Nach "Sing Hallelujah"-Tanzeinlage in der Osternacht

Tanzender Pfarrer: Wir wollten die Osterfreude in die Kirche tragen

Aktualisiert am 24.04.2022  –  Lesedauer: 

Regen ‐ Mit seiner "Sing Hallelujah"-Tanzeinlage in der Osternacht sorgte Pfarrvikar Andreas Artinger aus dem bayerischen Regen in den vergangenen Tagen bundesweit für Begeisterung. Im katholisch.de-Interview spricht er über die Hintergründe der Aktion, seine Tanzqualitäten und die Bedeutung der Liturgie.

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Der Gottesdienst in der Osternacht ist immer etwas ganz Besonderes. Um das zu verdeutlichen und ihrer Freude über die Auferstehung Jesu Ausdruck zu verleihen, tanzten Pfarrvikar Andreas Artinger und seine Ministranten im niederbayerischen Schweinhütt in diesem Jahr am Ende des Gottesdienstes zum 90er-Jahre-Hit "Sing Hallelujah" von Dr. Alban durch die Kirche. Ein Video der Aktion wurde in den vergangenen Tagen tausendfach im Internet angeklickt und begeistert kommentiert. Im Interview mit katholisch.de spricht Artinger über die Hintergründe der Aktion, seine eigenen Tanzqualitäten und die Reaktionen der Gläubigen.

Frage: Pfarrer Artinger, Ihre Tanzeinlage in der Osternacht hat in den vergangenen Tagen viel Aufmerksamkeit erfahren, allein bei YouTube wurde das Video mittlerweile rund 34.000 Mal aufgerufen. Haben Sie vor der Aktion in der Gemeinde oder im Pfarrteam eigentlich gefragt, ob Sie überhaupt durch die Kirche tanzen dürfen?

Artinger: Nein, das habe ich nicht getan. Warum auch? Mir und den Ministranten ging es darum, zum Ende des Gottesdienstes auf besondere Weise die österliche Freude zum Ausdruck zu bringen. Und ich denke, dass uns das durch den Tanz auch sehr gut gelungen ist.

Frage: Haben Sie denn nicht damit gerechnet, dass Ihre Einlage zu kontroversen Diskussionen führen könnte?

Artinger: Diskussionen kann es immer geben, und das ist auch völlig in Ordnung. Aber wissen Sie: Bevor ich hier in den Pfarrverband Regen/Langdorf gekommen bin, war ich lange in einer Gemeinde in Ruhstorf an der Rott im Landkreis Passau tätig. Dort haben wir schon 20 Jahre lang in ähnlicher Weise die Osternacht gefeiert wie jetzt in Schweinhütt. Und klar, da hat es am Anfang auch erstmal Diskussionen gegeben über das Für und Wider. Aber mit den Jahren wurden diese besonderen Gottesdienste immer besser angenommen. Teilweise kamen da über 1.000 Menschen morgens um 5 Uhr in die Osternacht, um diesen Gottesdienst zu erleben. Und deshalb kam mir irgendwann der Gedanke, auch hier im Pfarrverband mal etwas ähnliches auszuprobieren.

Frage: Getanzt haben Sie zu dem 90er-Hit "Sing Hallelujah" von Dr. Alban. Kannten Sie das Lied vorher?

Artinger: Nein, ich kannte das Lied nicht und eigentlich bin ich auch kein großer Tänzer – außer auf Faschingsbällen (lacht). Das Lied hat unsere Choreographin Eva-Maria Stern ausgesucht, die ja auch den Tanz mit uns eingeübt hat.

„Ich habe schon im Gottesdienst gemerkt, dass die Leute sehr positiv reagiert haben. Man konnte sehen, dass es den Gläubigen gefallen hat und ein Stück weit die Begeisterung von Ostern auf sie übergesprungen ist.“

—  Zitat: Pfarrvikar Andreas Artinger

Frage: Hat es Sie Überwindung gekostet, vor der Gemeinde das Tanzbein zu schwingen?

