Funktion gebiete "Zurückhaltung und eine gewisse Neutralität"

Nach Brief mit Corona-Kritik: Erzdiözese beruft Polizeiseelsorger ab

Aktualisiert am 24.01.2022  –  Lesedauer: 

Wien ‐ Weil seine Äußerungen nicht mit dem Rollenverständnis eines Seelsorgers vereinbar seien, hat die Erzdiözese Wien jetzt einen Polizeiseelsorger abberufen. Die Aufgabe als Seelsorger vertrage sich nicht mit politischem Aktivismus, heißt es.

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Aufgrund eines Offenen Briefs an den österreichischen Innenminister hat die Erzdiözese Wien Diakon Uwe Eglau als ehrenamtlichen Polizeiseelsorger abberufen. In dem Brief habe er gegen die Impflicht, eine 3G-Regelung am Arbeitsplatz und eine "Diskriminierung ungeimpfter Kolleginnen und Kollegen" votiert, heißt es in einer Mitteilung der Erzdiözese vom Montag. Weil diese Vorgangsweise aus Sicht der Erzdiözese nicht mit dem Rollenverständnis eines Seelsorgers vereinbar sei, habe die Kirchenleitung "nach mehreren erfolglosen persönlichen Aussprachen" diese Entscheidung getroffen.

Als Privatmensch sei der Diakon frei zu sagen, was er wolle, so der Wiener Pressesprecher Michael Prüller gegenüber der Presseagentur "kathpress" (Sonntag): "Aber der Dienst als Polizeiseelsorger verlangt Zurückhaltung und eine gewisse Neutralität, damit sich jede Polizistin und jeder Polizist vertrauensvoll an ihn wenden kann." Polizeikräfte hätten staatliche Regeln durchzusetzen – auch jene, mit denen sie nicht einverstanden seien. "Auch deswegen braucht es für die Polizeiseelsorge – also an einem sensiblen Schnittpunkt von Staat und Kirche – tagespolitische Zurückhaltung, besonders in emotional stark aufgeladenen Themen. Hier ist einfach eine gewisse Neutralität des Seelsorgers für seinen Dienst unumgänglich."

Die Rolle eines Seelsorgers vertrage sich nicht mit politischem Aktivismus, so Prüller weiter. "Es war daher auch wichtig klarzustellen, dass Eglaus politische Auftritte nicht im Namen oder Auftrag der katholischen Kirche erfolgen." Eglau hatte demnach mehrfach öffentlich sowohl gegenüber Medien als auch im Rahmen einer Demonstration Mitte Januar die Thesen seines Offenen Briefs vertreten. Dabei war er auch als Sprecher einer Gruppe von rund 600 Polizisten aufgetreten, die sich unter anderem gegen die Corona-Impfpflicht gewandt hatten. Er sei durch die Abberufung weder in der Ausübung seines Hauptberufs als Psychotherapeut gehindert noch materiell geschädigt, da er ehrenamtlich als ständiger Diakon gearbeitet habe, so Prüller. Er bleibe zudem Diakon in seiner Pfarrei. (cbr)