Wiederverheiratete und Kirchenaustritte
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Deutsche Bischöfe beenden Vollversammlung in Fulda

Wiederverheiratete und Kirchenaustritte

Vier Tage lang berieten die deutschen Bischöfe bei ihrer Herbstvollversammlung in Fulda über Themen wie das Verhältnis von Priestern und Laien, Sterbehilfe, verfolgte Christen im Irak oder die Kirchenaustritte. Und natürlich ging es auch um die wiederverheirateten Geschiedenen. Katholisch.de war bei der Abschlusskonferenz mit dem Vorsitzenden Kardinal Reinhard Marx dabei und hat das Wichtigste zusammengetragen.

Von Björn Odendahl |  Fulda - 26.09.2014

Ehe und Familie:

Kardinal Marx betonte, ihm sei wichtig, "dass die Bischofssynode nicht eng auf das eine Thema der wiederverheirateten Geschiedenen geführt wird". Dennoch habe auch der vor drei Jahren begonnene Gesprächsprozess deutlich gezeigt, dass gerade in dieser Frage nach Lösungen verlangt werde. Deshalb habe die Bischofskonferenz – schon vor der Einberufung der Synode – eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die die theologischen und pastoralen Aspekte erörtern und Vorschläge für eine erneuerte Praxis vorlegen soll.

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Das Verhältnis von Priestern und Laien:

Während ihres Studientags diskutierten die Oberhirten am Mittwoch über die gemeinsame Berufung aller Getauften und ein geschlechtergerechtes Verhältnis von Frauen und Männern in den kirchlichen Leitungspositionen. Das gelte jedoch nur für die Positionen, die nicht an die Priesterweihe gebunden seien, heißt es in ihrem Abschlussbericht. Die Bischöfe wollen außerdem das missionarische Engagement verstärken und eine Möglichkeit finden, neue Ehrenamtliche zu beauftragen. Nur so könne "die Kirche vor Ort ein Gesicht behalten".

Einen Schwerpunkt bildetet die Diskussion um das Zueinander von Priestern und Laien in den neuen pastoralen Strukturen. Der Passauer Bischof Stefan Oster sprach von einem "wirklich partnerschaftlichen Verhältnis beider". Für den Priester bedeute das, dass er die priesterliche Würde aller Getauften nicht nur anerkenne, sondern ihr auch zum Leben verhelfe. Umgekehrt erfordere das partnerschaftliche Verhältnis von den Gläubigen, "dass sie den Priester als den annehmen, der er für sie ist: Diener der Einheit, als welcher der Priester vor allem in der Feier der Eucharistie in Erscheinung tritt", so Oster.

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Inzestverbot:

Mit Befremden und Distanzierung habe man die Entscheidung des Deutschen Ethikrates aufgenommen, eine Revision des Inzestverbots zu empfehlen, heißt es im Bericht der Deutschen Bischofskonferenz. Das Verbot leiste „einen unverzichtbaren Beitrag zum Schutz der Integrität der Familie und ihrer zentralen Sozialisationsfunktion“. Außerdem sei es ein notwendiges Signal gegen eine missbräuchliche Marginalisierung familialer Beziehungen.

Kirchenstatistik:

In ihrem Abschlussbericht halten die Bischöfe fest, dass der Kirchenaustritt grundsätzlich nur der letzte Schritt "in einem lang anhaltenden Entfremdungsprozess von der Kirche" sei. "Die Menschen sind – Gott sei Dank – frei, sich für oder gegen die Zugehörigkeit zur Kirche oder eine andere Institution zu entscheiden", sagte Marx während der Abschlusspressekonferenz. Es sei jedoch auch nicht zu leugnen, dass der Austritt für manche Katholiken Ausdruck des Protestes sei, heißt es im Bericht.

Die Kirche will laut Bericht künftig verstärkt auf die zugehen, die der Kirche den Rücken gekehrt haben. "Denn nicht alle Ausgetretenen verlieren damit jeden Kontakt zur Kirche. Viele wollen – auf ihre eigene Art – Christen bleiben." Denen müsse man deutlich machen, "dass die Gemeinschaft des Glaubens für uns Christen eine wichtige Hilfe und Bereicherung ist". Die Bischöfe bezeichneten zugleich die Kindstaufe als "für die religiöse Sozialisation und die Beheimatung in der Kirche von herausragender Bedeutung". Ein entsprechendes Augenmerk gelte daher weiterhin der Familienpastoral in Kindergärten, Grundschulen und Pfarreien.

Kardinal Karl Lehmann über die Chancen der Pallativmedizin.

Sterben in Würde:

Für das Thema "Sterben in Würde" erwählten die Bischöfe den Bischof von Mainz, Kardinal Karl Lehmann, zu ihrem Fürsprecher. Er plädierte nachdrücklich dafür, dass jede Form des organisierten, assistierten Suizids gesetzlich verboten wird. Eine hohe Bedeutung habe dagegen die Sorge um eine menschenwürdige Sterbebegleitung. "Wer alt, krank oder hilflos ist, möchte nicht alleingelassen werden", sagte der Kardinal. Dafür müssten Palliativmedizin und Hospizarbeit gestärkt werden.

