Politikerin Pelosi wegen Abtreibungshaltung von Eucharistie ausgeschlossen

Erzbischof Cordileone: Ich politisiere die Kommunion nicht

Aktualisiert am 24.05.2022  –  Lesedauer: 

San Francisco ‐ Der Ausschluss der Politikerin Nancy Pelosi vom Kommunionempfang sorgt in den USA weiterhin für Diskussionen. Der Erzbischof von San Franciso, Salvatore Cordileone, hat jetzt seine Entscheidung verteidigt. Aber nicht alle teilen seine Einschätzung.

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San Franciscos Erzbischof Salvatore Cordileone hat seine Entscheidung verteidigt, die Sprecherin des US-Repräsentantenhauses Nancy Pelosi vom Empfang der Kommunion auszuschließen und auf die Kritik reagiert, er würde die Eucharistie politisieren. "Was bedeutet es, die heilige Eucharistie zu politisieren, wenn man der kirchlichen Lehre folgt und die kirchliche Lehre anwendet?", fragte Cordileone in einem EWTN-Interview am Montag. "Ich war die ganze Zeit über sehr deutlich: Mein Ziel ist pastoral, nicht politisch."

Gleichzeitig sei es auch möglich, die Eucharistie in einer umgekehrten Weise zu politisieren, wenn man die Kommunion empfange, um eine bestimmte politische Agenda zu verfolgen. Er mache keinen Wahlkampf für ein Amt. "In der Tat wäre es mir lieber, wenn Sprecherin Pelosi im Amt bliebe und sich für das Leben im Mutterleib einsetzen würde", so Cordileone.

Am Freitag hatten US-Medien berichtet, dass Cordileone alle Priester seines Erzbistums angewiesen habe, der katholischen Politikerin Nancy Pelosi die Teilnahme an der Eucharistie zu verweigern. Pelosi ist eine der ranghöchsten Politikerinnen der USA und setzt sich für eine liberalere Abtreibungspolitik ein. Die Medien zitieren aus einem Schreiben Cordileones an Pelosi: "Eine katholische Gesetzgeberin, die Abtreibung unterstützt, obwohl sie die Lehre der Kirche kennt, begeht eine offensichtliche schwere Sünde." Für einen solchen Verstoß sehe das Kirchenrecht vor, dass der Sünder nicht mehr die Kommunion empfangen dürfe. Erst wenn sich die 82 Jahre alte Demokratin öffentlich von ihrer Haltung zu Abtreibung distanziere und beichte, dürfe sie wieder kommunizieren. Einige konservative US-Bischöfe hatten den Aufruf Cordileones unterstützt.

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Unterdessen berichtete der "National Catholic Reporter" (Montag), dass Pelosi am Sonntag eine Messe in der US-Hauptstadt Washington besucht und die Kommunion empfangen habe. Demnach würde der Gottesdienst-Livestream der Dreifaltigkeitskirche in Washington Pelosi zeigen. In der Gemeinde hat auch Präsident Joe Biden immer wieder Gottesdienste besucht.

Der Erzbischof von Washington, Kardinal Wilton Gregory, hatte in der Vergangenheit bereits mehrfach signalisiert, Politikern auch dann nicht die Kommunion verwehren zu wollen, wenn ihre Ansichten der Lehre der Kirche widersprechen würden. Gegenüber dem "Washington Examiner" (Montag) bestätigte eine Sprecherin des Erzbistums, dass sich die Ansichten von Kardinal Gregory nicht geändert hätten. "Die Handlungen von Erzbischof Cordileone sind seine Entscheidung in der Erzdiözese von San Francisco. Kardinal Gregory hat die Priester der römisch-katholischen Erzdiözese Washington nicht angewiesen, jemandem die Kommunion zu verweigern", so die Sprecherin. 

Kritik an der Kommunionverweigerung Cordileones gab es von einer anderen Seite: Die US-amerikanische Schauspielerin Whoopi Goldberg sagte in der TV-Talkshow "The View", dass der Kampf um ein Abtreibungsrecht dazu führe, dass die Grenzen zwischen Kirche und Staat verwischt würden. In Richtung des Erzbischofs von San Francisco sagte sie: "Das ist nicht deine Aufgabe, Kumpel." Die Schauspielerin, die in der Kloster-Komödie "Sister Act" die als Ordensschwester verkleidete Showsängerin namens Deloris van Cartier verkörpert, ergänzte: "Es liegt nicht an dir, diese Entscheidung zu treffen." (cbr)