Standpunkt

Weihnachten lässt niemanden kalt

Aktualisiert am 24.12.2021  –  Lesedauer: 
Schachfigur
Bild: © Fotolia.com/Roma

Bonn ‐ Für Christen ist Weihnachten hochheilig. Schwester Maria Gabriela Zinkl erlebt in Jerusalem, wie es ist, wenn das Fest für viele Menschen keine Rolle spielt. Für sie ist das allerdings die Chance festzustellen, woran Christen zu erkennen sind.

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Heute Abend ist es endlich wieder so weit. Die Zeit ist gekommen, den Klassiker aller Weihnachtslieder erklingen zu lassen, egal ob zuhause, auf der Straße, in der Kirche oder sonstwo: "Stille Nacht, heilige Nacht". Weihnachten ist da, das Fest, an dem wir Christen die Geburt unseres Retters Jesus Christus feiern. Was machen eigentlich die anderen, denen das nicht so wichtig ist oder die nicht daran glauben?

Wie das ist, wenn Weihnachten, das uns Christen so hochheilig ist, für andere Menschen keine Rolle spielt, erlebe ich persönlich hautnah. Denn ich lebe in Jerusalem, im Heiligen Land, wo die Christen nicht mehr als 1 bis 2 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Für unsere jüdischen und muslimischen Nachbarn hier in Israel und Palästina, sind die kommenden Tage nichts Besonderes. Die Woche läuft in ihrem normalen Turnus weiter, die einen gehen zum Freitagsgebet in die Moschee, für die anderen beginnt der Shabbat. Nur den wenigen Orten mit einem hohen Anteil christlicher Bevölkerung merkt man überhaupt erst an, dass in diesen Tagen etwas anders ist als sonst: Straßen, Häuser, Geschäfte, Kirchen sind festlich geschmückt mit Weihnachtsdekoration und leuchten in der Dunkelheit um die Wette, vor allem in Nazareth oder Betlehem. Dort jedenfalls fallen auch die Christen und Christinnen in diesen Tagen besonders ins Auge, sie haben Feiertage. Doch woran erkennt man uns eigentlich, die wir wie Generationen vor uns in dieser Nacht und das ganze Jahre über alle unsere Hoffnung auf dieses kleine Kind in der Krippe in Betlehem setzen? Eine muslimische Arbeitskollegin sagte mir einmal, "Euch Christen erkennt man daran, dass ihr Euch so stark um andere kümmert, außerhalb der eigenen Familie, egal welcher Religion und Herkunft".

Heute Nacht wird es eisekalt sein da draußen, in Deutschland genauso wie im Heiligen Land und an vielen anderen Orten der Welt. Daran werden unsere Gebete und unsere frommen Lieder passend zum Weihnachtsfest nichts ändern. Und doch können wir heute Abend etwas Entscheidendes dazu beitragen, dass jemandem warm wird ums Herz. Wenn wir uns nämlich aufmachen mit einem kleinen Geschenk, einer Karte, einer Kerze zu einer Person in unserer Nachbarschaft, die ganz allein ist – egal, welcher Religion oder Hautfarbe. Denn daran werden sie uns Christen und Christinnen erkennen: an unseren Taten.

#jetzthoffnungschenken

Von Schwester Maria Gabriela Zinkl

Die Autorin

Schwester Dr. Maria Gabriela Zinkl SMCB ist Borromäerin im Deutschen Hospiz St. Charles in Jerusalem und arbeitet als Dozentin für Kirchenrecht und als Pädagogin.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.