Bischof Bode: Ich stehe voll in der Tradition
Oberhirte weist Kritik an seiner Haltung gegenüber Reformen zurück

Bischof Bode: Ich stehe voll in der Tradition

"Es gibt tatsächlich Katholiken, die mich für nicht mehr katholisch halten": Bischof Franz-Josef Bode hat sich gegen Kritik konservativer Katholiken an seiner Person zur Wehr gesetzt. Manche Kritiker wüssten gar nicht, wie katholisch er sei.

Osnabrück - 17.09.2021

Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode hat Kritik konservativer Katholiken an seiner Amtsführung und seiner Haltung gegenüber Reformen in der katholischen Kirche zurückgewiesen. "Es gibt tatsächlich Katholiken, die mich für nicht mehr katholisch halten. Das muss ich manchmal so stehen lassen. Ich bin allerdings fest davon überzeugt, auf katholischem Grund zu stehen, und ich bin ja auch nicht alleine mit meiner Haltung", sagte Bode am Freitag in einem Interview der "Neuen Osnabrücker Zeitung" auf die Frage, wie er mit Gläubigen umgehe, die ihn für einen Häretiker hielten und von Reformen in der Kirche nichts wissen wollten. Manche Kritiker wüssten gar nicht, wie katholisch er im Alltag sei. "Ich stehe voll in der Tradition", so der Bischof.

Mit Blick auf die viel kritisierte Haltung der Kirche zu Fragen der Sexualität erklärte Bode, ihm sei "die tiefe Kluft zwischen der Lehrmeinung der Kirche und der Lebensrealität der Menschen bewusst". Die Kirche müsse sich hier weiterentwickeln – von einer engen Sexualmoral, die praktizierte Sexualität nur in der kirchlich gültig geschlossenen Ehe für zulässig halte, hin zu einer Beziehungsethik, die für verschiedene Formen der Liebe Maßstäbe schaffe.

Bode: Ergebnisse von Missbrauchsaufarbeitung in Ruhe auswerten

Zu der im Mai von der Universität Osnabrück begonnenen Arbeit an einer unabhängigen Studie zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in seinem Bistum erklärte Bode: "Ich weiß nicht, was kommt. Aber ich rechne nicht damit, dass über die bekannten Fälle hinaus neue hinzukommen werden." Er könne sich vorstellen, dass die Wissenschaftler im Zuge ihrer Arbeit an der Studie auch mit ihm noch einmal sprechen wollten; dies lasse er auf sich zukommen. "Und wenn Konsequenzen zu ziehen sind, muss man die Ergebnisse in Ruhe auswerten. Mich hat etwas gewundert, dass das in Köln so schnell ging", sagte der 70-Jährige.

Gefragt nach möglichen persönlichen Konsequenzen antwortete Bode ausweichend: "Das ist die berühmte Frage nach einem Rücktritt: Gibt es nur die eine Form des Rücktritts, oder gibt es bei Fehlverhalten, das oft nicht einmal strafbar ist, auch Zwischenformen der Buße?" Für die Beantwortung solcher Fragen wäre aus seiner Sicht eine Disziplinarkammer und eine Verwaltungsgerichtsbarkeit in Deutschland "sehr hilfreich". (stz)