Als privater kanonischer Verein neuer Sitz in Augsburg

Bischofskonferenz erkennt Katholische Pfadfinderschaft Europas an

Aktualisiert am 27.01.2022  –  Lesedauer: 

Augsburg/Bonn ‐ Die Katholische Pfadfinderschaft Europas wurde nach einem zehnjährigen Prozess von der Deutschen Bischofskonferenz offiziell anerkannt. In Augsburg freut man sich über den Verband, der seinen Sitz dorthin verlegt hat. Doch es gibt auch Kritik.

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Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) hat die Katholische Pfadfinderschaft Europas (KPE) als privaten kanonischen Verein anerkannt. Wie der Verband jetzt mitteilt, wurde das Anerkennungsdekret durch den DBK-Vorsitzenden, Bischof Georg Bätzing, bereits im Dezember unterzeichnet. "Wir sind als Katholische Pfadfinderschaft Europas ein Teil der katholischen Kirche in Deutschland", betonte die Bundesmeisterin Judith Christoph. Das sei schon immer das Selbstverständnis der KPE: "Wir wollen nichts anderes, als in unseren Gruppen ein normales, gutes, katholisches Pfadfindertum zu leben, und zwar in der Kirche und mit der Kirche", so Christoph. Am Dienstag teilte das Bistum Augsburg mit, dass der Verband mit Zustimmung von Bischof Bertram Meier seinen Sitz von Langen (Hessen) ins Bistum Augsburg verlegt hat. Mit der Anerkennung sei ein jahrelanger Prozess des gegenseitigen Kennenlernens zwischen KPE und den betreffenden kirchlichen Strukturen zu einem erfolgreichen Abschluss gekommen, teilte der Verband mit und dankte den Bischöfen für ihr Vertrauen.

Meier zeigte sich erfreut über die kirchliche Anerkennung des Verbands. Die kirchliche Jugendarbeit lebe vom Reichtum der Angebote, um möglichst viele Kinder und Jugendlichen ansprechen zu können. "Das gemeinsame Anliegen aller Protagonisten in der Jugendarbeit besteht darin, jungen Menschen zu helfen, ihrer Berufung auf der Spur zu bleiben", so der Bischof. Ihm sei wichtig, dass die verschiedenen kirchlichen Gruppen und Verbände voneinander wissen und einander wertschätzend begegnen. In Augsburg war die KPE bereits seit 1992 als "kirchliche Jugendgemeinschaft" anerkannt. Eine Anerkennung als privater kanonischer Verein begründete eine Rechtsfähigkeit im kirchlichen Recht und führt zu Aufsichtsrechten der zuständigen kirchlichen Autorität, die darüber wacht, dass der Verein in seiner Tätigkeit die Gemeinschaft mit der Kirche in Fragen von Glaube und Sitte wahrt und dem Gemeinwohl entspricht.

Nach Kritik an der Entscheidung in sozialen Netzwerken äußerte sich der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, auf Twitter zu der kanonischen Anerkennung des Verbandes. Im Rahmen des Prozesses hätte die Jugendkommission der DBK verschiedene Fragestellungen "zur Vergangenheit und Neuausrichtung der KPE beraten und Vorbehalte ausgeräumt". Die KPE sei seit 2012 mit der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge (afj) der DBK in regelmäßigem Austausch zu theologischen und pädagogischen Fragen. An den Gesprächen hätten auch der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und die Pfadfinderverbände DPSG und PSG teilgenommen. Dabei habe man eine "deutliche Weiterentwicklung" des Verbandes wahrgenommen. "Nach diversen Änderungen in der Satzung der KPE gibt es keine rechtlichen Bedenken mehr gegen die Anerkennung. Die Jugendkommission und die afj empfehlen die Anerkennung der KPE", so der DBK-Sprecher.

1976 spaltete sich die KPE von der DPSG ab

Die KPE wurde 1976 als konservative Abspaltung von der DPSG gegründet und hat nach eigenen Angaben etwa 2500 Mitglieder. Sie gehört weder dem Dachverband der katholischen Jugendverbände BDKJ noch dem "Ring deutscher Pfadfinder*innenverbände" (rdp) an, in denen die großen katholischen Pfadfinderverbände DPSG und PSG Mitglied sind. Zu ihren Gründern gehört der ehemalige Jesuit Andreas Hönisch, der auch die Kongregation "Diener Jesu und Mariens" gründete, die heute noch in enger Verbindung mit der KPE steht.

Der Verband, der im Forum Deutscher Katholiken mitwirkt, stand in der Vergangenheit aufgrund seiner Nähe zu Organisationen wie dem "Engelwerk" und traditionalistischen Positionen in der Kritik. In den meisten deutschen Bistümern gab es lange Widerstand gegen Niederlassungswünsche der KPE, weil man sie als fundamentalistisch einstufte. Nach der Jahrtausendwende waren inzwischen als Lehrerinnen tätige ehemalige KPE-Pfadfinderinnen in den "Auerbacher Schulbuchskandal" verwickelt. Sie hatten Sexualkunde-Seiten aus staatlich zugelassenen Biologiebüchern herausgerissen. Nach der Einschaltung staatlicher und kirchlicher Stellen mussten sie die Schule verlassen.

Johanna Beck vom Betroffenenbeirat der Deutschen Bischofskonferenz äußerte sich entsetzt über die Anerkennung. Sie hatte erst am Montag vor dem Ständigen Rat der Bischofskonferenz gesprochen und dabei auch immer wieder auf ihre Missbrauchsgeschichte innerhalb der KPE verwiesen. Beck selbst hat nach eigenen Angaben dabei allerdings den Namen der Organisation nicht genannt, sondenr lediglich von der "katholisch-fundamentalistischen Jugendorganisation" gesprochen. Über die Anerkennung habe sie niemand informiert. (fxn/KNA)

28. 1. 2022, 11:40 Uhr, Korrektur im vorletzten Absatz: Die Lehrerinnen waren zum Zeitpunkt des Skandals nach Angaben der KPE schon seit einigen Jahren nicht mehr Mitglied in der Pfadfinderschaft

28. 1. 2022, 15 Uhr: Ergänzt um Stellungnahme der Deutschen Bischofskonferenz

Stellungnahme der KPE

Am Auerbach-Schulskandal vor 20 Jahren war die Kongregation der Auerbacher Schulschwestern beteiligt, nicht die KPE. Einziger Bezug: Bis zum Jahr 1994 waren (nach damaligen Pressemeldungen) einige junge Frauen, die in ihrer Jugendzeit Pfadfinderinnen in der KPE waren, in das Kloster eingetreten. Es ist konstruiert, einen 8 Jahre späteren Konflikt der Schulschwestern in ihrer Schule der KPE anzulasten und als einen Konflikt zwischen "KPE-Pfadfinderinnen" und Staat/Kirche darzustellen.