Standpunkt

"Ehrenamt" – das wahre "Wort des Jahres" 2021

Aktualisiert am 30.12.2021  –  Lesedauer: 
Schachfigur
Bild: © Fotolia.com/Roma

Bonn ‐ Ob Corona-Pandemie oder Flutkatastrophe: Für viele war 2021 ein schweres Jahr. Doch laut Albrecht von Croy hat es bewiesen, dass großes ehrenamtliches Engagement diese Gesellschaft zusammenhält. Wer von Spaltung spreche, wolle sie herbeireden.

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"Wellenbrecher" ist das Wort des Jahres 2021. "SolidAHRität" kommt nur auf den zweiten Platz. Schade! Auch ohne die an die Flutkatastrophe gemahnende Schreibweise hätte das Wort den ersten Platz mehr als verdient. Vielleicht aber sogar eher das Wort "Ehrenamt", das in seinem richtigen Verständnis die "Solidarität" doch naturgemäß in sich trägt. Das Jahr 2021, so schwer es auch für die Meisten war, hat wenigstens eine ermutigende Renaissance ehrenamtlichen Tuns hervorgebracht.

"Ehrenamt" und damit gelebte, aus christlichen Motiven gespeiste Solidarität hat diese Gesellschaft eben doch zusammengehalten, allen fehlgehenden Vermutungen eines vermeintlich gespaltenen Gemeinwesens zum Trotz! Die ehrenamtlich Tätigen des Jahres 2021 an der Ahr, in Impf- und Testzentren, in Pflegeeinrichtungen oder in Einkaufshilfen haben mit ihrem Engagement, mit ihrer großen Empathie, mit ihrer Leidenschaft und emotionalen Intelligenz zum Zusammenhalt dieser Gesellschaft beigetragen. Sie zeigen bis zum heutigen Tag, dass eine auf christlichen Werten basierende "Bürgergesellschaft" eben keine leere Hülse ist. Mehr noch: Auch wenn viele Hilfsaktionen manch sozialpolitische Versäumnisse abmildern, so war dieses für die überwiegende Mehrheit der freiwilligen Helferinnen und Helfer in diesem Jahr nicht das Grundmotiv ihres Tuns. Es war und ist bis heute der zunächst vorurteilsfreie Wunsch, zu helfen, etwas zu verbessern, etwas "mitzugestalten", ganz einfach ein bisschen menschliche Nähe zu zeigen.

Die Bürgerinnen und Bürger haben genau verstanden, dass wahre Bedürftigkeit in einer Ausnahmesituation sich heute anders zeigt: in durch eine verheerende Flut plötzlich obdachlosen Menschen, in der schreienden Einsamkeit der alten Menschen, die unter Kontaktbeschränkungen gelitten haben, in der eklatanten Überforderung vieler Eltern in einem Lockdown oder in der beklagenswerten Verfassung mancher Schulkinder. Dieser neuen Bedürftigkeit wird eine Gesellschaft nicht Herr, in dem sie sich auf den Staat verlässt. Dieser neuen Form von wirklicher Armut muss sich das Gemeinwesen selbst annehmen. Das Tröstliche an diesem wahrlich schweren Jahr: Wir haben diese Herausforderung angenommen und bestanden! Der Wunsch für das kommende Jahr: Lassen wir uns von niemandem einreden, wir seien "gespalten". Ehrenamtliches Engagement ist der beste Wirkstoff dagegen!

Von Albrecht von Croy

Der Autor

Albrecht von Croy ist Mitherausgeber von "theo – das katholische Magazin" und Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK).

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.