Bruder Markus Fuhrmann am Mittwoch zum Leiter der deutschen Provinz gewählt

Neuer Provinzial der Franziskaner für Änderungen bei Sexualmoral

Aktualisiert am 11.06.2022  –  Lesedauer: 
Ein Franziskaner
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München ‐ Für Bruder Markus Fuhrmann ist klar, dass sich beim Umgang der Kirche mit Sexualität viel ändern muss. Der neue Provinzial der Franziskaner in Deutschland hatte sich selbst vor einigen Wochen als homosexuell geoutet.

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Der neue Leiter der deutschen Provinz des Franziskanerordens spricht sich für Veränderungen in der katholischen Sexualmoral aus. Die Kirche in Deutschland müsse eine Kirche sein, "die geschlechtergerecht ist, eine, die sich klar auf die Seite der Armen und Bedrängten stellt, und eine Kirche, die sensibel für Fragen der Sexualmoral ist", sagte Bruder Markus Fuhrmann am Freitag dem Münchner Portal mk-online: "Denn so, wie diese Moral bislang offiziell gelehrt wird, dient sie nicht dem Leben. Sie muss sich verändern beziehungsweise weiterentwickeln."

Der Ordensmann, der sich vor einigen Wochen als homosexuell geoutet hatte, berichtete über viele positive Reaktionen seiner Mitbrüder vor und bei seiner Wahl. Sie hätten es begrüßt, dass er dies offen angesprochen habe: "Ich bekomme viel Zuspruch und vielleicht kann dieser Funke der Wertschätzung auch auf andere Bereiche der Kirche überspringe. Ich fände das schön."

Auch wenn er als Ordensmann im Zölibat lebe, also ohne sexuelle Beziehungen, sei es für ihn eine "Frage der eigenen Wahrhaftigkeit" gewesen, seine Homosexualität öffentlich zu machen: "Wenn ich selbst schwul bin, dann möchte ich zeigen, dass ich damit auch in diesem Amt Teil der Kirche sein kann. Das ist deshalb wichtig, weil das eigentlich in der Kirche so nicht sein soll."

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In der katholischen Kirche gebe es "leider viel zu viel institutionelle Heuchelei", fügte Fuhrmann hinzu: "Also dass es was gibt, was es eigentlich nicht geben darf, dabei wissen alle, dass es doch da ist. Ich möchte dafür werben, das doch mal als Chance zu sehen, dass wir als Kirche bunt sind, dass die Kirche (auch) queer ist, dass das von Gott gewollt ist, dass dies der Schöpfungsvielfalt entspricht und deshalb ganz normal ist."

Fuhrmann stellte sich auch hinter viele Forderungen aus dem Reformprojekt Synodaler Weg der Kirche in Deutschland: "Ich bin für ein kritisches Überdenken des Zölibats in der priesterlichen Lebensform und ich bin für den Zugang für Frauen zu Weiheämtern."

Am Mittwoch hatten rund 60 Brüder der Deutschen Franziskanerprovinz in Ohrbeck bei Osnabrück eine neue Provinzleitung gewählt. Der bisherige Provinzialminister Cornelius Bohl hatte seine maximale Amtszeit erreicht und stand nicht zur Wiederwahl. Zu seinem Nachfolger wurde Bruder Markus Fuhrmann gewählt. Er war zuletzt in der Wohnungslosenseelsorge in Köln tätig. Zur deutschen Franziskanerprovinz gehören nach Angaben des Ordens etwa 300 Franziskaner. (KNA)