Artinger: Nein, eigentlich nicht. Ich habe mir das Ganze ja auch selbst eingebrockt (lacht). Die Idee zu dem Tanz ist mir ja schon vor einem Jahr gekommen. Damals hatte mir ein Bekannter ein WhatsApp-Video geschickt, in dem ein anderer Pfarrer mit seinen Ministranten tanzte. Und weil ich das gut fand, habe ich meine Ministranten gefragt, ob wir in der Osternacht nicht etwas Ähnliches machen wollen. Und weil die gleich Feuer und Flamme waren, habe ich gesagt: Okay, dann machen wir das und ziehen das durch! Ich versuche immer, die Liturgie lebendig zu gestalten – vielleicht manchmal auch mit nicht ganz so üblichen Mitteln.

Frage: Die Reaktionen auf Ihren Tanz sind weit überwiegend positiv. Viele Internetnutzer, die das Video von Ihrem Auftritt gesehen haben, sind begeistert. Hat Sie das überrascht?

Artinger: Ich freue mich sehr über dieses Echo – vor allem für meine Ministranten. Ich habe schon im Gottesdienst gemerkt, dass die Leute sehr positiv reagiert haben. Man konnte sehen, dass es den Gläubigen gefallen hat und ein Stück weit die Begeisterung von Ostern auf sie übergesprungen ist.

Frage: Manche Internetnutzer haben unter dem Video die Überzeugung geäußert, dass die Kirchen in Deutschland voller wären, wenn es mehr Priester wie Sie gäbe. Glauben Sie das auch? Fehlt es der Kirche hierzulande an Glaubensfreude?

Artinger: Da traue ich mir kein Urteil zu. Und ich maße mir auch nicht an, zu wissen, wie unsere Kirchen wieder voller werden könnten. Aber dass wir die Glaubensfreude wieder stärker in unsere Kirchen und Gottesdienste hineintragen sollten, das denke ich schon.

Frage: Sie haben schon gesagt, dass Sie kein großer Tänzer sind. Trotzdem sahen manche Kommentatoren Sie nach Ihrer Tanzeinlage schon bei der RTL-Show "Let's Dance". Wäre das etwas für Sie?

Artinger: Nein, auf gar keinen Fall (lacht). Für Faschingsbälle reichen meine beschränkten Fähigkeiten gerade noch. Mehr aber auch nicht.

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Frage: Neben den vielen positiven Reaktionen gab es natürlich auch einzelne kritische Stimmen, die sich befremdet über Ihren Tanz in der Kirche geäußert haben. Was sagen Sie diesen Menschen?

Artinger: Denen sage ich, dass es mir und den Ministranten mit der Aktion darum ging, die Osterfreude in die Kirche zu tragen. Und ich denke wirklich, dass uns das gelungen ist. Ein befreundeter Pfarrer hat mir als Reaktion auf das Video einen Auszug aus Psalm 149 geschickt, in dem es unter anderem heißt "Singt dem Herrn ein neues Lied" und "Seinen Namen sollen sie loben mit Reigentanz, mit Trommel und Leier ihm spielen". Da habe ich mich schon bestätigt gefühlt!

Frage: Würden Sie sich freuen, wenn auch andere Pfarrer oder gar Bischöfe Ihrem Beispiel folgen und im Gottesdienst mal das Tanzbein schwingen würden?

Artinger: Entscheidend ist, dass man die Liturgie so gestaltet, dass sie die Menschen im Gottesdienst anspricht und begeistert. Darum geht es, das ist auch für mich das Wesentliche! Dafür muss man nicht zwingend das Tanzbein schwingen, sondern da gibt es noch viele andere spannende Möglichkeiten.

Frage: Planen Sie denn schon die nächste Aktion dieser Art? Zum Beispiel an Weihnachten?

Artinger: Konkret in Planung ist noch nichts, aber ich kann mir ähnliche Aktionen auch in Zukunft gut vorstellen. Wie gesagt: Es muss nicht immer eine Tanzeinlage sein, das wäre auf Dauer ja auch langweilig. Aber ein paar Ideen habe ich schon noch. Vergangenes Jahr etwa habe ich an Ostern mit Beamer-Bildern gearbeitet – unter dem Motto "Von der Dunkelheit zum Licht". Das war auch sehr schön.

Von Steffen Zimmermann