Offener Brief an Münchner Erzbischof

Nach Gutachten: Betroffenenbeirat hat fünf Forderungen an Marx

Aktualisiert am 08.03.2022  –  Lesedauer: 

München ‐ Um das Leid der Betroffenen sexualisierter Gewalt nicht weiter zu vergrößern, sei es an der Zeit, sie endlich wahrzunehmen, fordert der Betroffenenbeirat im Erzbistum München und Freising. Das Gremium hat dazu fünf konkrete Forderungen formuliert.

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Der Betroffenenbeirat im Erzbistum München und Freising hat in einem offenen Brief fünf Forderungen an Kardinal Reinhard Marx formuliert und ihn aufgefordert, zeitnah zu handeln. "Treten Sie in persönlichen Kontakt mit den für ihr Leben geschädigten und traumatisierten Betroffenen", heißt es in dem am Montag veröffentlichten Schreiben, das von Beiratssprecher Richard Kick unterschrieben wurde. Zudem solle Marx eine unabhängige Ombudsstelle schaffen, die die Interessen von Betroffenen vertritt und das strukturelle Machtungleichgewicht zur Kirche ausgleiche. Darüber hinaus sollten Missbrauchsgeschädigte Akteneinsicht gewährt bekommen, um zu erfahren, wie ihr Fall konkret behandelt wurde, und eine "ernsthafte und angemessene finanzielle Anerkennungs-/Entschädigungsleistung" erhalten. In einem fünften Punkt fordert das Gremium Marx dazu auf, den Betroffenenbeirat personell und finanziell zu stärken

"Um das Leid der überaus großen Zahl an Opfern sexualisierter Gewalt nicht noch weiter zu vergrößern, ist es an der Zeit, sie auch endlich empathisch wahrzunehmen", heißt es dazu in dem Schreiben. Die Einsichtnahme in die Akten Betroffener und die Analyse kircheninterner Vorgänge hätten seit der Implementierung des Betroffenenbeirats im März 2021 "weitreichende Erkenntnisse" geliefert und durch die Veröffentlichung des Missbrauchsgutachtens herrsche auch "Klarheit über das institutionelle Versagen, die Fehler und Versäumnisse in der Erzdiözese München und Freising"

Das im Januar vorgestellt Missbrauchsgutachten in der Erzdiözese München und Freising belastet neben den früheren Erzbischöfen auch den aktuellen Amtsträger, Kardinal Marx, für dessen Umgang mit Missbrauchsfällen. Bei der späteren Pressekonferenz des Erzbistums bekannte Marx, Betroffene übersehen zu haben, sei seine größte Schuld. "Das ist unverzeihlich", so Marx. Der Betroffenenbeirat kritisiert, dass nach der Veröffentlichung keinerlei Aktivitäten von Marx erkennbar seien, die ein dezidiertes Handeln und Umsetzen der Empfehlungen erkennen ließen. (cbr)