Neue Broschüre zur "Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen"

Deutsche Bischöfe kritisieren Menschenrechtslage in Vietnam

Aktualisiert am 01.12.2021  –  Lesedauer: 

Bonn ‐ "Die schlagartige Zerstörung und der Abriss von Kirchen und Klöstern sind immer wieder Teil der staatlichen Unterdrückung": Bischof Bertram Meier kritisiert die erhebliche Diskriminierung von Christen in Vietnam.

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Vertreter der katholischen Kirche kritisieren Einschränkungen der Menschenrechte in Vietnam. In der Verfassung des kommunistisch regierten Staates seien zwar Grundrechte wie Presse- und Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit und Religions- und Glaubensfreiheit festgeschrieben, sagte der Augsburger Bischof Bertram Meier am Mittwoch in Bonn. "Diese Grundrechte sind jedoch durch staatliche Restriktionen und Sonderbefugnisse der Behörden deutlich eingeschränkt", beklagte der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) bei der Präsentation einer neuen Broschüre der Bischofskonferenz mit dem Titel "Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen in unserer Zeit – Vietnam".

Christen litten vor allem in entlegeneren Gegenden im Süden und Norden des Landes unter erheblicher Diskriminierung, sagte Meier. Dazu gehörten auch Auseinandersetzungen um kirchliches Eigentum an Grund und Boden. "Die schlagartige Zerstörung und der Abriss von Kirchen und Klöstern sind immer wieder Teil der staatlichen Unterdrückung."

Bedeutung von Bildungsarbeit unterstrichen

Der Präsident des Internationalen Katholischen Missionswerks Missio in Aachen, Dirk Bingener, unterstrich die Bedeutung von Bildungsarbeit in dem südostasiatischen Land. "Eine umfassende Bildung kann die Menschen dazu befähigen, ihre Rechte zu erkennen und mutig dafür einzutreten." Vietnam steht beim diesjährigen Gebetstag für verfolgte und bedrängte Christen im Mittelpunkt, der am 26. Dezember in allen deutschen Bistümern begangen wird. Die Kirche gedenkt am zweiten Weihnachtsfeiertag des heiligen Stephanus. Er gilt als erster bekannter Märtyrer der Christenheit.

Der Politologe Gerhard Will erläuterte, dass in Vietnam alle staatlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aktivitäten dem Führungs- und Gestaltungsanspruch der Kommunistischen Partei KPV unterworfen seien. Journalisten, Blogger und Internet-Gruppierungen, die dieses Prinzip offen infrage stellten, müssten mit willkürlichen Verhaftungen und mehrjährigen Gefängnisstrafen rechnen. Um die Zukunft der vietnamesischen Zivilgesellschaft mache er sich deswegen große Sorgen, sagte der Gastwissenschaftler der Forschungsgruppe Asien der Stiftung Wissenschaft und Politik. (KNA)