Kreuz auf Regenbogenfahne
Forderungen im Vorfeld der zweiten Synodalversammlung veröffentlicht

Männer im ZdK rufen zu Wertschätzung homosexueller Partnerschaften auf

Im Mai hatte es in vielen Bistümern Gottesdienste gegeben, bei denen auch homosexuelle Paare einen Segen erhalten konnten. 26 Männer aus dem ZdK haben sich nun dafür ausgesprochen, diese Praxis fortzusetzen – und weitere Forderungen formuliert.

Bonn - 29.09.2021

26 männliche Mitglieder der Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) haben im Vorfeld der morgen beginnenden zweiten Synodalversammlung zu mehr Wertschätzung für homosexuelle Partnerschaften in der Kirche aufgerufen. Als Anlass für die am Mittwoch veröffentlichten Forderungen geben die Unterzeichner die Initiative "#mehrSegen" an, bei der sich im März rund 2.600 hauptamtliche Seelsorger dafür ausgesprochen hatten, gleichgeschlechtliche Paare zu segnen. Im Mai gab es im Zuge der Aktion "#liebegewinnt" bundesweit entsprechende Segensgottesdienste. Zuvor hatte die vatikanische Glaubenskongregation diese Praxis jedoch offiziell untersagt.

Die ZdK-Mitglieder fordern, dass Seelsorger, die homosexuelle Paare gesegnet haben, nicht abgemahnt werden. Weiter sprechen sich die Unterzeichner für eine Weiterführung dieser Segenshandlungen aus. Sie bestärken die Delegierten des ab Donnerstag in Frankfurt am Main tagenden Synodalen Wegs, sich für die Möglichkeit eines solchen Segens in allen deutschen Diözesen einzusetzen. Zudem sollen kirchliche Mitarbeiter nicht gekündigt werden, wenn sie auf dem Standesamt eine Ehe mit einem Partner des gleichen Geschlechts eingehen. Gleiches solle für Hauptamtliche gelten, die ihre sexuelle Orientierung öffentlich machen. Auch homosexuelle Priester und Seminaristen sollen künftig nicht mehr unter Nachteilen durch ein Outing im kirchlichen Raum leiden. Schließlich fordern die Unterzeichner in allen Bistümern offiziell benannte Seelsorger für die Pastoral an homo-, bi-, trans- und intersexuellen Gläubigen.

Homosexualität nicht "unmännlich"

Die Unterzeichner wollen sich mit ihrem Aufruf mit Homosexuellen solidarisieren. Homosexualität sei nicht "unmännlich", wie manchmal zu hören sei. Die Möglichkeit, eine Beziehung eingehen zu können, die der eigenen sexuellen Ausrichtung entspricht, sehen die ZdK-Mitglieder als "grundlegendes Menschenrecht" an. Auch einen Widerspruch zu biblischen Aussagen sehen die 26 Männer nicht, da Gott die Menschen als aufeinander verwiesene Wesen geschaffen habe, für die es nicht gut sei, "alleine zu bleiben" (Gen 2,18). "Folgerichtig halten wir das Bekenntnis zweier Männer, einander treu in ihrer Liebe sein zu wollen und diese, ihre Liebe fruchtbar zu machen für Kirche und Gesellschaft, als einen wertvollen Beitrag zum Schöpfungswillen Gottes."

Die immer noch anzutreffende Diskriminierung homosexueller Männer in der Gesellschaft und in "hohen kirchlichen Kreisen" verurteilen die Unterzeichner scharf. Sie verurteilen die diskriminierenden Aussagen des polnischen Priesters Dariusz Oko, der Homosexuelle unter anderem als "Krebsgeschwür" bezeichnet hatte. Im Juli erließ ein Amtsgericht in Köln einen Strafbefehl gegen Oko wegen Volksverhetzung. Die 26 ZdK-Mitglieder gehören dem sogenannten "Männerfrühstück" an, das sich im Umfeld der Vollversammlungen des Laiengremiums trifft und "Themen aus geschlechtssensibler Männerperspektive" diskutiert. So wurden nach Angaben der Unterzeichner dort bereits die Punkte Pflegepolitik, Frauen in kirchlichen Führungspositionen sowie Priester als Täter von sexueller und geistlicher Gewalt besprochen. Zu den Unterzeichnern gehören unter anderem der Vorsitzende des Priester-Forums beim Synodalen Weg, Stephan Buttgereit, der Münsteraner Sozial-Pfarrer Peter Kossen, BDKJ-Bundespräses Stefan Ottersbach, der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Daniel Günther, und der ZdK-Vizepräsident Wolfgang Klose. (rom)

