So verläuft der Weg von der Sünde zur Sündenbefreiung im Beichtstuhl

Beichte: Mit diesem Leitfaden kann (fast) nichts schief gehen

Aktualisiert am 07.05.2022  –  Lesedauer: 

Bonn ‐ Wenn es um die Beichte geht, gibt es viele Vorbehalte. Dabei ist die göttlich-autorisierte Befreiung von Sünde und Schuld eigentlich eine frohe Botschaft. Katholisch.de erklärt, wie Beichten geht und was für eine gute Beichte zu beachten ist.

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"Bittere Beichte!", "Intime Sex-Beichte!", "Schockierende Alkoholbeichte!" – ein Blick über die Schlagzeilen am Zeitschriftenstand lässt Schlimmes vermuten, wenn es um die Beichte geht. Auch wenn jemand "Ich muss dir etwas beichten" sagt, folgt meist eher Unerfreuliches. Obwohl die göttlich-autorisierte Befreiung von Sünde und Schuld eigentlich eine frohe Botschaft sein müsste, ist die sakramentale Beichte und damit auch ihr Ablauf vielen fremd. Doch wie verläuft der Weg von der Sünde zur Sündenbefreiung? Eine Anleitung rund um das persönlichste und vielleicht intensivste Sakrament.

Im Beichtstuhl spricht der Priester im Namen Gottes von Sünden los und handelt damit an Jesu statt. Nicht der Priester vergibt also die Schuld, sondern er spricht lediglich davon los – er ist der Überbringer der (Erlösungs-)Nachricht. Doch bis es dazu kommt, braucht es ein bisschen Vorbereitung. Zuerst muss ein Katholik sich (s)einer Sünde(n) bewusst sein. Wichtig ist dabei die theologische Unterscheidung zwischen Schuld und Sünde. Schuldig wird jeder Mensch – ob bewusst oder unbewusst. Schließlich wirkt sich alles Handeln auf Umwelt und Mitmenschen aus, im Guten wie im Schlechten. Sündig kann jedoch nur der Gläubige in seiner (bewussten) Beziehung zu Gott werden. Wer glaubt, kann also seine Schuld als Sünde verstehen. Was Sünde ist, kann und muss jeder Mensch für sich erkennen. In einem weiteren Schritt steht dann die Frage im Raum, ob sich jemand im Rahmen einer Beichte von diesen Sünden lösen möchte.

Bild: ©picture alliance / Godong/Antoine Mekary

Viele Gemeinden veröffentlichen Beichtzeiten in ihrem Pfarrbrief. In großen (Innenstadt-)Kirchen, Klöstern oder an Wallfahrtsorten gibt es oft täglich Beichtmöglichkeiten - wie hier in der Basilika St. Paul vor den Mauern in Rom.

Die Beichte kann als regelmäßige geistliche Übung begangen werden, etwa zur Selbstreflektion kleinerer Fehltritte, Unterlassungen oder Marotten. Sie kann aber auch eine große Hilfe in existenziellen Notsituationen sein. Dann geht es meist um Dinge, die das Gewissen schwer belasten: ausgebliebene Versöhnung mit Verstorbenen, eine Lüge mit schweren Folgen oder auch irreparable Schäden, die durch eigenes Handeln entstanden sind, gehören dazu. 

Bei der Vorbereitung auf eine Beichte können klassische Beichtspiegel helfen

Zur Annäherung an das Thema Beichte empfiehlt sich eine Gewissenserforschung. Dabei können klassische Beichtspiegel helfen. Diese Fragenkataloge schärfen das eigene Gewissen und helfen, sich selbst zu hinterfragen. In Gebetsbüchen, Bet-Apps und im Internet gibt es verschiedene Beichtspiegel. Manche orientieren sich streng an den zehn Geboten, andere beleuchten ausgewählte Situationen oder Lebenszusammenhänge oder stehen unter einem bestimmten Motto. Je nach spiritueller Ausrichtung und Prägung lohnt es sich, verschiedene Stile und Vorlagen anzuschauen und so eine individuell passende Form zu finden. Nach getaner Gewissenserforschung gilt es, eine Beichtmöglichkeit zu finden. Viele Gemeinden veröffentlichen Beichtzeiten in ihrem Pfarrbrief. In großen (Innenstadt-)Kirchen, Klöstern oder an Wallfahrtsorten gibt es oft täglich Beichtmöglichkeiten. Eine andere Möglichkeit bieten kirchliche Großveranstaltungen: Bei Weltjugendtagen, großen Wallfahrten und anderen Kirchenevents wird die Beichte oft angeboten und teilweise sogar groß inszeniert. Damit steht die nächste Entscheidung an: In welchem Umfeld möchte man beichten? Bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) war die Beichte im Beichtstuhl vorgeschrieben. In der Nachkonzilszeit wollte man die Beichtsituation auflockern und persönlicher gestalten – die Beichte verlagerte sich in Sakristeien, Beichtzimmer und andere Räumlichkeiten. Die Atmosphäre wurde freier, aber auch ungeschützter. Am meisten Distanz, Sicherheit und Anonymität bietet ein klassischer Beichtstuhl. Dort sind Priester und Pönitent – so nennt man Beichtende – in zwei Räumen getrennt. Je nach Beichtstuhl gibt es dazu noch einen Sichtschutz. Wer im Rahmen einer geistlichen Begleitung oder eines persönlichen Gesprächs beichten möchte, kann aber gute Gründe haben, sich gegen den klassischen Beichtstuhl und für eine persönlichere Raumanordnung zu entscheiden.

