Positionspapier mit Vorstellungen zur Zukunft der Kirche

Deutsche Franziskaner für gleichberechtigten Zugang zu Weiheämtern

Aktualisiert am 13.06.2022  –  Lesedauer: 
Eine Nahaufnahme der gefalteten Hände eines Franziskaners.
Bild: © KNA

München ‐ Die Franziskaner in Deutschland haben sich Gedanken über die Zukunft der Kirche gemacht und dazu ein Positionspapier veröffentlicht: Darin sprechen sie sich unter anderem für den Zugang von Frauen zum Weiheamt aus – und für Leitungsdienste auf Zeit.

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Die deutschen Franziskaner plädieren für einen gleichberechtigten Zugang von Männern und Frauen zu den kirchlichen Weiheämtern. Auch wenn es unterschiedliche Positionen innerhalb der Provinz gebe, hätten sich die 60 Delegierten "mit großer Mehrheit" bei ihrem jüngsten Provinzkapitel dafür ausgesprochen, teilte das Provinzialat am Montag in München mit. Zugleich wünschten sie sich in Anlehnung an die eigene Praxis in der Ordensgemeinschaft eine zeitliche Begrenzung der Leitungsdienste in der Kirche und dass diese nicht notwendigerweise an die sakramentale Weihe gekoppelt sein müssten.

Weiter machten sich die Franziskaner in ihrem neuen Positionspapier für den Dialog mit anderen Religionen stark. Auch müsse die Schöpfungsverantwortung stärker wahrgenommen werden genauso wie es wichtig sei, ein "prophetisches Engagement" für Gerechtigkeit und Frieden zu zeigen. Zur eigenen Glaubwürdigkeit beitragen solle die "unabhängige Aufarbeitung der Missbrauchsfälle" in der Ordensgemeinschaft, heißt es. In den vergangenen drei Jahren sei ein umfassendes Präventionskonzept ausgearbeitet und umgesetzt worden, um sexualisierte Gewalt zu verhindern.

"Jesuanische und geschwisterliche Kirche"

Unter dem Titel "Kirche sein in der Freiheit der Kinder Gottes" listen die Franziskaner ihre Vorstellung für die Zukunft auf. Auf der Grundlage der franziskanischen Spiritualität machten sie sich stark für eine "jesuanische und geschwisterliche Kirche, eine Kirche der Vielfalt und der Ohn-Macht sowie eine Kirche des Dialogs, der Schöpfungsverantwortung und der Sendung", heißt es. Die Franziskaner unterstützten das kirchlichen Reformprojekt Synodaler Weg in Deutschland und die damit verbundenen Bemühungen, die Kirche zu erneuern.

Eine Kirche der Vielfalt bedeute, verschiedene geschlechtliche Identitäten und sexuelle Orientierungen wertzuschätzen. Gleiches gelte für Begabungen und Biografien sowie unterschiedliche spirituelle und liturgischen Formen. Ziel müsse eine Kirche sein, in der alle Getauften zur Mahlgemeinschaft eingeladen seien.

Das Provinzkapitel fand vom 6. bis 10 Juni in Osnabrück statt. Dabei wurde Bruder Markus Fuhrmann zum neuen Leiter der Provinz gewählt. Der Deutschen Franziskanerprovinz gehören eigenen Angaben zufolge 230 Ordensmitglieder an. (mal/KNA)