Welskop-Deffaa grundsätzlich für Beibehaltung des Dritten Wegs

Caritaspräsidentin für Reform des kirchlichen Arbeitsrechts

Aktualisiert am 22.01.2022  –  Lesedauer: 

Hildesheim ‐ Wer für die Kirche arbeitet, darf nicht streiken. Ist das noch zeitgemäß? Caritaspräsidentin Eva-Maria Welskop-Deffaa spricht sich für eine Reform des kirchlichen Arbeitsrechts aus. Aus einer Sammlung von Verboten sollten Zusagen werden.

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Die Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes, Eva-Maria Welskop-Deffaa, hat sich für eine Reform des kirchlichen Arbeitsrechts ausgesprochen. Es stelle sich die Frage, ob der Ausschluss des Streikrechts im sogenannten Dritten Weg noch zeitgemäß sei, sagte sie am Samstag beim Neujahrsempfang des Diözesanrats der Katholik*innen im Bistum Hildesheim. Bei einer Weiterentwicklung der Grundordnung des kirchlichen Dienstes gelte es, diese Frage in den Blick zu nehmen. Auch müsse es gelingen, "aus der Grundordnung mit ihrer Verbotssprache eine Grundordnung der Zusagen und Orientierungen zu machen".

Der Dritte Weg bezeichnet das durch den Staat den Kirchen in Deutschland eingeräumte Recht, ein eigenes System des Arbeits- und Tarifrechts zu schaffen. Hintergrund ist die Auffassung, dass Arbeit im kirchlichen und karitativen Dienst eine religiöse Dimension hat. Das Betriebsverfassungsgesetz und die Möglichkeiten von Streiks und Aussperrung gelten für die Kirchen nicht. Wesentliche Prinzipien des Dienst- und Arbeitsrechts in der katholischen Kirche sind in der von der katholischen Bischofskonferenz erlassenen Grundordnung des kirchlichen Dienstes geregelt.

"Der grundsätzliche Ausschluss des Streikrechts in der Grundordnung könnte die Frage aufwerfen, ob sich hier nicht der gleiche Geist ausdrückt, der auch die Missbrauchsfälle so bedrückend macht", sagte Welskop-Deffaa. Die Missbrauchsskandale ließen das Bild einer Kirche aufscheinen, in der sich die Macht von Geistlichen und Arbeitgebern unglücklich vermische. Der Dritte Weg als Weg der gemeinsamen Suche nach Arbeitsbedingungen für den kirchlichen Dienst müsse dieses Bild korrigieren, forderte die Caritaspräsidentin. Auch könne sich die Kirche nach außen hin politisch nur für faire Arbeitsbedingungen einsetzen, wenn sie ihre eigene Arbeitswelt glaubwürdig gestalte.

Prinzipiell für Beibehaltung des Dritten Wegs

Grundsätzlich sprach sich Welskop-Deffaa für eine Beibehaltung des Dritten Wegs aus: "Ich persönlich wünsche mir, dass der Dritte Weg als besonderer Weg der Gestaltung guter Arbeitsbedingungen im kirchlichen Dienst erhalten wird, dass wir ihn weiterentwickeln und dass wir für unsere kirchlichen Arbeitsbedingungen im fairen Miteinander von Dienstgebern und Dienstnehmerinnen vorleben, wie gute Arbeit 4.0 gestaltet werden kann."

Weiterhin sprach sich Welskop-Deffaa mit Blick auf die Gesamtgesellschaft für faire Arbeitsbedingungen aus. Die Arbeitswirklichkeit vieler Menschen sei von guten Bedingungen weit entfernt. So führe etwa eine geschlechterungerechte Verteilung von Pflege- und Betreuungstätigkeiten zu einer ungleichen Bezahlung von Männern und Frauen. Auch fänden Migrantinnen und Migranten in Deutschland nur schwer offene Arbeitsbedingungen vor.

Welskop-Deffaa forderte unter anderem "sorgsame Rhythmen von Arbeiten und Ruhe". Es gelte, den Sonntag zu schützen, "um eine Kultur zu erhalten, die Leben und Arbeiten in eine nicht vereinnahmende Beziehung setzt".

Der Neujahrsempfang stand unter dem Motto "Leben um zu arbeiten oder arbeiten um zu leben? - Die Zukunft der Arbeit - human, gerecht, völlig verrückt?". Wegen der Corona-Pandemie fand die Veranstaltung digital statt. (cph/KNA)