Bischöfe sollen erst lernen, dann lehren

Söding verteidigt Synodalen Weg: Lehramt braucht unabhängige Theologie

Aktualisiert am 20.05.2022  –  Lesedauer: 

Dresden ‐ Will der Synodale Weg ein "doppeltes Lehramt" aus Bischöfen und Theologie konstruieren? Theologe Thomas Söding widerspricht: Der Reformprozess zeige auf, welche Rollen Bischöfe und Theologen haben – und wo Theologie einen höheren Stellenwert brauche.

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Der Bochumer Exeget und Vizepräsident des Synodalen Wegs Thomas Söding weist die Kritik des Theologen Martin Rhonheimer am Orientierungstext des Synodalen Wegs zurück. Im aktuellen Podcast "Mit Herz und Haltung" der Katholischen Akademie Dresden-Meißen betont Söding, dass der Synodale Weg den Begriff "Lehramt" ausschließlich für das bischöfliche Lehramt verwende. Rhonheimer hatte zuvor in der aktuellen Ausgabe der Herder-Korrespondenz die These von einem komplementären Lehramt von Theologen und Bischöfen, die der Orientierungstext seiner Ansicht nach vertritt, als haltlose historische Konstruktionen bezeichnet. Söding sieht in den Papieren des Synodalen Wegs eine Forderung nach einer Stärkung der Stellung der Theologie. Bischöfe seien gut beraten, auf die Stimme der Theologie zu hören. Es sei wichtig, "dass das Lehramt zunächst lernt, bevor es lehrt", so der Theologe.

Das bischöfliche Lehramt habe nach katholischer Lehre nicht für alle Themen Kompetenz und würde sich selbst schaden, wenn es sich diese Kompetenz zuspreche. Ethische Fragen oder Details der Bibelauslegung beispielsweise gehörten klar in den Kompetenzbereich der Theologie. Eine einseitige Unterordnung der Theologie unter das bischöfliche Lehramt sei daher auch abzulehnen. Das sei eine Vorstellung des 19. Jahrhunderts. Beide, Theologie und Lehramt, gehörten stattdessen zu einem vernetzten "Gefüge von Bezeugungsinstanzen". Die Theologie sei dabei die Instanz, die das Verhältnis der einzelnen Instanzen zueinander bestimmen könne. Zudem vermöge sie, "immer noch einmal in Alternativen zu denken".

Unabhängige theologische Forschung helfe gegen Erstarrung

Ohne ein Denken in Alternativen drohe Erstarrung, betonte Söding. Die katholische Kirche brauche deshalb eine unabhängige theologische Forschung, die vom Lehramt garantiert werde müsse. Aus diesem Blickwinkel sei beispielsweise die Intransparenz bei der Erteilung des "Nihil obstat" bei der Berufung von Theologieprofessoren kritisch zu betrachten. Anfang Mai hatte die dritte Synodalversammlung des Synodalen Wegs den grundlegenden Orientierungstext verabschiedet. Darin wird betont, dass der Text Lehramt und Theologie aufeinander beziehe, um ihre "unterschiedliche Verantwortung und ihren gemeinsamen Auftrag zu benennen und der Wahrheit des Glaubens zu dienen". Die Aufgabe der Theologie sei, zu reflektieren, "was als Tradition gilt, gegolten hat und gelten kann". Das Lehramt habe dagegen die Aufgabe, "die Tradition als Quelle eines lebendigen Glaubens immer neu zu erschließen, vor Missdeutungen zu bewahren und in kritischen Phasen durch Hören und Unterscheiden die Einheit der Kirche zu fördern".

Zuvor hatte auch der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer den Orientierungstext kritisiert. Der Synodale Weg versuche, den Bischöfen ihre lehramtlich festgeschriebene Auslegungsvollmacht streitig zu machen. "Es zeichnet sich ab, dass das Lehramt der Bischöfe durch das Lehramt einer rationalistischen deutschen Universitätstheologie abgelöst wird", so der Bischof. (fxn)