Aktivisten hatten zu veganer Lebensweise aufgerufen

Theologe Hagencord lobt Tierschützer-Aktion während Messe

Aktualisiert am 11.04.2022  –  Lesedauer: 
Rainer Hagencord
Bild: © KNA/Lars Berg

Zürich ‐ Aktivisten störten in Zürich eine Messfeier und protestierten gegen Gewalt an Tieren. Der Theologe und Zoologe Rainer Hagencord findet die Aktion gut: Angesichts eines der "größten Probleme der Gegenwart" brauche es solche Weckrufe.

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Der Theologe und Zoologe Rainer Hagencord hat die Aktion von Tierschützern gelobt, die in einer Züricher Kirche gegen Gewalt an Tieren protestiert und zu veganer Ernährung aufgerufen hatten. "Ich finde die Aktion großartig", sagte Hagencord in einem Interview mit dem Portal "kath.ch" (Sonntag). Mit solchen Handlungen werde die "bürgerliche Bequemlichkeit" herausgefordert. "Wir brauchen Weckrufe." Der Priester ist Leiter des Instituts für Theologische Zoologie in Münster.

Gewalt gegen Tiere sei "eines der größten Probleme der Gegenwart", so Hagencord weiter. Das könne man nicht ignorieren. Auch Störungen müssten in einem Gottesdienst Platz haben. "Liturgie ist kein totes Ritual, sondern das Leben." Auch die Propheten im Alten und Neuen Testament hätten die Gewalt gegen Tiere kritisiert. "Wir können im Gottesdienst nicht über Erlösung und Vergebung sprechen, über Jesus von Nazareth nachdenken – uns aber in Selbstgefälligkeit wiegen und nichts an unserem Verhalten ändern", so Hagencord.

Kein Grundrecht auf Fleisch

Nicht überall auf der Welt sei eine rein vegane Lebensform möglich, räumte Hagencord ein. "In Mitteleuropa kämen wir als Veganerinnen und Veganer prima zurecht." Ein Grundrecht auf Fleisch gebe es nicht. "Fleischkonsum gehört nicht zum Menschsein". Außerdem gebe es kein moralisch relevantes Argument dafür.

Am vergangenen Sonntag unterbrachen Aktivisten die Messfeier in der Züricher Kirche St. Anton und hielten Schilder hoch. Ein Paar trug Hochzeitskleidung und hielt in seinen Händen anscheinend tote Tiere. Der Zelebrant und weitere Messbesucher versuchten daraufhin, die Tierschützer zum Verlassen der Kirche zu bewegen. Da diese sich uneinsichtig zeigten, ging die Gottesdienstgemeinde dazu über, Kirchenlieder zu singen, bis die Aktivisten schließlich das Gotteshaus verließen. Vor der Kirche setzten sie ihren Protest fort. Die Polizei nahm aufgrund der Aktion Ermittlungen auf. (mal)