Nicht die Asche hüten, sondern Flamme am Brennen halten

Bischof Feige ruft Gläubige zum Mut zu Veränderungen auf

Aktualisiert am 15.11.2021  –  Lesedauer: 
Der Magdeburger Bischof Gerhard Feige
Bild: © KNA/Dominik Wolf

Erfurt ‐ Auf keinen Fall sei das, "was vom Zeitgeist vergangener Jahrhunderte geprägt wurde, von vornherein besser als das, wozu uns heutige Erfordernisse und Möglichkeiten führen könnten", betont Bischof Gerhard Feige.

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Der Magdeburger Bischof Gerhard Feige hat Christinnen und Christen zum Mut zu Veränderungen aufgerufen. Gott sei "immer auch ein Gott der Zukunft. Das kann jedoch nur begreifen, wer bereit ist, sich vom Alten zu lösen", sagte Feige am Montag bei einem Gottesdienst aus Anlass des Patronatsfests "Albertus Magnus" der katholischen Fakultät der Universität Erfurt laut Redemanuskript. Gott brauche "Menschen, die ihren Blick nach vorn richten und für seine Überraschungen offen sind."

Auf keinen Fall sei das, "was vom Zeitgeist vergangener Jahrhunderte geprägt wurde, von vornherein besser als das, wozu uns heutige Erfordernisse und Möglichkeiten führen könnten", betonte Feige weiter. Es gehe nicht darum, "die Asche zu hüten, sondern die Flamme am Brennen zu halten. Dazu genügt es nicht, Begriffe einfach nur zu wiederholen oder Riten fehlerfrei nachzuvollziehen. Notwendig ist vielmehr, den Glauben immer wieder zu übersetzen und verständlich zu machen", forderte der Bischof.

Christen sollten sich bemühen, "den kostbaren Schatz des Glaubens immer wieder so auszulegen und zu vermitteln, dass möglichst viele Menschen erkennen, woraus sie leben können und worauf sie hoffen dürfen", sagte Feige.

"Neue Wege finden, Kirche in der Welt von heute zu sein"

Der Erfurter Philosoph Holger Zaborowski erklärte laut Redemanuskript: "Eine hoffnungsvolle Kirche müsste neue Wege finden, Kirche in der Welt von heute zu sein". Dafür sei "der Exodus aus der Sicherheit der Kirchengebäude und kirchlichen Blasen und Ghettos heraus in die Welt" nötig. Dies bedeute anzuerkennen, "dass der Andere nicht nur am Rande steht, sondern in einem eigenen Zentrum, dass er nicht nur unserer Hilfe bedarf, sondern uns helfen kann, dass er nicht nur Ohren zum Hören hat, sondern auch einen Mund, mit dem er uns ansprechen kann", betonte Zaborowski.

Der Dekan der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Erfurt, Jörg Seiler, forderte laut Redemanuskript von Gesellschaft und Kirche mehr Einsatz gegen "fremdenfeindliches, antisemitisches, antiislamisches, homophobes und geschlechtsidentitätsfeindliches Sprechen", das oft unter dem "Deckmantel" der freien Meinungsäußerung stattfinde. Dies sei "immer ein öffentliches Gift, ein Angriff auf die Würde und - wie ich als Christ von der Ebenbildlichkeit des Menschen her meine - auch ein Angriff auf Gott", sagte Seiler. (KNA)