Augsburger Oberhirte fordert geschlossene Ablehung durch katholische Kirche

Bischof Meier warnt vor Zerreißprobe bei Suizid-Assistenz

Aktualisiert am 16.08.2021  –  Lesedauer: 

Ziemetshausen ‐ "Wir schützen und verteidigen das Leben von der Zeugung bis zum natürlichen Tod, ohne Wenn und Aber", betont Bischof Bertram Meier – und kritisiert Überlegungen, den assistierten Suizid als Dienstleistung in caritativen Einrichtungen anzubieten.

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Der Augsburger Bischof Bertram Meier hat sich für eine geschlossene Ablehung der Suizidbehilfe durch die katholische Kirche ausgesprochen. Es dürfe nicht zu einer ähnlichen Zerreißprobe kommen wie beim Streit um die Schwangerenkonfliktberatung, sagte Meier laut Redemanuskript am Sonntagabend im mittelschwäbischen Wallfahrtsort Maria Vesperbild.

Nachdrücklich wandte sich der Bischof gegen Überlegungen, "den assistierten Suizid als Dienstleistung in caritativen Einrichtungen nach erfolgter Pflichtberatung anzubieten". Durch eine solche Mitwirkung würde die Kirche ihre Mission verfehlen. "Wir schützen und verteidigen das Leben von der Zeugung bis zum natürlichen Tod, ohne Wenn und Aber." Es sei gut, die Bewahrung der Schöpfung ganz oben anzusetzen, "aber bitte nicht auf Kosten des Menschen". Hier gelte es, eine "klare Ansage" zu machen. "Christen müssen identifizierbar sein." Meier äußerte sich in einer Predigt zum Hochfest Mariä Himmelfahrt.

Distanz zu Vorstoß evangelischer Theologen

Ohne darauf näher Bezug zu nehmen, distanzierte sich der katholische Bischof damit von einem Vorstoß evangelischer Theologen. Diese hatten im Mai angeregt, professionell assistierte Suizide auch in kirchlichen Einrichtungen zu ermöglichen. Das ist auch innerhalb der evangelischen Kirche umstritten.

Das Bundesverfassungsgericht hatte im Februar 2020 das Verbot der geschäftsmäßigen Beihilfe zur Selbsttötung gekippt. Das Recht zur Selbstbestimmung umfasse auch, seinem Leben ein Ende zu setzen, so die Karlsruher Richter, die zugleich ein Schutzkonzept befürworteten. Inzwischen liegen mehrere Vorschläge für eine gesetzliche Neuregelung auf dem Tisch. Sie sollen sicherstellen, dass Suizidwünsche nicht durch gesellchaftlichen und familiären Druck verursacht sind und auch nicht auf psychische Krankheiten zurückgehen.

Erst in der vergangenen Woche hatten kirchliche Vertreter ihre Ablehnung der Suizidbeihilfe bekräftigt. Die katholische Kirche wolle "Hilfe im Sterben und nicht Hilfe zum Sterben leisten", hieß es in einem gemeinsamen Gastbeitrag von Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck, Caritaspräsident Peter Neher und Moraltheologin Kerstin Schlögl-Flierl in der "Welt". Bisweilen werde diese Position als "unbarmherzig, würdelos und stumpf dem Leid der Wehrlosen gegenüber" kritisiert, schrieben die Autoren. Barmherzigkeit bedeute indes aus katholischer Sicht "das Begleiten beim Sterben und nicht das Verhelfen zu diesem". (tmg/KNA)