Die Berliner Bischofskirche wird seit 2020 umfassend saniert

Baustaub statt Weihrauch: So weit ist der Umbau der Hedwigs-Kathedrale

Aktualisiert am 01.06.2022  –  Lesedauer: 

Berlin ‐ Seit 2020 laufen die Arbeiten zur Umgestaltung der Berliner Hedwigs-Kathedrale, inzwischen liegt auch die Genehmigung zum teilweisen Abriss und Neubau des angrenzenden Bernhard-Lichtenberg-Hauses vor. Katholisch.de konnte die Baustelle, um die es im Vorfeld viel Streit gab, jetzt besichtigen.

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Als das Erzbistum Berlin vor einigen Jahren den umfassenden Umbau seiner Hedwigs-Kathedrale ankündigte, löste das in der Hauptstadt-Diözese einen lang anhaltenden Streit und lautstarke Auseinandersetzungen aus. Denkmalpfleger, Künstler und zahlreiche Gläubige wandten sich – teils auch auf juristischem Weg – gegen die geplante Umgestaltung der nach dem Zweiten Weltkrieg vom Architekten Hans Schwippert wiederaufgebauten Bischofskirche am Bebelplatz. Vor allem der Plan, die von Schwippert im Zentrum des Gotteshauses angelegte Bodenöffnung zur Unterkirche zu schließen, erregte den Unmut der Kritiker.

Seit im Juli 2020 vom Landgericht Berlin mehrere Urheberrechtsklagen von Künstlern gegen den Umbau abgewiesen wurden und  kurz danach die Baugenehmigung für das Projekt folgte, ist es um die Kathedrale aber deutlich ruhiger geworden. Das gilt allerdings nicht für das Innere der bereits seit September 2018 geschlossenen Kirche. Im Gegenteil: Hier sind die Umbauarbeiten mit dem dazugehörigen Lärm und Schmutz in vollem Gange, wie sich zu Beginn der Woche bei einem Presserundgang über die Baustelle zeigte. Der Weihrauch ist zumindest vorübergehend voll und ganz dem Baustaub gewichen.

Überall wachsen Gerüste und Stahlträger in die Höhe

Mit speziellen Sicherheitsschuhen und einem Bauhelm bekleidet konnte katholisch.de gemeinsam mit anderen Journalisten und Dompropst Tobias Przytarski den Stand der Bauarbeiten im Inneren der Kirche in Augenschein nehmen. Dort liegt das vom Putz befreite Mauerwerk derzeit noch großflächig frei, und auch die Unterkirche mit ihren Seitenkapellen ist baubedingt vollständig geöffnet. Überall wachsen Gerüste und Stahlträger in die Höhe, liegen Versorgungsschächte offen. Um sich inmitten dieser Baustelle einen fertigen Kirchenraum vorzustellen, braucht es noch jede Menge Fantasie.

Bild: ©katholisch.de/stz

Das weithin sichtbare Schild zeigt es an: Die Berliner-Hedwigs-Kathedrale ist derzeit noch eine große Baustelle

Trotz des scheinbar zögerlichen Baufortschritts hält das Erzbistum jedoch an dem Plan fest, den neuen Altar für das Gotteshaus am 1. November 2023, dem 250. Weihetag der Kathedrale, zu weihen. Die Zeremonie wird dann aber voraussichtlich noch auf einer Baustelle stattfinden müssen, mit dem vollständigen Abschluss der Bauarbeiten rechnet das Erzbistum laut Przytarski nämlich erst für den Sommer 2024.

Auf der Baustelle erläuterte der Dompropst einige Besonderheiten der Umgestaltung nach Entwürfen des Architekturbüros Sichau & Walter aus Fulda. So soll im Zuge der Bauarbeiten im Zentrum der Unterkirche ein – auch für Ganzkörpertaufen ausgelegtes – Taufbecken entstehen, das gemeinsam mit dem in die Mitte der Kathedrale gerückten Altar, für dessen Bau alle Gläubigen des Erzbistums derzeit eigene Steine beisteuern können, eine Achse zum Rundfenster in der Kuppel bilden soll. "Der Raumeindruck wird dann noch stärker an das Pantheon in Rom erinnern, das einst ja das Vorbild für die Kathedrale war", so  Przytarski.

