Papst schämt sich wegen Missbrauchsbericht aus Frankreich
Geschätzt 330.000 Opfer in Kirche seit 1950

Papst schämt sich wegen Missbrauchsbericht aus Frankreich

Trauer und Schmerz empfindet der Papst angesichts des Ausmaßes kirchlichen Missbrauchs in Frankreich. "Und meine Scham, unsere Scham, über die viel zu lang andauernde Unfähigkeit der Kirche", die Betroffenen ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu stellen.

Vatikanstadt - 06.10.2021

Nach der Veröffentlichung des Berichts über sexuellen Missbrauch in der Kirche in Frankreich hat sich Papst Franziskus erneut erschüttert und beschämt gezeigt. Den Opfern drücke er seine Trauer und seinen Schmerz wegen der erlittenen Traumata aus, sagte das Kirchenoberhaupt am Mittwoch bei der wöchentlichen Generalaudienz im Vatikan. "Und meine Scham", fügte er hinzu, "unsere Scham, über die viel zu lang andauernde Unfähigkeit der Kirche", die Betroffenen ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu stellen.

Zudem ermutige er Bischöfe, Obere und Ordensleute, weiterhin alles zu unternehmen, damit sich Ähnliches nicht wiederhole. Den französischen Priestern sicherte der Papst "angesichts dieser harten, aber heilenden Prüfung" Nähe und Unterstützung zu. Die französischen Katholiken insgesamt rief der Papst auf, "ihre Verantwortung wahrzunehmen und dafür zu sorgen, dass die Kirche ein sicheres Haus für alle ist".

Auch der Präsident der Päpstlichen Kommission für den Schutz von Minderjährigen, Kardinal Sean Patrick O'Malley, zeigte sich bestürzt über die Ergebnisse des Berichts, wenngleich er dessen Veröffentlichung begrüßte. "Im Namen der Päpstlichen Kommission bringe ich unsere tiefe Trauer zum Ausdruck und bitte demütig um Vergebung für all jene, die durch diese Verbrechen und verwerflichen Verletzungen der Menschenwürde zu Schaden gekommen sind", schrieb er in einem Statement, aus dem das Portal "Vatican News" zitiert.

Seán O'Malley ist Erzbischof von Boston.

Kardinal Sean O'Malley, Präsident der Päpstlichen Kommission für den Schutz von Minderjährigen, brachte ebenfalls seine Bestürzung über die Untersuchungsergebnisse zum Ausdruck.

Die Veröffentlichung sei ein wichtiger Schritt zur Aufarbeitung, so O'Malley weiter. Die in der Kirche Verantwortlichen dürften nicht zulassen, dass ein Überlebender unerkannt bliebe oder eine Person in Gefahr gerate, von einem Mitglied der Kirche missbraucht zu werden.

Die französischen Bischöfe wollen sich indes um eine angemessene Entschädigung bemühen. Zwar könne das "Irreparable nicht repariert werden"; allerdings sei die Kirche bereit, ihr Möglichstes zu tun, sagte der Vorsitzende der nationalen Bischofskonferenz, Erzbischof Eric de Moulins-Beaufort von Reims, am Mittwoch dem Sender France Info. Bislang seien dafür jedoch noch keine Finanzmittel zur Seite gelegt.

Geschätzt 330.000 Opfer

Am Dienstag hatte eine unabhängige Untersuchungskommission in Paris den Bischöfen und Ordensoberen einen rund 2.500 Seiten starken Bericht übergeben. Demnach gab es in der katholischen Kirche in Frankreich seit 1950 geschätzt 216.000 minderjährige Opfer sexueller Übergriffe durch Priester und Ordensleute. Man habe zwischen 2.900 und 3.200 potenzielle Täter ermittelt.

Nimmt man Laien und Kirchenmitarbeiter in kirchlichen Einrichtungen, Schulen, Pfarreien und Katechese hinzu, so kommt die Kommission sogar auf geschätzt 330.000 Opfer. Die französischen Bischöfe hatten die Untersuchung im November 2018 selbst in Auftrag gegeben. Bereits kurz nach Bekanntwerden der Zahlen hatte sich der Papst bestürzt geäußert.

Vergleichbar mit der französischen Studie ist die in Deutschland im Jahr 2018 veröffentlichte sogenannte MHG-Studie. Laut dieser fanden sich in kirchlichen Personalakten zwischen 1946 und 2014 mindestens 1.670 Beschuldigte, darunter mehrheitlich Priester, sowie 3.677 Betroffene sexueller Übergriffe. (tmg/KNA)

6.10., 13:40 Uhr: Ergänzt um Bischöfe. 17:45 Uhr: Ergänzt um O'Malley.