Recherche schlüsselt Geldflüsse nach Rom auf

Deutsche Kirche finanziert Vatikan mit 10 Millionen Euro jährlich

Veröffentlicht am 03.07.2022 um 12:04 Uhr – Lesedauer: 

Bonn/Vatikanstadt ‐ Heute wird in den Gottesdiensten der Peterspfennig gesammelt, mit dem Katholiken die wohltätigen Werke des Papstes unterstützen. Dabei kommen Millionen zusammen – wie viel Geld aus Deutschland insgesamt nach Rom fließt, hat nun die FAZ recherchiert.

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Die Kirche in Deutschland unterstützt den Vatikan im Jahr mit etwa 10 Millionen Euro. Das geht aus einer am Sonntag veröffentlichten Recherche der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) bei der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Bistümern und Hilfswerken hervor. Der größte Posten ist demnach eine freiwillige Abgabe in Höhe von 5,1 Millionen Euro pro Jahr, die der Rechtsträger der DBK, der Verband der Diözesen Deutschlands (VDD), nach Rom abgibt. Weitere Mittel in Höhe von insgesamt 160.000 Euro stellt der VDD für die Päpstliche Universität Gregoriana und den deutschen Friedhof Campo Santo zur Verfügung. Dazu kommen 2,4 Millionen Euro aus dem "Peterspfennig", der jährlichen Kollekte für die wohltätigen Werke des Papstes. Die freiwillige Abgabe des VDD sei von 6 Millionen im Jahr 2015 aufgrund der abnehmenden Katholikenzahl stetig gesunken.

Die beiden päpstlichen Hilfswerke Missio Aachen und Missio München unterstützen die Päpstlichen Missionswerke in Rom, die dem Dikasterium für die Evangelisierung der Völker unterstehen, mit insgesamt 1,85 Millionen Euro. Laut FAZ werden aus diesen Mitteln unter anderem römische Ausbildungsstätten für Ordensfrauen, Priesteramtskandidaten und Priester aus ärmeren Weltgegenden gefördert. Auch der Deutsche Caritasverband unterstützt seinen Dachverband Caritas Internationalis mit 190.000 Euro. Die einzige Diözese, das über die VDD-Mittel hinaus Haushaltsposten für den Vatikan hat, ist das Erzbistum München und Freising, das 100.000 Euro für das Institut für Anthropologie an der Päpstlichen Uni­versität Gregoriana zur Verfügung stellt, das ehemalige Zentrum für Kinderschutz. Dort ist der ehemalige Generalvikar des Erzbistums Peter Beer Professor.

Abgaben aus Deutschland an den Vatikan

Peterspfennig 2.400.000,00 €
VDD
   Allgemeine Abgabe 5.100.000,00 €
   Päpstliche Universität Gregoriana 85.000,00 €
   Campo Santo 75.000,00 €
Missio Aachen, Missio München 1.850.000,00 €
Deutscher Caritasverband 190.000,00 €
Erzbistum München und Freising 100.000,00 €
Summe 9.800.000,00 €

Mitte Juni hatte der Vatikan mitgeteilt, dass sich 2021 die Erlöse aus dem Peterspfennig auf 46,9 Millionen Euro beliefen und damit deutlich hinter dem Bedarf für die Aufgaben des Papstes blieben, die mit 65,3 Millionen Euro beziffert wurden. Die Differenz sei aus dem Vatikanvermögen finanziert worden. Deutschland überwies im Vorjahr mit 2,3 Millionen Euro den drittgrößten Einzelposten für den Peterspfennig nach den USA (13 Millionen Euro) und Italien (5 Millionen Euro). Aufgrund finanzieller Unregelmäßigkeiten und Skandalen war die Verwendung des Peterspfennigs in den letzten Jahren in die Kritik geraten. Die Kollekte für den Peterspfennig findet entweder am Apostelfest Peter und Paul (29. Juni) oder am Sonntag davor oder danach statt. In Deutschland wird die Sonderkollekte in diesem Jahr am 3. Juli eingesammelt. (fxn)