Eichstätter Oberhirte wendet sich nach Münchner Gutachten an sein Bistum

Bischof Hanke zu Missbrauch: Priesteramt nicht überhöhen

Aktualisiert am 01.02.2022  –  Lesedauer: 

Eichstätt ‐ Priester ersetzten nicht Christus in der Kirche und dürften nicht in falscher Weise überhöht werden, betont Bischof Gregor Maria Hanke. Er fragt sich zudem, warum Verantwortungsträger bei Missbrauch oftmals so mild reagiert oder weggeschaut haben.

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Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke plädiert angesichts des Missbrauchsskandals für ein starkes Selbstbewusstsein unter Gläubigen. "Jede und jeder ist gleich wichtig", schreibt Hanke in einem am Dienstag auf seiner Bistumsseite veröffentlichten Beitrag zum Münchner Missbrauchsgutachten. Der Bischof wendet sich darin an die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seines Bistums, die Pfarrgemeinden und Verbände.

Hanke betont, das Priesteramt, "das für die Kirche bedeutsam ist", dürfe nicht in falscher Weise überhöht werden. "Der Priester ersetzt nicht Christus in der Kirche, er hat vielmehr durch seinen Dienst jenem Herrn zu dienen, dessen Leib die Kirche ist. Das Priesteramt ist somit auf die Gemeinschaft aller Glaubenden hingeordnet. Das trifft freilich auf jedwede Autorität in der Kirche zu."

Wie konnte das geschehen?

Man frage sich, wie es habe geschehen können, "dass Priester ihre geistliche Autorität missbrauchten und solch brutale Taten begingen, durch die sie sich am Leben schutzbedürftiger und schwacher Menschen schuldig machten", so Hanke. "Warum haben die Verantwortungsträger oftmals so mild reagiert oder weggeschaut, warum haben Gläubige, die um diese Taten wussten oder sie auch nur ahnten, nicht reagiert? Warum sind die Betroffenen lange Zeit nicht in den Mittelpunkt der Aufarbeitung gestellt worden?"

Die Verbrechen und ihre Vertuschung widersprächen dem Evangelium. Die Kirche müsse sich "diesem schrecklichen Versagen stellen und das große Leid und die Verwundungen der Opfer in den Blick nehmen". Nötig sei "die Atmosphäre eines transparenten Miteinanders". Dazu zählten gut umschriebene Kompetenzen und Pflichten. Auch müsse es Raum geben für die offene Rede, etwa ein definiertes Hinweisgebersystem, "um bei ernsten Problemanzeigen der Spirale des Schweigens zu entgehen".

In dem in der vorvergangenen Woche veröffentlichten Gutachten der Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW) zu sexuellem Missbrauch im Erzbistum München und Freising werden auf fast 1.900 Seiten die Verfehlungen verschiedenster Würdenträger beleuchtet. Darunter sind auch der amtierende Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx, und der ehemalige Münchner Oberhirte und emeritierte Papst, Benedikt XVI./Joseph Ratzinger. (tmg/KNA)

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