Putzen und Reparieren im laufenden Betrieb: So wird Kölns Dom gepflegt
Einsatz gegen zentimeterdicken Staub und Schäden am Bauwerk

Putzen und Reparieren im laufenden Betrieb: So wird Kölns Dom gepflegt

Die Dresdner Frauenkirche ist in dieser Woche für Wartungs- und Reparaturarbeiten komplett geschlossen. In Deutschlands bedeutendster Kathedrale, dem Kölner Dom, gibt es solche Schließtage nicht; stattdessen wird das Gotteshaus im laufenden Betrieb gepflegt. Katholisch.de erklärt, wie das funktioniert.

Von Steffen Zimmermann |  Dresden/Köln - 14.01.2022

Sie ist eine der bekanntesten und meistbesuchten Kirchen in Deutschland – doch in dieser Woche bleiben die Türen der Dresdner Frauenkirche für Gläubige und Touristen fünf Tage komplett verschlossen. Stattdessen haben in dem evangelischen Gotteshaus seit Montag Handwerker und Reinigungskräfte das Sagen. Im Rahmen der jährlich im Januar angesetzten Schließtage führen sie noch bis Samstag notwendige Wartungs- und Reinigungsarbeiten in der Kirche durch. Unter anderem werden dabei laut der Stiftung Frauenkirche Tür- und Wandflächen ausgebessert, elektrische Anlagen gewartet, Lampen getauscht und alle Brandschutztüren geprüft. Zum Abschluss der Arbeiten soll die Kirche zudem von der Laterne bis zur Unterkirche gereinigt werden.

Die Schließtage wurden 2008 eingeführt, um innerhalb einer eher besucherschwachen Zeit Arbeiten in und an der Kirche zu ermöglichen, die mehrere Tage in Anspruch nehmen, so die Stiftung. Damit geht die Frauenkirche einen anderen Weg als andere bekannte Gotteshäuser in Deutschland – wie etwa der Kölner Dom. Spezielle Schließtage für Reparatur- oder Reinigungsarbeiten gibt es an der weltberühmten Kathedrale nicht, erklärt Dom-Sprecher Markus Frädrich im Gespräch mit katholisch.de. Notwendige Arbeiten fänden "im laufenden Betrieb" statt.

"Nebelfeuchte" Bodenreinigung in den Morgenstunden

Das fängt – ganz banal – bei der Reinigung des Bodens an. Dieser wird täglich in den Morgenstunden von einem Reinigungsteam gesäubert – "ganz vorsichtig 'nebelfeucht', also mit möglichst geringem Wassereinsatz, weil hohe Luftfeuchtigkeit in Verbindung mit Staub auf den Kunstwerken zu Schäden an den empfindlichen Oberflächen, vor allem an den Farbfassungen, führen kann", erläutert Frädrich. Außerhalb der liturgischen Zeiten sei darüber hinaus die Dombauhütte mit ständigen Wartungs- und Reparaturarbeiten im Dom beschäftigt. Deshalb könne es auch immer wieder mal zu Sperrungen einzelner Bereiche in der Kathedrale kommen. "Wenn zum Beispiel ein Holzrestaurator Reinigungs- und Konservierungsarbeiten am Chorgestühl vornimmt, ist es einige Wochen lang nur eingeschränkt nutzbar, weil die Pflegemittel einwirken müssen", so der Sprecher.

An höher gelegenen Stellen – wie auf den Chorpfeilerfiguren – sammelt sich der Staub teils zentimeterdick.

Zitat: Dom-Sprecher Markus Frädrich

Natürlich, das räumt Frädrich ein, würden spezielle Schließtage wie in der Dresdner Frauenkirche auch im Kölner Dom viele Arbeiten erleichtern. Man wolle jedoch den laufenden "Gottesdienstbetrieb" nicht unterbrechen: "Dem Domkapitel ist es wichtig, dass der Dom zuverlässig für alle offensteht, die ihn zur Einkehr aufsuchen wollen." Selbst in den bisherigen Hochphasen der Corona-Pandemie, als keine öffentlichen Gottesdienste stattfinden durften, sei das Gotteshaus als Zufluchtsort geöffnet gewesen. "Wir schließen die Portale nur, wenn es ganz dringende Umstände erforderlich machen", betont Frädrich. Ansonsten behelfe man sich mit zeitweisen Sperrungen.

