Verantwortliche sollten endlich auf Betroffene hören

Missbrauch: Katholische Jugend fordert andere Strukturen und Lehre

Aktualisiert am 23.01.2022  –  Lesedauer: 

Düsseldorf ‐ Ein "weiter so" könne es nach dem Münchner Missbrauchsgutachten nicht geben, mahnt die katholische Jugend. Sie fordert grundlegend andere Strukturen, Änderungen in der Lehre und mehr Opferschutz in der Kirche. Aber es gebe eine Chance.

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Nach der Vorstellung des Gutachtens zu Fällen sexualisierter Gewalt im katholischen Erzbistum München und Freising fordert der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BKDJ) grundlegende Änderungen von Strukturen und Lehre sowie mehr Opferschutz. "Eine ernsthafte Aufarbeitung darf nicht zum Ziel haben, die Glaubwürdigkeit der Kirche wiederherzustellen, denn dann steht wieder die Institution Kirche im Fokus", sagte der BDKJ-Bundesvorsitzende Gregor Podschun am Samstag in Düsseldorf. Bestehende Machtsysteme würden dadurch gestützt. "Verantwortliche sollten endlich auf das hören, was Betroffene seit Jahren sagen, und es umsetzen."

Das unabhängige Gutachten der Anwaltskanzlei Westpfahl Spilker Wastl belastet unter anderem den emeritierten Papst Benedikt XVI. in seiner Rolle als früherer Münchener Erzbischof schwer. Er soll in mehreren Fällen nicht ausreichend gegen Missbrauchstäter vorgegangen sein. Insgesamt ergaben die Nachforschungen für den Zeitraum 1945 bis 2019 Hinweise auf mindestens 497 Betroffene sexualisierter Gewalt.

Gutachten belege mangelnde Aufarbeitung

Dieses Gutachten sowie bereits frühere veröffentlichte Gutachten belegten eine mangelnde Aufarbeitung und systematische Vertuschung sexualisierter Gewalt, teilte der Dachverband der katholischen Jugendverbände mit. Ein "weiter so" sei weder personell noch strukturell möglich, betonte Podschun. Der Reformprozess Synodaler Weg biete die Chance auf "eine echte Veränderung", wenn "die Synodalen das kirchliche System von Grund auf ändern, anstatt es zu schützen". "Vom Vatikan sind Systemänderungen leider weiterhin nicht zu erwarten", kritisierte der BDKJ-Bundesvorsitzende.

Der BDKJ im Erzbistum München und Freisung verlangt, dass heutige und frühere Verantwortliche im Erzbistum neben der institutionellen, auch ihrenpersönliche Schuld eingestehen müssten. Sie sollten sich für ihr Fehlverhalten aufrichtig entschuldigen. "Die detaillierte juristische Bewertung durch das jetzt vorliegende Gutachten ist das eine,  Schuldeingeständnis und Übernahme von persönlicher Verantwortung sowie ein unabdingbarer Systemwechsel das andere", betonte die BDKJ-Diözesanvorsitzende Jana Wulf.

Generell müssten zum Schutz von Kindern und Jugendlichen die systemischen und strukturellen Probleme der Institution Kirche, wie unkontrollierte Machtausübung und unzulängliche Partizipation geändert werden, erklärte Wulf: "Dieser Systemwandel kann in der katholischen Kirche nur gelingen, wenn er ganz oben beginnt." (cph/KNA/epd)