Wie es dann weitergeht, kann variieren; folgt aber meist einem einfachen Schema (siehe Kasten).

Möglicher Ablauf einer Beichte

Die Beichte beginnt damit, dass der Beichtende in den Beichtstuhl kommt, sich bekreuzigt und das Kreuzzeichen spricht:  

B: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Der Priester (P) antwortet zum Beispiel: Gott, der unser Herz erleuchtet, schenke dir wahre Erkenntnis deiner Sünden und seiner Barmherzigkeit

B: Amen.

Es folgt das Bekenntnis des Beichtenden. Es sollte ehrlich und persönlich sein. Wenn der Beichtende möchte, kann er auch ausführlicher von seiner Situation und seiner Schuld bzw. Sünde erzählen. So werden für Beichtenden und Priester Hintergründe und Ursachen verständlicher – manchmal ergeben sich im Sprechen auch neue Perspektiven und Erkenntnisse.

Sinn der Beichte ist es jedoch nicht, dass der Priester genaustens Bescheid weiß, sondern, dass der Beichtende das los wird, was ihn belastet. Adressat der Beichte ist nicht der Priester, sondern Gott selbst.

Es ist üblich, das Bekenntnis mit einem kurzen Reuegebet abzuschließen (etwa: Ich bereue, dass ich Böses getan und Gutes unterlassen habe. Erbarme dich meiner, o Herr.).
Danach kommt das Beichtgespräch. Hier kann es sein, dass der Priester noch einmal reflektiert, was der Pönitent gesagt hat – vielleicht sogar Tipps gibt oder neue Perspektiven eröffnet.

Am Ende des Beichtgespräches steht die Übernahme eines Bußwerkes, das häufig aus Gebeten besteht.

In diesem letzten Teil der Beichte gibt es keine liturgische Strukturierung, sie ist dem persönlichen Gegenüber zwischen Beichtendem und Priester, der in der Beichte Christus selbst vertritt, gewidmet. Am Ende des Beichtgesprächs, erteilt der Priester die Lossprechung (Absolution) von den Sünden, wenn die Voraussetzungen dafür auf der Seite des Beichtenden vorliegen. Bei diesen Voraussetzungen handelt es sich um:  

  • Die Reue über die begangenen Sünden. Reue muss nicht unbedingt mit einem tiefen „Gefühl" der Zerknirschung einhergehen, sie kann auch aus Einsicht entstehen.
  • Das ehrliche Aussprechen der Sünde und Schuld. Es kommt dabei nicht auf die Benennung von allem und jedem an, sondern auf die Darlegung des Kerns des Problems und die Aufrichtigkeit dahinter. 
  • Den Vorsatz, schuldhaftes Verhalten zu ändern und Schaden wieder gutzumachen. Hier geht es um eine ernste Absicht und wirkliches Bemühen, auch wenn die Frage des Gelingens der Besserung noch fraglich erscheint.

Die Worte der Lossprechung sind:

P: Gott, der barmherzige Vater, hat durch den Tod und die Auferstehung seines Sohnes die Welt mit sich versöhnt und den Heiligen Geist gesandt zur Vergebung der Sünden. Durch den Dienst der Kirche schenke er dir Verzeihung und Frieden. So spreche ich dich los von deinen Sünden. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

B: Amen.

Die eigenen Sünden sind nun herausgearbeitet und zusammengetragen, nun werden sie ausgesprochen. Viele Menschen empfinden diesen Vorgang als befreiend – sie atmen sprichwörtlich auf und gewinnen neue Kraft dank befreiter Ressourcen. Dem Priester kommt dabei eine Mittlerfunktion zu. Er spricht aus, was Gott tut.  Dabei hilft, dass das bei der Beichte Gesagte nicht den Raum verlässt. Dafür steht das Beichtgeheimnis.

Das sogenannte Beichtgeheimnis verpflichtet den Priester, über alles zu schweigen, was er im Beichtstuhl erfahren hat. Der Priester darf in keiner Situation – noch nicht einmal vor Gericht – von Beichtgesprächen erzählen. Das soll die Pönitenten schützen. Theologisch macht es deutlich: im Beichtstuhl geht es nicht um Strafe, sondern um (voraussetzungsfreie) Vergebung und Bereinigung von Sünde. Hält sich der Priester nicht an das Beichtgeheimnis, trifft ihn – im Moment des Aussprechens – die Strafe der Exkommunikation, also den Ausschluss aus der Kirche.

Am Ende der Beichte gibt der Priester mit dem Pönitenten ein Bußwerk auf. Das können fünf Ave-Maria sein, aber auch eine Entschuldigung bei einem Mitmenschen. Diese Wiedergutmachung ist ähnlich wichtig wie die verbale Zusage der Vergebung. Sie ermöglicht sie dem Pönitenten zu erfahren, dass – auch in ausweglosen Situationen – etwas getan werden kann. Nach Erbringen des Bußwerkes ist – im Bild gesprochen – der Sündenzähler wieder auf null gesetzt. Theologisch bedeutet das: der Christenmensch ist so frisch und sündenfrei wie an seinem Tauftag.

Von Benedikt Heider