Kollegs einen Missbrauchsskandal öffentlich gemacht hatte. Verliehen wurde der Preis in der Bibliotheksaula der Universität Salzburg in Anwesenheit von Erzbischof Franz Lackner, dem Münchener Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx, sowie dem Laudator, ZdK-Präsident Thomas Sternberg.

Bei seiner Begrüßung zitierte der Obmann der Hochschulwochen, Martin Dürnberger, aus der Jury-Begründung: Diese würdige mit dem Preis nicht nur Mertes' Durchbrechen von Schweigespiralen beim Thema Missbrauch, sondern auch "seine beharrliche Reflexion auf die systemischen Ursachen und deren Bearbeitung" sowie "den klaren Ton, den er dabei anschlägt".

"Geheimhaltungen und fehlende Strategien" überwunden

Thomas Sternberg würdigte Mertes' Beitrag zur Aufarbeitung des schon vor 2010 immer wieder thematisierten, doch nie in seinem ganzen Ausmaß sichtbar gewordenen kirchlichen Missbrauchsskandals. Mertes habe immer wieder Mut bewiesen und dazu beigetragen, dass "Geheimhaltungen und fehlende Strategien" überwunden wurden, so Sternberg. Die katholische Kirche in Deutschland und darüber hinaus habe "allen Anlass, ihm für seinen Mut zu danken", so Sternberg.

In seinen Dankesworten unterstrich Mertes die Notwendigkeit, eine sowohl von der Täter- als auch von der Opferseite unabhängige Instanz zu schaffen. Nur so könne es gelingen, "das Eckige der Konfrontation mit dem Runden der Kooperation irgendwie in Verbindung zu bringen" und zwischen beiden Seite eine tragfähige Kommunikationsbasis zu schaffen. Auf diesem Weg gebe es kirchlicherseits weiterhin zahlreiche Stolpersteine, etwa das Fehlen einer kirchlichen Sprache, die Brücken zu den Opfern baue, statt Traumata auszulösen; oder die fortbestehende Versuchung eines klerikalen Machtmissbrauchs, durch den jegliche Bemühungen "kontaminiert und vergiftet" würden.

Der "Theologische Preis" zählt zu den renommiertesten theologischen Auszeichnungen im deutschen Sprachraum. Preisträger der vergangenen Jahre waren Karl-Josef Kuschel (2019), Hans Joas (2018), Eberhard Schockenhoff (2017) sowie Jan und Aleida Assmann (2016). Mertes (66) war bereits im April von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier für seinen jahrelangen Kampf gegen sexuellen Missbrauch mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt worden. Gemeinsam mit Mertes wurde damals der Betroffenenvertreter und Gründer der Initiative "Eckiger Tisch", Matthias Katsch, ausgezeichnet. (tmg/KNA)