ZdK: Gemeinden sollten bei Frauen und Homosexuellen selbst entscheiden
Vizepräsidentin Lücking-Michel fordert Gestaltungsmöglichkeiten für Ortskirchen

ZdK: Gemeinden sollten bei Frauen und Homosexuellen selbst entscheiden

Gemeinden müssen mehr Eigenständigkeit bei der Rolle von Frauen und dem Umgang mit homosexuellen Paaren haben, fordert Claudia Lücking-Michel. Zudem zeigt sie sich optimistisch, dass mit dem DBK-Vorsitzenden Georg Bätzing echte Reformen möglich sind.

Baden-Baden/Fulda - 24.09.2021

Die katholische Kirche sollte ihren Gemeinden nach Ansicht von Laienvertretern mehr Eigenständigkeit bei der Rolle von Frauen und dem Umgang mit homosexuellen Paaren einräumen. Die Vize-Präsidentin des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken (ZdK), Claudia Lücking-Michel, sagte dazu im SWR2 Tagesgespräch (Donnerstagabend), gerade bei diesen wichtigen Themen sollte die Weltkirche einen Rahmen vorgeben, in dem Ortskirchen ihre eigenen Gestaltungsmöglichkeiten hätten. "Die müssen ja nicht gleichzeitig vom Südpol bis zum Nordpol überall gelten", sagte die Theologin.

Gleichzeitig zeigte sie sich optimistisch über den derzeitigen Reformprozess innerhalb der katholischen Kirche, den sogenannten Synodalen Weg: Bei allem, was es zu kritisieren gebe, nehme sie den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, als sehr überzeugend wahr und glaube, mit ihm könne man Reformen angehen. Anlass des Interviews war die am Donnerstag zu Ende gegangene Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) in Fulda. Dabei ging es unter anderem um Personalentscheidungen, Debatten über Reformen und Zahlungen für Missbrauchsopfer.

Frauen fordern von Bischöfen geschlechtergerechte Kirche

Zum Abschluss des Herbsttreffens der Bischöfe hatten rund 80 Frauen und Männer für eine geschlechtergerechte Kirche und eine schonungslose Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch demonstriert. Sie zogen mit Transparenten und Regenbogenfahnen durch die Innenstadt bis zum Fuldaer Dom. Frauen dürften nicht länger vom Priesteramt ausgeschlossen werden, so ihre Forderung. Es brauche eine radikale und grundlegende Erneuerung der katholischen Kirche.

Zugleich mahnten sie die weitere Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in der Kirche an. "Mit den Verbrechen des sexuellen und geistlichen Missbrauchs, mit der fehlenden Gleichberechtigung, der lebensfremden und diskriminierenden Sexualmoral, der Zölibatsverpflichtung, mit dem Klerikalismus und dem Machtmissbrauch ist übergroßes Leid verbunden", so die Veranstalterinnen der Protestbewegung "Maria 2.0".

Mehrere Bischöfe und die DBK-Generalsekretärin Beate Gilles suchten bei der Abschlusskundgebung am Dom das Gespräch mit den Demonstrantinnen. Der stellvertretende DBK-Vorsitzende Franz-Josef Bode dankte den Frauen, dass sie die Kirche mit "Protest, Gebet und Leidenschaft" begleiteten. Der Fuldaer Bischof Michael Gerber schenkte den Demonstrantinnen einen großen Weidenkorb voller Äpfel aus dem Bischofsgarten.

Unterdessen rief die Initiative "Wir sind Kirche" die Bischöfe dazu auf, den "mühsam begonnenen Reformprozess des Synodalen Weges geschlossen und mit voller Kraft weiterzugehen". Es brauche eine theologisch begründete Weiterentwicklung der kirchlichen Lehre. Dabei gehe es keineswegs um einen deutschen Sonderweg oder um eine Abspaltung von der katholischen Weltkirche. (tmg/KNA)