Fuldaer Oberhirte mahnt Achtung der Menschenwürde an

Bischof Gerber: Russische Invasion ist unchristlich

Aktualisiert am 28.02.2022  –  Lesedauer: 

Fulda ‐ Mit deutlichen Worten hat Fuldas Bischof Michael Gerber den russischen Angriff auf die Ukraine verurteilt. Zugleich betonte er, es sei die Aufgabe aller Christen, "die Solidarität mit den leidenden Menschen auf beiden Seiten der Front zu leben".

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Der Fuldaer Bischof Michael Gerber hat den Überfall Russlands auf die Ukraine als zutiefst unchristlich und als rechtswidrig verurteilt. Gerber erklärte in einer am Montag veröffentlichten Erklärung: "Jedes Volk hat das Recht, seine Regierung frei zu wählen und selbst zu entscheiden, welche Partnerschaften und Bündnisse es eingeht. Auf diesem Hintergrund ist die russische Invasion, der Überfall auf die Ukraine ein eklatanter Bruch des Völkerrechts und widerspricht zutiefst den Werten des Christentums."

Im christlichen Menschenbild sei Freiheit mit Verantwortung verbunden, die sich besonders darin zeige, "wie die Freiheit des Anderen geschützt und gefördert wird". Gerber sprach von einer Zeitenwende und fragte: "Welche Kräfte setzen sich auf unserem Globus mittel- und langfristig durch? Sind es diejenigen, die enthemmt ihre Macht und damit ihre Vorstellungen bis zum Äußersten durchsetzen wollen?" Der Bischof fügte hinzu: "Kritisch müssen wir wahrnehmen, welche politischen Kräfte in welchen Ländern auf welche Weise derzeit Verständnis für die russische Invasion zeigen."

Einsatz für Menschenwürde und Gerechtigkeit gefordert

Der Bischof betonte, es sei offen, ob sich künftig jene politischen Kräfte behaupten könnten, "die im Diskurs, in der Achtung vor der Würde des Menschen und den davon ableitbaren Rechtsnormen nach einer Lösung suchen". Nach christlicher Überzeugung zeige Macht "ihre wahre Größe in der Selbstbeschränkung der Mächtigen, in der Bereitschaft, die je eigene Position kritisch hinterfragen zu lassen". Daher sei gerade im "dynamisierten Geschehen" dieser Tage die beständige Suche nach alternativen Lösungswegen notwendig, die zur Deeskalation und zum Frieden beitragen können. Es sei die Aufgabe aller Christen, "die Solidarität mit den leidenden Menschen auf beiden Seiten der Front zu leben", denn die Würde des Menschen gelte unabhängig davon, zu welchem Volk jemand gehöre.

"Als Menschheit sind wir neu gefordert im Einsatz für Menschenwürde und Gerechtigkeit", betonte der Fuldaer Bischof in seiner als Friedensbotschaft bezeichneten Erklärung. "Gleichzeitig dürfen wir darauf vertrauen, dass unser Leben und dass der Weg der Menschheit in der Hand dessen liegt, der sich einst dem Volk Israels als der 'Fürst des Friedens' geoffenbart hat und der in Jesus Christus uns dazu aufruft, Frieden zu stiften." (KNA)