Die Kirche Santa Maria della Pace in Rom ist die Prälaturkirche des Opus Dei.
Personalprälatur soll Betroffene jahrzehntelang nicht bezahlt haben

Machtmissbrauch und Ausbeutung: Frauen zeigen Opus Dei im Vatikan an

Sie sollen mit dem Versprechen einer Ausbildung für das Opus Dei angeworben und jahrzehntelang nicht bezahlt worden sein. Nun haben 42 Frauen die Personalprälatur bei der Glaubenskongregation angezeigt.

Buenos Aires - 08.10.2021

42 Frauen aus Lateinamerika haben die Personalprälatur Opus Dei bei der vatikanischen Glaubenskongregation wegen Machtmissbrauch und Ausbeutung angezeigt. Die Frauen aus Argentinien, Bolivien, Paraguay und Uruguay gaben in einem Anfang September im Vatikan eingegangenen Schreiben an, zwischen 1974 und 2015 unfreiwillig und unbezahlt Haushaltsarbeiten in Opus-Dei-Einrichtungen verrichtet zu haben, berichtete das argentinische Online-Medium "elDiarioAR" am Mittwoch. Sie seien als "Hilfsnumerarierinnen", eine der untersten Kategorien im Opus Dei, Mitglieder der Personalprälatur gewesen.

Man habe den damals zwischen 12 und 16 Jahre alten Mädchen und ihren Familien versichert, ihnen eine Ausbildung im hauswirtschaftlichen Bereich zukommen zu lassen, heißt es in dem Schreiben weiter. Von einer religiösen Berufung oder der Mitgliedschaft im Opus Dei wurde gegenüber den aus prekären Verhältnissen stammenden jungen Frau zunächst nicht gesprochen. In dem 30 Seiten umfassenden Bericht an die Glaubenskongregation schildern die Betroffenen, dass die regionale Leitung der Gemeinschaft von diesen Taten wusste. Viele Frauen wurden zur Arbeit direkt in Einrichtungen des Opus Dei geschickt, einige auch in eine Hauswirtschaftsschule in Ramallo, 220 Kilometer von der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires entfernt. Die Einrichtung war dort auch unter der Bezeichnung "Schule der Putzfrauen des Opus Dei" bekannt.

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Die Mädchen wurden nach eigenen Angaben durch geistliche Begleitung dazu gebracht, ihre Arbeit als "Berufung des Dienens" zu verstehen. Für ihre Dienste wurden sie nicht bezahlt, da das Opus Dei einen fiktiven Lohn mit den Kosten für Unterbringung und Ausbildung verrechnet haben soll. Die Arbeit erfolgte ohne Aufnahme in die Sozialversicherung und ohne Arbeitszeitbeschränkungen. Sie erstreckte sich laut Bericht auf mehr als zwölf Stunden pro Tag, mit nur kurzen Erholungszeiten. Den Mädchen wurde Angst vor der Hölle gemacht, sollten sie den "Willen Gottes" durch ihre Arbeit nicht erfüllen. Das Opus Dei wurde als ihre "wahre Familie" bezeichnet, außerhalb derer sie nicht glücklich werden könnten.

Die heute zwischen 40 und 60 Jahre alten Frauen hatten mehrheitlich eine oder zwei Jahrzehnte für das Opus Dei gearbeitet, einige auch länger. Bereits im Mai hatten sich die 42 Betroffenen zusammengetan und der Personalprälatur Ausbeutung vorgeworfen. Nachdem die Gemeinschaft nicht reagierte, nahmen sie Kontakt zum Apostolischen Nuntius in Argentinien auf, der ihnen riet, sich an Papst Franziskus zu wenden. Nachdem sie von Kirchenoberhaupt keine Rückmeldung erhielten, wandten sich die Frauen nun an die Glaubenskongregation. Im Mai hatte die Leiterin des weiblichen Zweigs des Opus Dei in Argentinien, Catalina María Donnelly, die Zugehörigkeit der Betroffenen zur Personalprälatur bestätigt. Die Frauen seien jedoch "nicht Angestellte des Opus Dei gewesen, sie sind das Opus Dei, es ist ihre eigene Familie". In den Einrichtungen der Gemeinschaft gebe es keine unbezahlte Arbeit, so Donnelly weiter. Es könne jedoch sein, dass die Einrichtungsleitungen das Geld "wie in einer Familie" verwalteten.

Das Opus Dei (Werk Gottes) wurde 1928 vom spanischen Priester Josemaría Escrivá de Balaguer zunächst als Laienbewegung gegründet. 1943 wurde sie um die "Priestergemeinschaft vom Heiligen Kreuz" ergänzt. Papst Johannes Paul II. gewährte der Vereinigung 1982 die neue Rechtsform einer Personalprälatur, als bislang einziger Gemeinschaft der Kirche. Weltweit gehören dem Werk rund 90.000 Laien und 2.000 Priester an. Das Opus Dei gilt als konservativ und gesellschaftlich einflussreich. Seit 2017 wird es vom spanischen Priester Fernando Ocáriz Braña geleitet. (rom)