Kirchenfinanzen:

Die Bischöfe haben in Fulda auch über ihre Arbeit zur Transparenz in finanziellen Angelegenheiten gesprochen. Marx wünschte sich eine differenzierte Berichterstattung zu diesem Thema, auch wenn er die Kritik verstehe. So sei die Kirchensteuer beispielsweise keine Zwangsabgabe. Dass die Kirche ihr Vermögen nicht im Detail beziffern könne, liege auch daran, dass sie eben kein Unternehmen, "keine Wurstfabrik" sei, sagte der Kardinal. Es sei alles komplexer, aber dennoch trage man dem wachsenden Bedürfnis nach mehr Transparenz in finanziellen Fragen Rechnung.

Irak und Flüchtlinge:

Einen bleibenden Eindruck hat der Vortrag des Mossuler Erzbischofs Emil Shimoun Nona aus dem Irak bei den deutschen Bischöfen hinterlassen. Er berichtete von den grauenhaften Zuständen, die in seiner Heimat herrschen. Besonders die Christen und die kleine Religionsgemeinschaft der Jesiden, daneben aber auch schiitische Muslime werden Opfer einer schrankenlosen Gewalt. "Wir können und müssen hier mehr tun. Wir können aber auch sagen: 'Kirche ist durch die Gläubigen schon sehr engagiert'", sagte Marx. Der Kardinal betonte die gute Arbeit der Hilfswerke sowie der Gemeinden und Verbände in den einzelnen Bistümern, die unter anderem Räume für Flüchtlinge zur Verfügung stellten. Die Vollversammlung hat deshalb beschlossen, dass am 12. Oktober 2014 eine Sonderkollekte in allen Bistümern durchgeführt wird, "um das Leid der Flüchtlinge im Mittleren Osten zu lindern und so ein Zeichen für Menschlichkeit in unserer Welt zu setzen".

Interview mit dem Mossuler Erzbischof Emil Shimoun Nona zur Lage im Irak.

Ökumene:

Das Ökumenismusdekret "Unitatis redintegratio", das vom Zweiten Vatikanischen Konzil formuliert wurde, wird im November 50 Jahre alt. Aus diesem Anlass haben die deutschen Bischöfe ein Wort zur Ökumene mit dem Titel "Zur Einheit gerufen" veröffentlicht. Darin rufen sie die ökumenische Ausrichtung des Konzils dankbar in Erinnerung und ermutigen zur Fortsetzung des ökumenischen Weges. "Trotz der ungelösten Fragen, die es nach wie vor gibt, und trotz mancher Schwierigkeiten, die sich in der vergangenen Zeit vor allem im Blick auf ethische Einzelfragen gezeigt haben, gilt es, dass wir zur Einheit gerufen sind, weil Christus selbst uns dazu verpflichtet hat", heißt es im Abschlussbericht.

Katholisch.de hat sich das neue Kunstprojekt der Bischofskonferenz einmal etwas genauer angeschaut.

Kunstprojekt 2015:

Die Bischöfe stellten außerdem ihr bundesweites Kunstprojekt für das nächste Jahr vor. Anlass ist der Abschluss des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) vor dann 50 Jahren. Es greift mit seinem Titel "Freude und Hoffnung, Trauer und Angst" die Anfangsworte des Konzilsdokuments "Gaudium et spes" auf. Es sei ein Mehrsparten-Kunstprojekt mit Bildenden Künstlern, Theatermachern, Schriftstellern und Musikern an verschiedenen Standorten in der Bundesrepublik, sagte der Vorsitzende der Liturgiekommission und des Projektbeirats, Bischof Friedhelm Hofmann. Die Kirche habe "kapiert, dass sich in der Kulturszene die Fragen der Menschen widerspiegeln", begründete der Bischof von Würzburg. Mit dem Projekt wolle man sagen: "Wir sind an euch interessiert."

Am Ende der Vollversammlung blickt Kardinal Reinhard Marx noch einmal auf die großen Themen der vergangenen Tage zurück.

"Ein Großteil der deutschen Bischöfe unterstützt die Fragestellungen, wie sie Kardinal Walter Kasper formuliert hat", sagte Marx. Der habe bei seinem Vortrag vor dem Kardinalskollegium im Vatikan auf der Grundlage einer profunden theologischen Analyse in Frageform Hinweise auf mögliche Lösungen auch zu der Frage des Umgangs mit Wiederverheirateten gegeben.

Die Vollversammlung diskutierte außerdem einen Konzeptentwurf des Dresdener Bischofs Heiner Koch für ein bischöfliches Wort zum Thema Ehe und Familie. Das Wort solle im engen Zusammenhang zu den Bischofssynoden in den Jahren 2014 und 2015 stehen und sei deshalb für eine gewisse Flexibilität offen geblieben. Bereits in den letzten Zügen befinde sich dagegen ein Text über "10 gute Gründe für die Ehe", sagte Marx. Er werde in Form eines Flyers parallel zur Bischofssynode veröffentlicht.

Von Björn Odendahl