Schwester Regina Greefrath über das Sonntagsevangelium

Mut zur Freude!

Aktualisiert am 02.07.2022  –  Lesedauer: 
Ausgelegt!

Essen ‐ Jesus schickt die Jünger gemeinsam aus, um Zeugnis für den Glauben abzulegen. Sie sollen weder Geld noch Vorratstasche mitnehmen – nur Freude im Herzen. Freude? Schwester Regina Greefrath bleibt bei diesem im kirchlichen Kontext mittlerweile so ungewohnten Wort hängen. Haben wir Freude eingepackt?

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Impuls von Schwester Regina Greefrath

Beim ersten Lesen des Tagesevangeliums blieb mein Blick an einem Wort hängen, dass augenscheinlich gar nicht so sehr im Vordergrund steht: die Freude! Die Jünger kehrten nach ihrer Aussendung freudestrahlend zu Jesus zurück und berichteten von ihren Missionserfolgen. Und der weist nachdrücklich darauf hin, dass sie sich vor allem darüber freuen sollen, dass ihnen ein Platz im Reich Gottes sicher ist.

Ja, die Freude über die eigene Berufung, die Freude über die frohe Botschaft müsste uns Christen buchstäblich ins Gesicht geschrieben stehen. Doch die Lasten und Nöte des Alltags lassen mitunter eher Sorgen- oder auch Zornesfalten in unseren Gesichtern aufblitzen. Schon Nietzsche stellte fest: "Die Christen müssten mir erlöster aussehen."

Jesus fordert seine Jünger auf, Zeugnis für ihren Glauben abzulegen und seine Frohe Botschaft zu verkünden. Er schickte sie immer zu zweit in die umliegenden Gegenden, um die Herzen der Menschen für ihn vorzubereiten und ihre Antennen auf ihn auszurichten, denn er wusste, dass es dort viele Menschen gab, die seine Botschaft gut gebrauchen konnten, die nach seinem Wort hungerten – die Ernte ist groß!

Vielleicht kann man auch sagen: Jesus forderte seine Jünger auf, Freude zu verbreiten. Denn: "Die Freude des Evangeliums erfüllt das Herz und das gesamte Leben derer, die Jesus begegnen. […] Mit Jesus Christus kommt immer – und immer wieder – die Freude." (Papst Franziskus – Evangelii gaudium) Da, wo eine Begegnung zwischen Gott und Mensch stattfindet, da kommt im wahrsten Sinne des Wortes Freude auf.

Die Freude verwandelt die Herzen der Menschen, stimmt sie zuversichtlich und öffnet sie für die Liebe Gottes. Und so wird der Sinn der Frohen Botschaft für jeden ganz konkret erfahrbar: Gott möchte uns begegnen, er ist da, mitten unter uns! Wenn ich diese Wirklichkeit Gottes in meinem Leben entdecke, wenn ich vor Freude platzen könnte über das Geschenk meiner Berufung, dann drängt es mich, diese Freude mit anderen zu teilen. Geteilte Freude ist schließlich doppelte Freude.

Wenn man für die Sache Jesu überzeugend wirken möchte, reicht es aus, authentisch zu sein, mit brennendem Herzen unterwegs zu sein und andere mit seiner Begeisterung, mit seiner Freude anzustecken. Deswegen sollten die Jünger auch nichts mitnehmen. Wir brauchen kein Werbematerial, keine Hochrechnungen, keine Bilanzen, keine Versicherungen. Wir selbst und unsere Freude am Glauben sind das, was zählt. Die anderen werden spüren, ob wir für unsere Sache brennen – und sind umso leichter zu begeistern. Möge es uns allen gelingen, diese Freude, die Gott uns schenkt, auszustrahlen, sie weiterzugeben und andere damit anzustecken!

Evangelium nach Lukas (Lk 10,1–12.17–20)

In jener Zeit suchte der Herr zweiundsiebzig andere aus und sandte sie zu zweit vor sich her in alle Städte und Ortschaften, in die er selbst gehen wollte.

Er sagte zu ihnen: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden! Geht! Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Nehmt keinen Geldbeutel mit, keine Vorratstasche und keine Schuhe! Grüßt niemanden auf dem Weg!

Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als Erstes: Friede diesem Haus! Und wenn dort ein Sohn des Friedens wohnt, wird euer Friede auf ihm ruhen; andernfalls wird er zu euch zurückkehren. Bleibt in diesem Haus, esst und trinkt, was man euch anbietet; denn wer arbeitet, ist seines Lohnes wert. Zieht nicht von einem Haus in ein anderes!

Wenn ihr in eine Stadt kommt und man euch aufnimmt, so esst, was man euch vorsetzt. Heilt die Kranken, die dort sind, und sagt ihnen: Das Reich Gottes ist euch nahe!

Wenn ihr aber in eine Stadt kommt, in der man euch nicht aufnimmt, dann geht auf die Straße hinaus
und ruft: Selbst den Staub eurer Stadt, der an unseren Füßen klebt, lassen wir euch zurück; doch das sollt ihr wissen: Das Reich Gottes ist nahe. Ich sage euch: Sodom wird es an jenem Tag erträglicher ergehen
als dieser Stadt.

Die Zweiundsiebzig kehrten zurück und sagten voller Freude: Herr, sogar die Dämonen sind uns
in deinem Namen untertan.

Da sagte er zu ihnen: Ich sah den Satan wie einen Blitz aus dem Himmel fallen. Siehe, ich habe euch die Vollmacht gegeben, auf Schlangen und Skorpione zu treten und über die ganze Macht des Feindes. Nichts wird euch schaden können. Doch freut euch nicht darüber, dass euch die Geister gehorchen, sondern freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind!

Die Autorin

Schwester Regina Greefrath CSA gehört dem Orden der Augustiner-Chorfrauen an. Sie unterrichtet am klostereigenen Gymnasium die Fächer katholische Religion und Spanisch und engagiert sich in der AG Berufungspastoral der Orden (AGBO).

Ausgelegt!

Katholisch.de nimmt den Sonntag stärker in den Blick: Wie für jeden Tag gibt es in der Kirche auch für jeden Sonntagsgottesdienst ein spezielles Evangelium. Um sich auf die Messe vorzubereiten oder zur Nachbereitung bietet katholisch.de nun "Ausgelegt!" an. Darin können Sie die jeweilige Textstelle aus dem Leben Jesu und einen Impuls lesen. Diese kurzen Sonntagsimpulse schreibt ein Pool aus Ordensleuten und Priestern für uns.