Die Heilige Kommunion
Budapest erwartet zur Abschlussmesse Papst Franziskus

Riesige Erstkommunionfeier eröffnet Eucharistischen Weltkongress

An diesem Sonntag beginnt in Budapest der Eucharistische Weltkongress. Das achttägige Treffen umfasst Katechesen und Gottesdienste, Ausstellungen, Konzerte und einen Familientag. Auch Papst Franziskus nimmt an dem Kongress teil.

Von Andreas Gutenbrunner |  Budapest - 04.09.2021

Ein überdimensionales Kreuz aus 64 mit Flugdrohnen gebildeten Lichtpunkten bildete kürzlich den Schlusspunkt des Großfeuerwerks über der Donau in Budapest zum ungarischen Staatsfeiertag. Die Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban betont bei jeder Gelegenheit die christliche Identität des Landes. Nun ist von 5. bis 12. September der 52. Eucharistische Weltkongress der katholischen Kirche in Budapest zu Gast. Für dessen Abschlussmesse kommt sogar Papst Franziskus zu einem Kurzbesuch in die ungarische Hauptstadt.

Nicht eine katholische Machtdemonstration soll das Großereignis aber sein, sondern eine kirchliche "Öffnung zur Welt" und eine Stärkung des Glaubens, wie der Budapester Kardinal Peter Erdö im Vorfeld mehrfach betonte. Das Verständnis und die Verehrung des Sakraments der Eucharistie in der Orts- und Weltkirche fördern und vertiefen sollen die alle paar Jahre in einer anderen Metropole stattfindenden Internationalen Eucharistischen Kongresse (IEC/NEK). Zudem bringt das geplante Programm in Budapest zum Ausdruck, dass zwischen Frömmigkeit und karitativem Wirken ein untrennbarer Zusammenhang besteht.

1.200 Erstkommunionkinder auf dem Budapester Heldenplatz

Das wird bereits zum Auftakt deutlich: Eröffnet wird das Treffen am Nachmittag des 5. September – und zwar mit einem vom Vorsitzenden des Rates der europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) Kardinal Angelo Bagnasco geleiteten großen Gottesdienst auf dem Budapester Heldenplatz, bei dem 1.200 Erstkommunionkinder zum ersten Mal die Eucharistie empfangen werden. Schon vorab organisieren die Kongressveranstalter aber auch ein Mittagessen für Obdachlose.

Blick über die ungarische Hauptstadt Budapest.

Schlusspunkte sind am Abend des 11. September ein Gottesdienst mit Kerzenprozession, die vom Kossuth-Platz vor dem Parlament über den breiten Boulevard der Andrassy-Straße zum Heldenplatz führt. Dazu wird auch der orthodoxe Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. erwartet. Tags darauf kommt Papst Franziskus morgens in Budapest an und feiert den Abschlussgottesdienst des Weltkongresses, bevor er nach Bratislava weiterreist. Es ist das erste Mal seit dem Jahr 2000, dass ein Papst persönlich am IEC teilnimmt.

Für die Tage des IEC hat Ungarns Regierung die nationalen Corona-Zugangsbeschränkungen zu Massenveranstaltungen aufgehoben. Staatssekretär Zoltan Kovacs sprach zuletzt von rund 100.000 Menschen, die sich rund um die Kongresstage in Budapest aufhalten werden. Wie groß vor allem die Zahl internationaler Teilnehmer sein wird, bleibt aber abzuwarten. Angesichts der internationalen Corona-Reisebeschränkungen ist zu erwarten, dass die Versammlung nicht so groß ausfallen wird wie frühere Treffen.

Prominente Teilnehmer aus der Weltkirche

Aus der Weltkirche erwartet werden neben dem vatikanischen Kurienerzbischof Piero Marini etwa die Kardinäle Louis Raphael Sako (Bagdad), Charles Maung Bo (Yangon, Myanmar), Dominik Duka (Prag), Orani Joao Tempesta (Rio, Brasilien), John Onaiyekan (Nigeria) und Jean-Claude Hollerich (Luxemburg) oder der philippinische Erzbischof Jose Palma aus Cebu, wo 2016 der vorige Weltkongress stattfand. Auch Ungarns Präsident Janos Ader gibt ein Glaubenszeugnis ab, "nicht nur als Präsident, sondern auch als katholischer Vater und Ehemann", wie Weltkongress-Generalsekretär Kornel Fabry erklärte.

Am 9. September gibt es einen Gottesdienst in Lovari-Romanes, für den ein junger ungarischer Komponist erstmals die in diesen Dialekt der Roma und Sinti übersetzten Hauptteile der katholischen Messe vertont hat. Weitere besondere Gottesdienste finden etwa in der Stephansbasilika im Zentrum Budapests statt. Dort feiert der melkitische griechisch-katholische Patriarch von Antiochien und Alexandrien, Yousif Absi, am 8. September eine Messe im byzantinischen Ritus.

Erstmals seit dem Jahr 2000 kommt mit Franziskus auch ein Papst zum Eucharistischen Weltkongress.

Zum Programm gehören auch eine Jugendveranstaltung in der Laszlo-Papp-Sportarena am 10. September und tags darauf ein Familientag auf der Margareteninsel. Auf dem Platz vor der Stephansbasilika erwarten Besucher während der Kongresstage Kulturveranstaltungen, darunter die St.-Stephans-Buchwoche und eine Bühne mit landestypischer Musik und Podiumsgesprächen. Das Ungarische Nationalmuseum zeigt eine Schau, die unter dem Titel "Kreuzfeuer" Christenverfolgung thematisiert.

Zweiter Weltkongress in Budapest

Geplant sind außerdem zahlreiche Konzerte. So tritt am 9. September in der Franz-Liszt-Musikakademie der Synodal-Chor des orthodoxen Moskauer Patriarchats auf. Parallel zum Kongress findet in Budapest das diesjährige "Ars Sacra"-Musikfestival statt.

Die Eucharistischen Weltkongresse der katholischen Kirche werden seit 1881 an wechselnden Orten in zuletzt vierjährigem Abstand durchgeführt. Budapest war bereits 1938 einmal Gastgeber. Eigentlich hätte das aktuelle Großtreffen bereits im September 2020 stattfinden sollen; es wurde aber wegen der Corona-Pandemie verschoben.

Von Andreas Gutenbrunner