Mehr Hilfe gefordert: Die Welt habe bisher zu wenig für die Ukraine getan

Ukrainischer Kommandeur an Papst Franziskus: Gebete reichen nicht

Aktualisiert am 19.04.2022  –  Lesedauer: 

Mariupol/Bonn ‐ Der Satan wolle alles Lebendige verbrennen, schreibt ein ukrainischer Marine-Kommandeur an Papst Franziskus. Um zu siegen reichten Gebete nicht aus – es brauche schwere Waffen und humanitäre Hilfe. Hoffnung schöpft der Soldat aus dem österlichen Glauben.

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Der ukrainische Major Serhiy Volyna hat Papst Franziskus in einem Offenen Brief zur Hilfe für die Menschen in der umkämpften Stadt Mariupol aufgefordert. "Bringen Sie die Wahrheit in die Welt, evakuieren Sie die Menschen und retten Sie ihr Leben aus den Händen des Satans, der alles Lebendige verbrennen will", schrieb Major Serhiy Volyna dem Papst, wie die Online-Zeitung "Ukrajinska Prawda" am Montag berichtete. Die Zeit sei gekommen, in der Gebete nicht mehr reichten. Neben dem knapp einseitigen Schreiben an Franziskus veröffentlichte Volyna auf seiner Facebook-Seite ein weiteres Schreiben an Politiker und Religionsführer. Darin fordert er schwere Waffen für Mariupol: "Wir müssen wissen, dass die Welt alles Mögliche dafür getan hat. Dann sind wir bereit, auch das Unmögliche für unser Land zu tun".

Nach eigenen Angaben befindet sich Volyna als Kommandeur der 36. Marinebrigade derzeit in Mariupol. In seinen Briefen berichtet er von der humanitären Situation in der belagerten Hafenstadt. "Frauen mit Kindern und Säuglingen leben in Bunkern in der Fabrik, sie haben Hunger und frieren. Jeden Tag leben sie im Visier der feindlichen Flugzeuge." Er könne sich vorstellen, dass der Papst schon vieles gesehen habe, aber er sei sich sicher, dass Franziskus noch nie gesehen habe, was gerade in Mariupol geschehe. "Unsere Verwundeten sterben jeden Tag unter unerträglichen Qualen, weil Medikamente, Desinfektionsmittel und Narkose längst ausgegangen sind." Die Welt habe bisher zu wenig getan, um Verwundete, Kinder, Frauen und Tote aus der Stadt zu holen. An "Weltpolitiker, Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und religiöse Persönlichkeiten" gerichtet, appelliert Volyna, diesen "Menschen gegenüber nicht gleichgültig zu sein". Sie seien gegen ihren Willen "in die Falle von Mariupol geraten". Das Vertrauen in Versprechen Russlands habe man verloren. Da er seit mehr als 50 Tagen kämpfe und in Mariupol "völlig umzingelt" sei, habe er keine Zeit päpstliche Appelle zu verfolgen oder Erklärungen zu lesen – als orthodoxer Christ habe er aber die Hoffnung, "dass das Licht immer die Dunkelheit besiegt". (ben)