Eine ganz besondere Sperrung wurde im vergangenen Jahr durch die Pandemie ermöglicht. Weil die vor allem bei Touristen beliebte Turmbesteigung über Monate geschlossen bleiben musste, konnten in den engen Treppenaufgängen Arbeiten vorgenommen werden, die sonst nie möglich wären. "Treppenstufen wurden ausgebessert und der gesamte Bereich konnte von unzähligen Graffiti befreit werden, die nahezu alle erreichbaren Wandbereiche bedeckten hatten", erzählt der Dom-Sprecher. Zur gleichen Zeit habe im ebenfalls monatelang geschlossenen Chorumgang der Kathedrale mit der Reinigung und Konservierung der historischen Fußböden in den Chorkapellen und am Mosaikfußboden im Domchor begonnen werden können.

Zentimeterdicker Staub auf höher gelegenen Stellen

Vor der Corona-Pandemie war der Kölner Dom mit jährlich bis zu sieben Millionen Besuchern die meistbesuchte Sehenswürdigkeit in Deutschland. Klar, dass angesichts solcher Besuchermassen auch jede Menge Schmutz und Staub in das Gotteshaus getragen werden. "An höher gelegenen Stellen – wie auf den Chorpfeilerfiguren – sammelt sich der Staub teils zentimeterdick", erzählt Frädrich. Die frühere Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner habe den Staub im Dom einmal als "Abrieb des Menschen" bezeichnet, denn er bestehe zu 90 Prozent aus Textilfasern, Hautschuppen und Haaren. "Gibt man nicht acht, verbäckt er mit dem Untergrund", so der Sprecher. Um vor allem die Kunstwerke im Dom vor dem Staub zu schonen, würden sie regelmäßig von einer Putzrestauratorin entstaubt. Sie sei für die fachgerechte Reinigung des Inventars in der Kathedrale zuständig.

Eine Reinigungskraft wischt den Boden im Kölner Dom.

Eine Reinigungskraft wischt den Boden im Kölner Dom.

Zur Arbeitsausrüstung der Mitarbeiterin, deren Posten einst von Schock-Werner eingerichtet worden war, gehört laut Frädrich nicht nur ein Staubsauger mit Teleskoparm, sondern auch eine spezielle Werkzeugkiste mit kleinen und großen Pinseln, Staubtüchern und Skalpellen. Verklebungen mit Ruß müssten vorsichtig mit Wattestäbchen und verdünntem Alkohol behoben werden. "Scharfe Reiniger sind ein absolutes Tabu", warnt der Sprecher. Die Mitarbeiterin verrichte eine ganz feine, nie endende Arbeit.

Sehr viel Arbeit machen den Reinigungskräften im Dom zudem die Kerzen. "Außerhalb von Corona-Zeiten werden im Kölner Dom etwa zwei Millionen Kerzen im Jahr entzündet, was natürlich permanente Säuberungsarbeiten nach sich zieht. Vom Ruß der Kerzen und seinen Folgen gar nicht zu sprechen", erläutert Frädrich. Die Nachtwache in der Kathedrale habe täglich die Aufgabe, abgebrannte Kerzen zu entsorgen und die Kerzengitter von Wachsresten zu befreien – insbesondere auf den großen Kerzeninseln vor der Schmuckmadonna.

Müll, Zigarettenkippen und andere Hinterlassenschaften

Zu den Orten, die ebenfalls konstant gesäubert werden müssen, gehören laut Frädrich auch die äußeren Portaltrichter des Dom: "Sie werden täglich mit einem Schlauch ausgespritzt und von Müll, weggeworfenen Zigarettenkippen und anderen, ätzenden Hinterlassenschaften befreit." Nicht umsonst werde der Dom, der auf seiner Nord- und Südseite ohnehin umfangreich umzäunt ist, an den Karnevalstagen mit zusätzlichen Absperrgittern vor Wildpinklern geschützt.

Am Ende des Gesprächs mit Frädrich ist klar: Zwar gibt es am Kölner Dom keine speziellen Reinigungs- und Reparaturtage, an denen die Kathedrale geschlossen werden müsste. Geputzt und gewerkelt wird in der Kathedrale des Erzbistums Köln trotzdem fast immer. Und ausgehen wird die Arbeit den Mitarbeitern an dem bekannten Gotteshaus wohl auch nie.

Von Steffen Zimmermann