Pontifex ruft auch zu intelligenter Nächstenliebe auf

Papst Franziskus: Schämt euch nicht zu weinen!

Aktualisiert am 23.04.2022  –  Lesedauer: 

Vatikanstadt ‐ "Das Elend unserer Zeit sollte uns zum Weinen bringen", sagt Papst Franziskus. Die Menschen heute hätten aber den Sinn für das Weinen verloren. Dabei brauche man sich für Tränen nicht zu schämen: Sie seien ein Geschenk.

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Papst Franziskus hat dazu aufgerufen, sich nicht für Tränen zu schämen. "Unsere Zivilisation, unsere Zeit, hat den Sinn für das Weinen verloren", so das Kirchenoberhaupt bei einem Treffen mit einer italienischen Gemeinschaft am Samstag im Vatikan. "Aber das Elend unserer Zeit sollte uns zum Weinen bringen." Dazu zählten alte Menschen, die vergessen würden oder Straßen voller Obdachloser, ebenso der Krieg. Dieser zerstöre nämlich alle, die in ihn verwickelt seien – nicht nur das besiegte Volk, auch den Sieger.

"Vielleicht weinen wir, wenn etwas passiert, das uns berührt, oder wenn wir die Zwiebel schneiden. Aber das Weinen, das aus dem Herzen kommt, das haben wir verloren," kritisierte der Papst. Für Tränen brauche sich niemand zu schämen, denn sie seien ein Geschenk, eine Gnade, eine Reue, eine Befreiung des Herzens. Weinen bedeute, sich zu öffnen, die Schale eines in sich selbst verschlossenen Egos aufzubrechen, so der 85-Jährige.

Dynamische und intelligente Nächstenliebe

Am Samstag rief Papst Franziskus ebenfalls zu einer dynamischen und intelligenten Nächstenliebe auf. "Wir brauchen heute Menschen, vor allem junge Menschen, die die Bedürfnisse der Schwächsten sehen und ein großes Herz haben, das sie dazu befähigt, sich ganz zu verausgaben", sagte das Kirchenoberhaupt bei einem Treffen mit jungen Missionaren im Vatikan. Dafür sollten sie ihre Fähigkeiten und Intelligenz nutzen, um weitreichende wohltätige Projekte zu organisieren.

Hierbei sei wichtig, den "Stil und die Art und Weise" an die heutige Zeit anzupassen, so Franziskus weiter. Zudem dürfe eine "wirksame Nächstenliebe" nicht "episodisch" sein, sondern müsse "kontinuierlich" geleistet werden. Nur so sei es möglich, Menschen auf ihrem Weg der Heilung und des Wachstums zu begleiten.

Weiter rief er die Missionare zu Authentizität auf: "Eine schöne und bereichernde Glaubenserfahrung, die auch mit den unvermeidlichen Widerständen des Lebens umzugehen weiß, wird fast selbstverständlich überzeugend." Hintergrund des Treffens war ein Jugendkongress der Stiftung "Missio" der Italienischen Bischofskonferenz. Die Stiftung unterstützt und fördert missionarisches Handeln kirchlicher Einrichtung in Italien. (cbr/KNA)