Paare sollen "vor dem Trauma der Trennung bewahrt werden"

Vatikan veröffentlicht neue Leitlinien zur Ehebegleitung

Aktualisiert am 15.06.2022  –  Lesedauer: 
Ein Brautpaar während des Traugottesdienstes.
Bild: © lulu/Fotolia.com

Vatikanstadt ‐ Wenige Wochen seien "nicht gerecht": In neuen Leitlinien zur Ehebegleitung fordert der Vatikan vor allem eine bessere Vorbereitung von Paaren auf die Eheschließung. Zudem soll ein Folgedokument hinzukommen, das sich geschiedenen Paaren widmet.

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Der Vatikan hat neue Leitlinien zur Begleitung von Eheleuten herausgegeben. Besonders geht es in dem am Mittwoch veröffentlichten Dokument um eine intensivere Begleitung von Paaren vor der Eheschließung, "damit sie vor dem Trauma der Trennung bewahrt werden und niemals den Glauben an die Liebe verlieren", wie es in dem Vorwort von Papst Franziskus heißt. Im Vergleich zur jahrelangen Vorbereitung auf das Priestertum und Ordensleben seien die wenigen Wochen der Ehevorbereitung "nicht gerecht". Die Kirche müsse allen die gleiche Aufmerksamkeit, die gleiche Zeit schenken.

Gerichtet ist das 97-seitige Dokument an Priester, Eheleute und alle, die in der Familien-Seelsorge tätig sind. Es ist in drei Phasen gegliedert: die Vorbereitung auf die Ehe, die Feier der Hochzeit und die Begleitung der ersten Jahre des Ehelebens. Diese Leitlinien müssten mit "Eifer und Kreativität" an die jeweilige konkrete soziale, kulturelle und kirchliche Situation angepasst werden, erklärt Franziskus.

Weiteres Dokument soll folgen

Das Dokument der vatikanischen Familienbehörde soll demnach aber nicht das einzige bleiben. So sei Franziskus' "sehnlichster Wunsch", ein Folgedokument zu veröffentlichen, das sich der Begleitung speziell von Paaren widme, "die das Scheitern ihrer Ehe erlebt haben und in einer neuen Ehe leben oder zivilrechtlich wiederverheiratet sind".

Ehepaare bildeten die große Mehrheit der Gläubigen und seien oft die Stützen in Kirchengemeinden, Freiwilligengruppen, Vereinen und Bewegungen, so der Papst. Zudem seien sie die wahren "Hüterinnen des Lebens". Nicht nur, weil sie Kinder aufzögen, sondern weil sie sich auch um die älteren Menschen in der Familie kümmerten, um Menschen mit Behinderung und um jene in Armut.

Die Leitlinien erscheinen kurz vor Abschluss des von Papst Franziskus ausgerufenen "Amoris-laetitia-Familienjahrs". Es beinhaltete eine Reihe von Veranstaltungen und Projekten, die sich mit dem 2016 von Franziskus veröffentlichten Schreiben zu Ehe und Familie befassen. In der kommenden Woche beschließt das 10. Weltfamilientreffen das Aktionsjahr. Rund 2.000 internationale Delegierte aus dem Bereich der Familienpastoral werden dazu im Vatikan erwartet. (KNA)