Der Zwischenruf der 26 männlichen ZdK-Mitglieder im Wortlaut

Anlass

Im Mai 2021 riefen die beiden Diözesanpriester Bernd Mönkebüscher (Erzbistum Paderborn) und Burkhard Hose (Bistum Würzburg) die Initiative "#mehrSegen" ins Leben. Die Aktion rief pastorale Mitarbeitende auf, sich zur pastoralen Praxis der Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften zu bekennen. Zuvor hatte ein "Responsum ad dubium der Kongregation für die Glaubenslehre über die Segnung von Verbindungen von Personen gleichen Geschlechts" diese Praxis offiziell untersagt. #mehrsegen wurde durch hunderte Unterschriften seelsorglicher Mitarbeitenden aus allen (Erz-) Diözesen unterstützt. Die unterschreibenden Männer, die Mitglieder in der Vollversammlung des ZdK sind, möchten sich ebenfalls zu dieser Frage positionieren.

Katholische Männer erklären sich solidarisch mit ihren homosexuellen Geschlechtsgenossen

Homosexualität, anders als es viele kirchliche Stellungnahmen insinuieren, ist nicht ausschließlich männlich. Lesbische Frauen und ihre gleichgeschlechtlichen Partnerschaften sowie Partnerschaften anderer Geschlechtsidentitäten wahrzunehmen und wertzuschätzen, ist uns Männern im ZdK wichtig, auch wenn in dieser Stellungnahme die Haltung zu homosexuellen Männern im Mittelpunkt steht.

Heterosexuellen Männern wird oftmals unterstellt, sie lehnten die homosexuelle Begehrensform ihrer Geschlechtsgenossen als "unmännlich" ab. Ausdrücklich erklären wir, dass dies nicht unserer Ansicht und Erfahrung entspricht. Das auf das eigene Geschlecht bezogene Begehren und die daraus resultierende Beziehungsgestaltung sehen wir erstens als ein grundlegendes Menschrecht. Die Liebe, die sie für einen anderen Mann empfinden und der sie auch sexuellen Ausdruck verleihen, sehen wir zweitens in Entsprechung zu den Aussagen der Schöpfungserzählung. In Gen 2,18 wird der Wille Gottes so beschrieben, dass es für die Menschen nicht gut sei, alleine zu bleiben. Folgerichtig halten wir das Bekenntnis zweier Männer, einander treu in ihrer Liebe sein zu wollen und diese, ihre Liebe fruchtbar zu machen für Kirche und Gesellschaft, als einen wertvollen Beitrag zum Schöpfungswillen Gottes.

Die immer noch festzustellende Diskriminierung und Gewalt gegenüber homosexuellen Männern sehen wir hingegen als relevante Gefahr für diese Personengruppe in unserer Gesellschaft und in unserer Kirche. Die respektlosen Äußerungen des polnischen Theologen Dariusz Oko ("Über die Notwendigkeit homosexuelle Cliquen in der Kirche zu begrenzen", in: Theologisches – Katholische Monatsschrift #1 u. #2 2021) gegenüber homosexuellen Menschen und Verteidigungen dieser Aussagen auch aus hohen kirchlichen Kreisen sind ein trauriger Beleg für diese Gefahr. Dass die Zivilgesellschaft in unserem Land diese Gefahr ebenfalls sieht, zeigt der Strafbefehl gegen Prof. Oko wegen Volksverhetzung durch das Kölner Amtsgericht.

Wir wenden uns demgegenüber gegen jegliche Form von Gewalt homosexuellen Menschen gegenüber, egal ob in verbaler, schriftlicher oder physischer Form, auch und besonders innerhalb der katholischen Kirche.

Forderungen

Die Lebens- und Liebesgeschichte homosexueller Paare haben schon lange die Aufmerksamkeit der ZdK-Vollversammlung. Mit "Segen schenken. Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare" (23. Nov. 2019) sprechen wir uns klar für diese Praxis aus.

In der Begründung dafür heißt es u.a.: "Gottes Liebe überwindet die Trennung der Menschen von Gott (Sünde) und die Trennung der Menschen untereinander (Schuld), womit sie gemeinsam einen Neuanfang in ihrer Geschichte in gegenseitiger Anerkennung und im Frieden ermöglicht." Wo die Liebe ist, ist Gott schon gegenwärtig und sein Heil erfahrbar.

