Papst Franziskus und sein Vorgänger Benedikt XVI.
Emeritierter Papst umreiße Idee Europas "mit der ihm eigenen Klarheit"

Franziskus schreibt Vorwort zu Buch mit Texten Benedikts XVI.

Ein neues Buch hat Beiträge von Benedikt XVI. zum Thema Europa gesammelt. Papst Franziskus ließ es sich nicht nehmen, ein Vorwort dafür zu verfassen. Darin lobt er die Gedanken seines Vorgängers – und teilt dessen Kritik an bestimmten Entwicklungen.

Mailand/Vatikanstadt - 12.09.2021

Papst Franziskus hat wieder einmal ein Vorwort verfasst. Dieses Mal zu einem Buch mit Texten von Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. zum Thema Europa. Die Tageszeitung "Corriere della Sera" veröffentlichte das Vorwort zu dem italienischen Band "La vera Europa, identita e missione" (Das wahre Europa. Identität und Mission) an diesem Sonntag. Der Beitrag von Franziskus trägt den Titel "Es ist nicht Europa, wenn das Leben nicht heilig ist."

"Mit der ihm eigenen Klarheit, Unmittelbarkeit und mit Tiefgang umreißt der emeritierte Papst hier in großartiger Weise die 'Idee Europas', die zweifellos die Gründerväter inspiriert hat und die Grundlage seiner Größe ist", so Franziskus. Dabei erinnert er daran, dass sein Vorgänger oft auf das Christentum und den Humanismus Europas verwiesen habe, in deren Mitte die Gestalt Jesu Christi stehe. Er sei "Grundlage des wahren Humanismus, einer neuen Menschlichkeit".

Achtung vor jedem menschlichen Leben verschwinde

Wenn Gott Mensch geworden sei, empfange der Mensch eine ganz neue Würde. Solange der Mensch als Produkt einer zufälligen Evolution betrachtet werde, sei Menschsein selbst ein Zufall und könne ihn auch einmal scheinbar höheren Zwecken opfern. "Wenn aber Gott jeden einzelnen Menschen geschaffen und gewollt hat, dann ist es ganz anders", zitiert Franziskus Benedikt XVI.

Wie der vorige Papst kritisiert auch Franziskus: "Jenseits vieler Worte und lautstarker Proklamationen verschwindet heute in Europa immer mehr der Gedanke der Achtung vor jedem menschlichen Leben." Dies beginne damit, dass das Bewusstsein der Heiligkeit des Lebens schwinde. Benedikt XVI. habe sich nicht gescheut, "mit großem Mut und Weitblick die vielen Erscheinungsformen dieser dramatischen Abkehr vom Schöpfungsgedanken anzuprangern". (KNA)