Die Fenster zeigen die Sternenkonstellation zum Zeit der Geburt Christi

In der Unterkirche werden zudem auch künftig die – derzeit zum Schutz vor den Bauarbeiten zugemauerten – Bischofsgräber und das Grab des seligen NS-Gegners Bernhard Lichtenberg ihren Platz finden. Die Kapelle für den früheren Dompropst werde im Zuge der Umgestaltung vergrößert, ihr gegenüber werde eine Kapelle für die heilige Hedwig, die Patronin der Kathedrale, entstehen, sagte der Dompropst. Auch die Erreichbarkeit der Unterkirche für gehbehinderte Menschen wird den Angaben zufolge verbessert. Mit einem neuen Aufzug sollen sie künftig problemlos von der Kirche in das Untergeschoss gelangen können.

Unterhalb der bereits sanierten Außenkuppel wird demnächst im Abstand von rund 70 bis 150 Zentimetern eine Innenkuppel mit heller, wabenartiger Struktur eingezogen. Die genaue Farbe sei noch nicht klar, sie werde sich aber am restlichen Kirchenraum orientieren, betonte Elena Cenci von der Bauleitung. Einen kleinen Clou mindestens für Astrologie-Fans sollen zudem die künftigen Fenster der Kathedrale bereithalten: Laut Cenci wird in ihnen durch eingearbeitete "Luftblasen" die Sternenkonstellation in Berlin zum Zeitpunkt der Geburt Christi abgebildet.

„Wenn das Geld nicht reicht, werden wir auf irgendetwas verzichten müssen.“

—  Zitat: Dompropst Tobias Przytarski

Technikräume – etwa für die neue Fußbodenheizung – wird es in der Kathedrale dagegen künftig nicht mehr geben. "Diese werden vollständig in das benachbarte Bernhard-Lichtenberg-Haus verlegt", so Cenci. Denn: Das Gebäude, das bislang Büro-, Veranstaltungs- und Wohnräume beherbergte und künftig wieder Wohn- und Dienstsitz des Berliner Erzbischofs werden soll, wird parallel zur Kathedrale ebenfalls neugestaltet. Die Genehmigung für den Umbau des Altbaus an der Französischen Straße und den Abriss des in den 1970er-Jahren errichteten Anbaus wurde jetzt erteilt, ebenso die Genehmigung für den Teilneubau nach Plänen des bekannten Schweizer Architekten Max Dudler, der in Berlin unter anderem schon das Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum der Humboldt-Universität und die U-Bahn-Station "Museumsinsel" realisiert hat, die beide von Kritikern und Öffentlichkeit gleichermaßen hoch gelobt wurden.

Ein "Communio-Ort" im Herzen der Hauptstadt

Kathedrale und Bernhard-Lichtenberg-Haus sollen nach dem Willen von Dompropst Przytarski künftig einen gemeinsamen "Communio-Ort" bilden, an dem das Katholischsein im Herzen der Hauptstadt gelebt und erlebt werden kann. Diesem Zweck soll auch ein Café dienen, das im Erdgeschoss des Lichtenberg-Hauses einziehen und mindestens im Sommer die Rückseite der Kathedrale – bislang eine "tote Ecke" – beleben soll.

Die zu Beginn auf 60 Millionen Euro veranschlagten Kosten für das gesamte Bauvorhaben sollen laut dem Dompropst trotz der zuletzt stark gestiegenen Baukosten nicht überschritten werden. "Wenn das Geld nicht reicht, werden wir auf irgendetwas verzichten müssen", kündigte er an und nannte als Beispiel einen ursprünglich geplanten Kellerraum im Hof hinter der Kathedrale, den man aus Kostengründen bereits gestrichen habe. Glücklicherweise sei das Dach der Kathedrale jedoch bereits vor dem Ukraine-Krieg neu eingedeckt worden, da es hier sonst möglicherweise "Engpässe" habe geben können. Eine Unsicherheit bleibt dennoch: Laut Elena Cenci sind gerade mit Blick auf das Lichtenberg-Haus noch nicht alle Bauaufträge vergeben worden. Hier könnten also noch Kostensteigerungen lauern.

Von Steffen Zimmermann