Vor diesem Hintergrund fordern wir in der aktuellen Situation:

  • Die Aktion hauptamtlicher Seelsorger*innen, weiterhin gleichgeschlechtliche Partnerschaften zu segnen, unterstützen wir ausdrücklich. Den Seelsorger*innen sollen keine Abmahnungen wegen ihrer Tätigkeit erteilt werden.
  • Wir fordern die Delegierten des Synodalen Weges auf, sich grundsätzlich für die Möglichkeit des Segnens gleichgeschlechtlicher Partnerschaften in allen deutschen Diözesen auszusprechen.
  • Hauptamtliche Mitarbeitende im kirchlichen Dienst sollen ihr Beschäftigungsverhältnis behalten, auch wenn sie eine standesamtliche "Ehe für alle" eingehen.
  • Bewerber*innen für einen kirchlichen Dienst, die ihre homosexuelle Identität offenlegen, soll eine Berufsperspektive möglich sein, auch wenn sie zum Zeitpunkt ihrer Bewerbung standesamtlich eine "Ehe für alle" eingegangen sind.
  • Bewerbern zum Priesteramt, die eine homosexuelle Identität haben, soll es grundsätzlich möglich sein, die Priesterweihe zu empfangen, weil diese zu ihrer Person und Berufung gehört.
  • Geweihte homosexuelle Priester sollen Teile ihrer Persönlichkeit nicht verleugnen müssen, damit sie persönlich authentisch zum Wohl der Gemeinde in der Seelsorge wirken können.
  • In allen (Erz-)Diözesen soll es beauftragte Personen für die LSBTI*-Pastoral geben, die die Seelsorge für LSBTI*-Personen und das Eintreten gegen die Diskriminierung dieser Personengruppen koordinieren.

Das Männerfrühstück im ZdK

Seit Mai 2018 gibt es das so genannte "Männerfrühstück" bei den jeweiligen Vollversammlungen des ZdK, um dort bestimmte Themen aus geschlechtssensibler Männerperspektive zu diskutieren. Folgende Themen wurden u.a. dabei schon behandelt:  Pflegepolitik, Frauen in kirchlichen Führungspositionen, Priester als Täter von sexueller und geistlicher Gewalt, Die vier Synodalforen.

Dieser Zwischenruf wurde von folgenden Männern im ZdK mitgezeichnet:

  • Ludger Urbic, SKM Bundesverband
  • Andreas Heek, Gemeinschaft der Katholischen Männer Deutschlands (GKMD)
  • Stephan Buttgereit, Gemeinschaft der Katholischen Männer Deutschlands (GKMD)
  • Christoph Bayer, Diözesanrat Freiburg
  • Gerold König, Bundesvorsitzender pax christi - deutsche Sektion
  • Winfried Quecke, Diözesanrat der Katholik*innen im Bistum Hildesheim
  • Ulrich Hoffmann, Präsident des Familienbundes der Katholiken und Mitglied der Vollversammlung des synodalen Weges sowie des Forum IV des synodalen Weges
  • Christian Pulfrich, Sprecher*innen-Gruppe der Diözesanräte im ZdK, Diözesanversammlung Bistum Limburg
  • Heribert Rychert, Diözesanrat der Katholiken im Bistum Aachen
  • Wolfgang Klose, ZdK-Vizepräsident
  • Dr. Dr. h. c. Heinrich Detering, Universität Göttingen
  • Wiegand Otterbach, Mitglied im ZdK als Vertreter der Diözesanversammlung des Bistums Limburg
  • Klemens Gramlich, Diözesanrat Freiburg
  • Peter Kossen, Bistum Münster
  • Dominik Blum, Deutscher Katecheten Verein e.V.
  • Dr. Ottmar Edenhofer
  • Martin Buhl, Katholikenrat Mainz
  • Olaf Tyllack, Bundesvorsitzender donum vitae e. V.
  • Kurt Schanné, ND
  • Burkhard Köster
  • Dr. Bernhard Emunds, Phil.-Theol. Hochschule Sankt Georgen
  • Johannes Koop, BKKD, Bundesverband katholischer Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker Deutschlands
  • Rüdiger Attermeyer, Gemeinschaft Katholischer Soldaten
  • Alfred Streib, Notfallseelsorger Aschaffenburg, ZdK-Mitglied für den Diözesanrat Würzburg
  • Stefan Ottersbach, Bundespräses Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ)
  • Daniel Günther, Mitglied des ZdK, Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein