Standpunkt

Warum es einen "Arbeitsschutz" im Ministrantendienst braucht

Aktualisiert am 25.05.2022  –  Lesedauer: 

Bonn ‐ Beim Ministrantentag im Bistum Augsburg ist gleich eine Reihe Jugendlicher wegen der Hitze kollabiert. Mit dem Klimawandel könnten sich solche Vorfälle häufen, fürchtet Agathe Lukassek – und verlangt mehr "Arbeitsschutz" im Ministrantendienst.

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Nur auf den ersten Blick amüsiert die Überschrift zum Bericht über den Ministrantentag im Bistum Augsburg: "Ministranten kollabiert: Bistum Augsburg kündigt Aufarbeitung an". Was war am Wochenende in Friedberg passiert, wo sich 2.600 Ministrantinnen und Ministranten zu Spielen und Workshops trafen? Bei Temperaturen um die 30 Grad Celsius kollabierten am Nachmittag 15 Jugendliche während einer Prozession; eine Person kam zur Behandlung ins Krankenhaus. Immerhin wurde schnell reagiert, die anwesenden Rettungskräfte holten Verstärkung und richteten eine Versorgungsstation mit Feldbetten im Rathaus ein. Der anschließende Gottesdienst mit Bischof Bertram Meier wurde gekürzt.

Das Bistum gab sich im Anschluss selbstkritisch und kündigte an, den Tag gemeinsam mit der Stadt und den Rettungskräften aufzuarbeiten. Auf Fotos des Bistums sieht man viele Kinder und Jugendliche in Gewändern und Kutten, aber nur wenige mit Kopfbedeckungen. Man müsse bei künftigen Veranstaltungen hinterfragen, ob die dicken Ministranten-Gewänder in der prallen Sommerhitze Sinn machten oder ob man eventuell darauf verzichten könne, sagte der zuständige Ministrantenreferent dem BR. Die Rettungskräfte wiesen darauf hin, dass viele "nach zwei Jahren Pandemie-Pause schlicht vergessen" hätten, sich mit Getränken und passender Kleidung auf eine derartige Großveranstaltung vorzubereiten. Aber ist das die Aufgabe allein der (minderjährigen) Teilnehmenden? Ich denke, nein.

Überhitzung und Dehydrierung im Dienst am Altar sind kein neues Phänomen, auch Übelkeit und Atemnot als Reaktion auf Weihrauch gehören zu den "Berufsrisiken" – das kann ich als ehemalige Ministrantin bestätigen. Mit Blick auf den Klimawandel und auf unseren Umgang mit der Umwelt wird das Problem sich verstärken: Draußen bei Freizeiten und Prozessionen brennt die Sonne, drinnen in der Kirche brennen die Lungen, wenn dem reinen Weihrauch des bedrohten Baumes gefährliche Zusatzstoffe beigemischt werden, die für die Rauchentwicklung sorgen. Bei Gottesdiensten und Veranstaltungen muss es genug Wasser und Sonnenschutz geben – bei der internationalen Ministrantenwallfahrt nach Rom gehören Kopfbedeckungen zur Standardausrüstung im Pilgerpaket. Und vielleicht denkt manch eine Pfarrei über einen Wechsel der Weihrauchmarke nach.

Von Agathe Lukassek

Die Autorin

Agathe Lukassek ist Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Hildegardis-Verein mit Sitz in Bonn.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.