Zölibat kein Hindernis, sondern "Geschenk Christi"

Erzbischof Gänswein warnt vor Verwässerung von Priesterbild

Aktualisiert am 07.06.2022  –  Lesedauer: 

Feldkirch ‐ In einem Interview hat sich Erzbischof Georg Gänswein jetzt zum Priesterbild in der Kirche und zum Zölibat geäußert. Außerdem nannte er das aus seiner Sicht entscheidende Mittel im Kampf um mehr geistliche Berufungen.

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Erzbischof Georg Gänswein hat davor gewarnt, das Priesterbild in der katholischen Kirche zu verwässern. "Ein junger Mann, der sich auf den Weg zum Priestertum macht, muss wissen, was ihn erwartet und worauf er sich einlässt. Wir müssen den Mut aufbringen, voll und ganz zum Glauben der Kirche und zum Zölibat zu stehen", sagte der Privatsekretär des emeritierten Papstes Benedikt XVI. (2005-2013) in einem jetzt veröffentlichten Interview der Vorarlberger Kirchenzeitung "KirchenBlatt". Die verpflichtende Ehelosigkeit sei kein lästiges Hindernis, sondern "ein Geschenk Christi".

Mit Blick auf den Mangel an geistlichen Berufungen betonte Gänswein die Bedeutung des Gebets: "Wir müssen das Wort des Herrn ernst nehmen und ihn mit Bitten um Berufungen bestürmen. Beten, beten und nochmals beten." Niemand wisse, wie lange die gegenwärtige Durststrecke bei den Berufungen andauere. "Aber Christus hat sich nicht einfach aus dem Staub gemacht, auch wenn es manchmal so aussieht", so der Erzbischof.

Angesprochen auf den Vatikan beklagte Gänswein, dass mit Blick auf den Kirchenstaat "hauptsächlich von Klatsch und Skandälchen" die Rede sei. "Da kann man sehr viele abenteuerliche Dinge lesen oder hören, die zwar einer blühenden Phantasie entspringen, nicht aber die Wirklichkeit darstellen", so der Erzbischof wörtlich. Das Leben im Vatikan verglich er in dem Interview mit einem großen Baum mit vielen Ästen, Zweigen und Blättern. "Mitunter muss Hand angelegt und das Baumwerk beschnitten werden, damit es nicht zum Wuchern kommt. Manch Dürres und Faules fällt von allein ab", so Gänswein. Seine eigene Aufgabe als Privatsekretär von Benedikt XVI. bezeichnete er als "Fulltimejob", den er gerne und mit ganzem Herzen tue. (stz)