Schwester Johanna Domek über das Sonntagsevangelium

Entschiedener Energieverbrauch

Aktualisiert am 19.03.2022  –  Lesedauer: 
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Köln ‐ Ob Krieg, Umweltzerstörung oder persönliche Beziehungen – Schwester Johanna Domek fallen zahlreiche Themen ein, die uns tagtäglich bedrängen. Es erscheint wie ein Dilemma: Die Augen verschließen oder innerlich ausbrennen? In seinem heutigen Gleichnis zeigt Jesus, dass es auch anders geht.

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Impuls von Schwester Johanna Domek

Täglich bieten sich viele Themen an, an denen wir uns abarbeiten könnten, sei es hinsichtlich der Schöpfung und unseren Umgang mit ihr, sei es in den politischen Verhältnissen und Auseinandersetzungen, sei es im persönlichen Vorankommen oder in der komplexen Wirklichkeit unserer Beziehungen. Die Arbeit daran kann befreien, aber auch fesseln. Manchmal erfüllt sie uns, nicht selten erschöpft sie uns, bis dahin, dass sie uns frustriert und zu erschlagen droht. Aber wenn ich auf all die sich aufdrängenden Themen und Ereignisse voller Energie und Aufmerksamkeit abfahren wollte, käme ich – bildlich gesprochen – nirgends an.  Wenn ein Engagement dem Leben dienen soll, braucht neben einem wachen Wahrnehmen dessen, was sich jeden Tag zeigt und bewegt, auch Geduld, Weile und ein Einlassen, das kontinuierlich dranbleibt, ohne sich im wahrgenommenen Vielen zu verlieren.

Im heutigen Evangeliums lesen wir einen Text mit zwei – auf den ersten Blick – sehr unterschiedlichen Hälften. Auf einer tieferen Ebene jedoch gehören beide zusammen, in dem Sinn, dass sie uns darauf hinweisen, dass wir wählen können und uns wohl entscheiden müssen, an welchen Themen wir arbeiten wollen, wofür wir unsere Energie einsetzen. Sonst verpufft diese Energie bloß, Tag für Tag. Sie befeuert alles Mögliche, verheizt sich selbst, ohne dass es etwas bringt, was dem Leben guttut. Nehmen wir wahr, was sich zeigt, ohne etwas zu ignorieren, aber ohne auf zu viel zu fliegen. Entscheiden wir, wofür wir uns engagieren und die uns jeden Tag verfügbare Lebenskraft einsetzen wollen.

Darauf weist uns Jesus hin. Es geht ihm dabei meist nicht um spektakuläre, sondern um eher unscheinbare Dinge, um die leisen Wirklichkeiten. Das Leben wächst meistens leise. Im Gleichnis Jesu heißt das wahrzunehmen, dass ein Baum fruchtlos steht. Erkenntnis ohne geduldige Arbeit hilft da nun nichts, das nur zu sagen oder belehrend eine Rede zu schwingen bringt nichts. Den Boden umgraben, geduldig zu pflegen und das Nötige zu tun, diese Arbeit könnte mittelfristig, allmählich helfen, dass er besser gedeihen und seine Früchte bringen kann.

Der Mensch, der sich für solchen Energieeinsatz entscheidet, der wird dabei nicht wenig in sich selbst zu arbeiten finden. Das Werk, das er über sich hinaus beginnt, wird ihn lehren, was es dazu braucht.

Evangelium nach Lukas (Lk 13,1–9)

Zu jener Zeit kamen einige Leute und berichteten Jesus von den Galiläern, deren Blut Pilatus mit dem ihrer Opfertiere vermischt hatte.

Und er antwortete ihnen: Meint ihr, dass diese Galiläer größere Sünder waren als alle anderen Galiläer, weil das mit ihnen geschehen ist? Nein, sage ich euch, vielmehr werdet ihr alle genauso umkommen, wenn ihr nicht umkehrt.

Oder jene achtzehn Menschen, die beim Einsturz des Turms am Schilóach erschlagen wurden – meint ihr, dass sie größere Schuld auf sich geladen hatten als alle anderen Einwohner von Jerusalem? Nein, sage ich euch, vielmehr werdet ihr alle ebenso umkommen, wenn ihr nicht umkehrt.

Und er erzählte ihnen dieses Gleichnis: Ein Mann hatte in seinem Weinberg einen Feigenbaum gepflanzt; und als er kam und nachsah, ob er Früchte trug, fand er keine. Da sagte er zu seinem Winzer: Siehe, jetzt komme ich schon drei Jahre und sehe nach, ob dieser Feigenbaum Früchte trägt, und finde nichts. Hau ihn um! Was soll er weiter dem Boden seine Kraft nehmen?

Der Winzer erwiderte: Herr, lass ihn dieses Jahr noch stehen; ich will den Boden um ihn herum aufgraben und düngen. Vielleicht trägt er in Zukunft Früchte; wenn nicht, dann lass ihn umhauen!

Die Autorin

Sr. Johanna Domek OSB ist seit mehr als 40 Jahren Benediktinerin in Köln-Raderberg, wo sie in der Kurs- und Exerzitienarbeit tätig ist. Darüber hinaus ist sie Beauftragte des Netzwerks alternde Ordensgemeinschaften und hat zahlreiche Publikationen zum Thema Spiritualität veröffentlicht.

Ausgelegt!

Katholisch.de nimmt den Sonntag stärker in den Blick: Wie für jeden Tag gibt es in der Kirche auch für jeden Sonntagsgottesdienst ein spezielles Evangelium. Um sich auf die Messe vorzubereiten oder zur Nachbereitung bietet katholisch.de nun "Ausgelegt!" an. Darin können Sie die jeweilige Textstelle aus dem Leben Jesu und einen Impuls lesen. Diese kurzen Sonntagsimpulse schreiben Ordensleute und Priester für uns.