Pater Philipp König über das Sonntagsevangelium

Mit Jesus in bester Gesellschaft auf dem Berg der Verklärung

Aktualisiert am 12.03.2022  –  Lesedauer: 
Transfiguration Jesu
Bild: © Fotolia.com/inkl
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Frankfurt am Main ‐ Was für ein Moment! Jesus erstrahlt in Herrlichkeit, unterhält sich mit den großen Propheten – und nimmt für diesen Augenblick ausgerechnet die anmaßenden Donnerbrüder und den überforderten Petrus mit. Mangelt es Jesus etwa an Menschenkenntnis? Pater Philipp König geht auf die Suche nach Antworten.

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Impuls von Pater Philipp König

Wie gern wäre ich bei der Verklärung auf dem Tabor dabei gewesen! Wie gern hätte ich einen Blick auf Jesus geworfen, im Licht strahlend, bei ihm die großen alttestamentlichen Propheten Mose und Elija, dazu die Jünger Petrus, Jakobus und Johannes… Jesus sehen in seiner Menschlichkeit – und für einen kurzen Augenblick sogar in seiner Göttlichkeit!

Jesu Nähe (über)fordert!

Auf den Taborberg mitgenommen zu werden war für die drei Jünger sicher ein Privileg! Ob die übrigen eifersüchtig auf sie waren? In der Situation waren die drei jedenfalls ziemlich überfordert: Erst schliefen sie ein und dann reagierten sie eher unpassend: "Wir wollen drei Hütten bauen…" Petrus wusste selber nicht, was er da sagte.

Doch gerade diese drei sollte Jesus später auf einen anderen Berg mitnehmen, den Ölberg, in seiner Todesangst. Wen Jesus auserwählt, dem wird einiges abverlangt! Die Nähe zu Jesus ist oft fordernd, ja überfordernd: "Jesus aus der Nähe zu folgen, ist nicht leicht, denn die Straße, die er wählt, ist der Weg des Kreuzes." (Papst Franziskus) Bis zum Berg der Kreuzigung sollten es die meisten Jünger jedoch nicht mehr schaffen: Bis auf den Lieblingsjünger (vielleicht Johannes?) fehlten sie unter dem Kreuz.

Was für Leute ruft Jesus in seine Nähe?

Die "großen" Gestalten bei der Verklärung erweisen sich bei genauerem Hinschauen als durchschnittliche und oft fehlerhafte Personen: Jakobus und Johannes hatten sich anmaßend über die anderen Jünger erhoben (Mk 10,37) und Petrus hatte in der finstersten Stunde voller Angst geschworen, Jesus nicht zu kennen (Mt 26,74). Mitunter tun sich Abgründe auf: Mose hatte einen Menschen erschlagen (Ex 2,12) und Elija hatte die Ermordung von 450 Baalspropheten angeordnet (1 Kön 18,40).

Bei der Verklärung und den anwesenden Personen wird für mich nochmal deutlich, dass es nicht die Superhelden sind, die Jesus erwählt. Stattdessen ruft er schwache und sündige Menschen in seine Nähe: Feiglinge, Versager, ja sogar Verbrecher und Sünder. "Der Berg der Verklärung wurde zum Vorbild der Kirche." (Ephraim der Syrer) Die Kirche ist ein Ort der Heiligen, aber ganz klar auch ein Ort der Sünder. Gerade letzteres wird uns aktuell so oft auf bestürzende Weise vor Augen geführt.

"Wetterleuchten der Auferstehung"

Dennoch bleibt die Verklärung ein Bild des Trostes: Vor Jesus dürfen wir die Augen öffnen, denn sein Licht erleuchtet alles, auch die tiefen Abgründe, die wir erleben, bisweilen auch in uns selbst. Vor Jesus kann ich die Wahrheit anschauen, auch wenn sie schmerzhaft ist, und sie ihm anvertrauen. Er nimmt sie mit auf seinem Weg des Leidens, bis ans Kreuz, bis Ostern wird. So ist die Verklärung wirklich ein "Wetterleuchten der kommenden Auferstehung des Herrn" (Romano Guardini).

Aus dem Evangelium nach Lukas (Lk 9,28b–36)

In jener Zeit nahm Jesus Petrus, Johannes und Jakobus mit sich und stieg auf einen Berg, um zu beten. Und während er betete, veränderte sich das Aussehen seines Gesichtes und sein Gewand wurde leuchtend weiß.

Und siehe, es redeten zwei Männer mit ihm. Es waren Mose und Elíja; sie erschienen in Herrlichkeit und sprachen von seinem Ende, das er in Jerusalem erfüllen sollte. Petrus und seine Begleiter aber waren eingeschlafen, wurden jedoch wach und sahen Jesus in strahlendem Licht und die zwei Männer, die bei ihm standen.

Und es geschah: Als diese sich von ihm trennen wollten, sagte Petrus zu Jesus: Meister, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elíja. Er wusste aber nicht, was er sagte.

Während er noch redete, kam eine Wolke und überschattete sie. Sie aber fürchteten sich, als sie in die Wolke hineingerieten. Da erscholl eine Stimme aus der Wolke: Dieser ist mein auserwählter Sohn, auf ihn sollt ihr hören.

Während die Stimme erscholl, fanden sie Jesus allein. Und sie schwiegen und erzählten in jenen Tagen niemandem von dem, was sie gesehen hatten.

Der Autor

Pater Philipp König gehört dem Dominikanerorden an und arbeitet als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Patristik und Antikes Christentum an der Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt/Main. Außerdem ist er als Postulatsleiter in der Ordensausbildung tätig.

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