Ausreichend Raum für Biodiversität notwendig

Umweltbischof Lohmann: Naturschutz muss höhere Priorität genießen

Aktualisiert am 11.10.2021  –  Lesedauer: 

Bonn ‐ Das Thema Klimaschutz hat politisch und gesellschaftlich eine immer größere Relevanz. Eine genauso große Rolle müsse auch der Naturschutz spielen, betont DBK-Umweltbischof Rolf Lohmann – und verweist auf die biblisch-theologische Perspektive.

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Naturschutz muss nach Worten der deutschen katholischen Bischöfe künftig eine höhere Priorität genießen. Er müsse eine ebenso große Rolle spielen wie der Klimaschutz, sagte der Münsteraner Weihbischof Rolf Lohmann am Montag zum Auftakt der 15. Weltbiodiversitätskonferenz im chinesischen Kunming. Lohmann ist in der Deutschen Bischofskonferenz für Klima- und Umweltthemen zuständig und Vorsitzender der Arbeitsgruppe für ökologische Fragen der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen.

Das Ausmaß des Artensterbens und der Bedrohungen für Ökosysteme weltweit sei beängstigend, mahnte der Weihbischof. "Das Lebensnetz, das aus der Vielfalt der Arten geknüpft ist, hat bereits gefährliche Löcher bekommen." Die Corona-Pandemie habe besonders deutlich gemacht, wie wichtig ausreichend Raum für die Biodiversität sei: Nicht nur komme das Coronavirus "sehr wahrscheinlich von Wildtieren, die durch menschliche Ausbreitung immer weniger Lebensräume haben", so Lohmann. Auch sei "der Wert der Natur" vielen Menschen bei Spaziergängen und Ausflügen "ganz praktisch" deutlich geworden.

Theologisch-biblische Perspektive

Der Mensch sei darauf angewiesen, dass es sauberes Wasser, saubere Luft und fruchtbare Böden gebe, fügte Lohmann hinzu. Es wäre "sehr kurzsichtig", die Zusammenhänge zwischen Artensterben und dem Zusammenspiel der globalen Ökosysteme nicht zu berücksichtigen. Hinzu komme die theologisch-biblische Perspektive: Demnach seien Tiere und Pflanzen die Mitgeschöpfe des Menschen und hätten "vor Gott einen Eigenwert". Dieser großen Zusammenhänge müsse man sich immer wieder bewusst werden: "Wir Menschen stehen nicht über der Natur, sondern sind ein Teil von ihr und auf sie angewiesen."

Es gehe dabei nicht immer um Verzicht, betonte der Weihbischof. Vielmehr seien Umorientierung und die Suche nach naturfreundlichen Lösungen gefragt, "beispielsweise bei der Ernährung, in der Mobilität oder bei der Flächennutzung. Das gilt auch für unsere kirchliche Praxis." Auch finanzielle Forderungen der Weltbiodiversitätskonferenz zum Schutz der Natur seien in diesem Sinne gutzuheißen.

Ähnlich wie beim Klimaschutz mit dem Pariser Klimaabkommen soll die Konferenz im kommenden Frühjahr eine globale Vereinbarung, das "global biodiversity framework", beschließen. (KNA)