Mit Blick auf Heiligsprechung am Sonntag

Petition an Papst: NS-Opfer soll Patron der Journalisten werden

Aktualisiert am 10.05.2022  –  Lesedauer: 
Petition an Papst: NS-Opfer soll Patron der Journalisten werden
Bild: © KNA

Amersfoort/Rom ‐ Mit dem heiligen Franz von Sales gibt es bereits einen offiziellen Schutzpatron der Journalisten – doch der reicht manchen nicht aus: Zahlreiche Medienschaffende fordern den Papst in einer Petition auf, einen weiteren Patron zu ernennen.

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Journalisten aus den Niederlanden und Belgien haben den Papst gebeten, den niederländischen Journalisten und Ordensmann Titus Brandsma zu einem Patron der Journalisten zu ernennen. Brandsma war 1942 im KZ Dachau ermordet worden. Mehr als 60 weitere internationale Medienschaffende haben die am Dienstag im "Nederlands Dagblad" veröffentlichte Petition bislang unterzeichnet. Am Sonntag wird das Kirchenoberhaupt Brandsma und neun andere katholische Gläubige heiligsprechen.

In der Zeit des aufkommenden Faschismus in Europa habe sich Brandsma schon früh der Sprache des Hasses und nationalistischer Spaltungen widersetzt, heißt es in dem an Franziskus gerichteten Schreiben. Vielmehr habe er die Grundanliegen des modernen Journalismus geteilt: "die Fragen nach Wahrheit und Wahrhaftigkeit, die Förderung von Frieden und Dialog zwischen den Menschen". "Daher sehen wir in ihm einen Freund und Unterstützer unserer Profession, einen heiligen Patron des Journalismus", schreiben die Initiatoren. Der Papst möge dies auch offiziell anerkennen.

Franz von Sales kein Journalist im modernen Sinn

Zwar gebe es bereits einen offiziellen katholischen Schutzpatron der Journalisten, den französischen Bischof und Autor Franz von Sales (1567-1622). Doch dieser sei – anders als Brandsma – kein Journalist im modernen Sinn gewesen. Hingegen sei Brandsma auch für seine Überzeugungen als Journalist gestorben. In einer Zeit, da wieder vermehrt Journalisten verfolgt und ermordet werden, sei dies ein besonders wichtiger Aspekt, betonen die Initiatoren.

Titus Brandsma, der dem Karmeliter-Orden angehörte, war Anfang 1942 in den von Deutschland besetzten Niederlanden von der Gestapo festgenommen und ins KZ Dachau geschickt worden. Dort wurde er am 26. Juli desselben Jahres mittels einer Giftspritze getötet. An dem Tag ließen die niederländischen Bischöfe in den Kirchen ihren Protest-Hirtenbrief gegen die Deportation von Juden verlesen.

Brandsma war im November 1985 von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen worden. Der liturgische Gedenktag des Märtyrers ist der 27. Juli. Unter den neuen Heiligen, die am Sonntag kanonisiert werden, ist auch der französische Ordensmann und Eremit Charles de Foucauld (1858-1916). Die Heiligsprechung ist eine feierliche Erklärung des Papstes über das vorbildlich christliche Leben eines Menschen und über dessen endgültige Aufnahme bei Gott. Nach der Kanonisation, die im Rahmen eines Festgottesdienstes vollzogen wird, darf die betreffende Person weltweit verehrt werden. Vor einer Heiligsprechung steht die Seligsprechung. Bei ihr wird nur eine regionale Verehrung des Seligen zugelassen. (tmg/KNA)