Schachfigur
Standpunkt

Für Reformen nicht mehr nach "oben", sondern nach vorne schauen

Wenn es um Reformen in der katholischen Kirche geht, sollte das Kirchenvolk nicht nur auf den Papst und die Bischöfe schauen, kommentiert Agnes Wuckelt. Vielmehr müsse Erneuerung vor allem durch die Basis selbst erfolgen.

Von Agnes Wuckelt |  Bonn - 04.10.2021

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Kirche muss sich ständig erneuern! Eine Überzeugung, die sich von den frühen Kirchenvätern wie Augustinus über Kirchenlehrerinnen wie Teresa von Avila bis zum Synodalen Weg heute durchträgt. Erneuerung ist dann notwendig, wenn das Alte nur noch Selbstzweck ist und nicht mehr dem Leben und den Menschen dient, gar zerstörerisch ist.

Seit dem Glaubwürdigkeitsverlust der katholischen Kirche durch den Missbrauchsskandal richtet sich der Blick verstärkt auf die Kirchenleitung: Sie müsse endlich "liefern". Viele richten ihren Blick auf Papst Franziskus – er solle es richten. Und auf die Bischöfe, die alle Entscheidungsmacht in ihren Händen halten. Angesichts der monarchischen Struktur der Kirche eine verständliche, aber unrealistische Erwartung. Zugleich die autoritär strukturierte Erwartung einer Basis, die lediglich Empfängerin kirchlicher Leitungsentscheidungen ist.

Erneuerung muss daher vor allem durch die Basis erfolgen. Sie muss klar und selbstbewusst aufzeigen, wie weit das Konzept des kirchlichen Amtes von der Lebenswirklichkeit der Menschen und der Botschaft Jesu entfernt ist. Sie muss darauf beharren, dass alle Getauften eine "wahre Gleichheit in ihrer Würde und Tätigkeit" haben (CIC Can. 208). Alle können ihre eigene Kirchenleitung (mit-)auswählen und kontrollieren. Alle können ihre Ideen einbringen, wie sich ein geschwisterliches Miteinander im Sinne der Botschaft Jesu gestalten lässt und wie ihre Vision wirklich wird.

Die am Samstag zu Ende gegangene zweite Synodalversammlung hat Themen bearbeitet, die dies stärken – wie Mitwirkung aller bei der Bischofswahl, Fragen von Rechenschaft und Kontrolle, geschlechtergerechte Leitungsmodelle, eine geschlechtergerechte Predigtordnung und Perspektiven einer lebensnahen Sexualmoral. Mehrheitlich gefasste Beschlüsse ermutigen, die Erneuerung unserer Kirche von unten demokratisch zu gestalten. Und immer noch verinnerlichte autoritäre Strukturen abzuschaffen. Es liegt in der Verantwortung ALLER, nicht mehr nach "oben", sondern gemeinsam nach vorn zu schauen!

Von Agnes Wuckelt

Die Autorin

Agnes Wuckelt ist emeritierte Professorin für Praktische Theologie und stellvertretende Bundesvorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd).

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.