Standpunkt

Von katholischen Schulen kann auch die Kirche noch viel lernen

Aktualisiert am 16.05.2022  –  Lesedauer: 
Schachfigur
Bild: © Fotolia.com/Roma

Bonn ‐ Der Vatikan rief zuletzt die Bedeutung des kirchlichen Schulwesens in Erinnerung. Stefan Orth stimmt zu: Katholische Schulen seien Schnittstellen zur Gesellschaft außerhalb der Kirchenblase. Die Kirche könne sogar von ihnen lernen, kommentiert er.

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Ende der Woche findet in Erfurt der 10. Bundeskongress Katholische Schulen statt. Er wird Anlass sein, abermals über die weithin ungehobenen Schätze des kirchlichen Bildungswesens nachzudenken. Bildung gehört von Anfang an maßgeblich zum Christentum sowie seiner kulturprägenden Kraft hinzu und ist zentraler Auftrag – wird heute bei den durch Priestermangel ausgelösten Umstrukturierungen in der Pastoral der Bistümer allerdings viel zu oft an den Rand gedrängt.

Gut, dass ein Papier der vatikanischen Bildungskongregation hier zuletzt die eminent wichtige Bedeutung des kirchlichen Schulwesens in Erinnerung gerufen hat ("Identität der katholischen Schule. Für eine Kultur des Dialoges"). Dabei muss es freilich um einen entscheidenden Perspektivenwechsel gehen. Katholische Schulen dürfen nicht als Instrument der Rekrutierung, sondern müssen als Dienst an der Gesellschaft ganz allgemein und von in Deutschland aktuell rund 360.000 Kindern und Jugendlichen verstanden werden. Da geht es weder um Themen einer katholischen Sonderwelt, einer binnenkirchlichen Fixierung oder eines milieuverengten Christentums.

Ganz en passant bieten katholische Schulen vielmehr niederschwellig jede Menge Anknüpfungspunkte für einen christlichen Lebensstil, um die Blickwinkel der Schülerinnen und Schüler zu verändern. Neben dem Religionsunterricht an staatlichen Schulen stellen katholische Schulen wie kaum eine andere Einrichtung Schnittstellen zwischen Kirche und der Gesellschaft auch außerhalb katholischer Blasen dar. Deshalb ist es nicht zuletzt die Kirche, die hier in und rund um die Klassenzimmer viel lernen kann. Sie muss es nur wollen und die Möglichkeiten wahrnehmen.

Von Stefan Orth

Der Autor

Dr. Stefan Orth ist Chefredakteur der Herder Korrespondenz.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.