Auftakt der DBK-Frühjahrsvollversammlung in Vierzehnheiligen

Bätzing: "Resistenz" gegenüber Reformen in Kirche nicht länger haltbar

Aktualisiert am 07.03.2022  –  Lesedauer: 

Vierzehnheiligen ‐ Die DBK-Frühjahrsvollversammlung ist eröffnet: In seinem Auftaktpressestatement betonte Bischof Georg Bätzing erneut die Notwendigkeit von Veränderungen in der Kirche. Stellung nahm er auch zur Situation um Kardinal Woelki und zum Krieg in der Ukraine.

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Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Bischof Georg Bätzing, hat angesichts der Vertrauenskrise der Kirche in Deutschland erneut die Notwendigkeit von Reformen betont. "Die Resistenz der Kirche gegenüber Veränderungen hat nicht mehr länger Halt", sagte Bätzing am Montag bei der Auftaktpressekonferenz der DBK-Frühjahrsvollversammlung in Vierzehnheiligen. Vor allem nach der Veröffentlichung des Missbrauchsgutachtens im Erzbistum München und Freising sei es "für nicht wenige katholische Christinnen und Christen unerträglich" geworden, in der Kirche zu bleiben. Der Anstieg bei den Kirchenaustrittszahlen sei ein bedrängendes Zeichen.

Die Kirche müsse "nach vorne gehen, Veränderungen zeigen", so Bätzing weiter. Ziel müsse sein, dass Menschen wieder Vertrauen fassen könnten "zu ihrer Kirche, mit der sie leben wollen, aber im Moment nicht gut leben können".

Lage in Köln weiter "hoch angespannt"

Zur Situation im Erzbistum Köln nach der Rückkehr von Kardinal Rainer Maria Woelki aus seiner fünfmonatigen Auszeit sagte Bätzing, dass diese nach wie vor "hoch angespannt" sei. In den vergangenen Monaten habe es keine Gelegenheit für einen Dialog zwischen den Gläubigen und dem Kardinal gegeben. Deshalb sei es sehr dringlich, dass Woelki nun deutlich kommuniziere, wie er sich Veränderungen vorstelle und in den Dialog mit den Gläubigen komme, so Bätzing. Mit seinem Hirtenwort, in dem er Papst Franziskus seinen Rücktritt angeboten hat, habe Woelki ein "starkes Zeichen" gesetzt. Nun trügen auch der Pontifex und der Präfekt der Bischofskongregation, Kardinal Marc Ouellet, Verantwortung für die Situation im Erzbistum Köln. Der DBK-Vorsitzende betonte, er wünsche Woelki und dem Erzbistum Köln, dass ein neues Miteinander gelinge. "Sonst muss der Papst handeln." Allzu lange werde das Kirchenoberhaupt nicht zusehen können. Woelki selbst werde bei der Frühjahrsvolversammlung die Gelegenheit haben, den anderen Bischöfen über seine Lage zu berichten.

Mit Blick auf eine am Montag veröffentlichte WDR-Umfrage, wonach die meisten der 27 deutschen Bistümer Missbrauchstäter nur unzureichend kontrollierten, sagte der DBK-Vorsitzende, dass die Zuständigkeit hier bei den einzelnen Diözesen liege. "Wir können die Täter nicht wegsperren, wo es kein staatliches Urteil gegeben hat", sagte der Limburger Bischof. Allerdings stelle sich die Frage, wie sich bei Tätern, die ihr Amt verloren hätten und nicht mehr in der Seelsorge aktiv seien, möglicher weiterer Missbrauch verhindern lasse.

Linktipp: Kardinal Gracias begrüßt Reformdebatten bei synodalen Prozessen

Reformprozessen wie dem Synodalen Weg in Deutschland wird oft vorgeworfen, die Struktur der Kirche umkrempeln zu wollen. Diese Angst versucht Kardinal Oswald Gracias zu nehmen. Der Papstberater spricht sich für offene Debatten aus.

Einer der Schwerpunkte der Beratungen der Bischöfe werde der Synodale Weg sein. Man komme mit einem "guten Schwung" aus der dritten Synodalversammlung Anfang Februar, die bereits erste Texte verabschiedet habe, so Bätzing. Nun sei die Frage, wie das, was beschlossen worden sei, bereits umgesetzt werden könne, sofern es in der Macht der Bischöfe stehe. Darüber hinaus würden sich die Bischöfe darüber verständigen, wo es bei künftigen möglichen Beschlüssen der Synodalversammlung Einigkeit oder Divergenzen geben könnte.

Die Aktion "#OutInChurch" habe gezeigt, dass er bei der Grundordnung des kirchlichen Arbeitsrecht Bewegung brauche, so Bätzing. Allerdings stehe er dabei für Prozesstreue und Sorgfalt. Es werde eine gründliche und tragfähige Lösung angestrebt. Im Hinblick auf Loyalitätspflichten soll es im Grundsatz nicht mehr darum gehen, kirchlichen Mitarbeitenden nicht mehr Vorschriften für die persönliche Lebensführung zu machen, sondern gemeinsame Werte und Ziele in der Dienstgemeinschaft zu definieren. Erste konkrete Beschlussvorlagen erwarte er vom Ständigen Rat der Bischöfe im Juni.

Höchste Solidarität mit Ukraine-Flüchtlinge beweisen

Überschattet wird das Bischofstreffen vom Krieg in der Ukraine. Bätzing kündigte an, dass die deutschen Bischöfe sich mit einem deutlichen Statement positionieren wollen. Er selbst verurteile den Angriff Russlands als völkerrechtswidrig. "Da werden Menschen, da werden Zivilisten vertrieben. Da wird versucht, eine legitime Regierung zu entmachten." Dies könne die Welt nicht auf sich beruhen lassen. Angesichts der Geflüchteten aus der Ukraine gelte es, höchste Solidarität in Deutschland zu beweisen. Bereits am Montagabend werde es beim Eröffnungsgottesdienst ein Friedensgebet geben. Mit dabei sei der Apostolische Exarch für die Ukrainer, Bischof Bohdan Dzyurakh, der auch Mitglied der Bischofskonferenz ist. Damit reihe sich das Treffen in die "unglaubliche Bewegung" von ökumenischen Friedensgebeten und -initiativen ein, die es seit Kriegsbeginn gebe. Diese mache vielen Menschen in der Ukraine Mut, "Stand zu halten in dieser Situation".

Die deutschen Diözesan- und Weihbischöfe tagen bis Donnerstag im oberfränkischen Wallfahrtsort Vierzehnheiligen. Hauptthemen der Beratungen werden der Krieg in der Ukraine, der Stand der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals und der Synodale Weg sein. Auf dem Programm steht zudem die Vorstellung eines Wortes der deutschen Bischöfe zur Seelsorge. (mal)