"Kirche erwirkt Eucharistie – und Eucharistie erwirkt Kirche"

Bischof Oster: Kirche ohne Priester nicht die, die wir bekennen

Aktualisiert am 04.07.2022  –  Lesedauer: 
Bischof Oster: Kirche ohne Priester nicht die, die wir bekennen
Bild: © KNA/Maria Irl

Passau ‐ Braucht es in der Kirche überhaupt Priester? Ein Antrag auf dem Synodalen Weg, darüber zu sprechen, sorgte für Aufsehen. Der Passauer Bischof Stefan Oster verweist bei dieser Frage auf die existenzielle Bedeutung der Eucharistie für die Kirche.

  • Teilen:

Der Passauer Bischof Stefan Oster hat die Bedeutung des Priestertums für die katholische Kirche hervorgehoben. "Ohne Priester ist die Kirche nicht die Kirche, die wir glauben und bekennen", sagte Oster am Sonntag bei einem Vortrag im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Believe and Pray" in Passau. In der Kirche laufe alles auf die Eucharistie hinaus. "Und ohne Priester keine Eucharistie."

Der Passauer Bischof betonte, das Letzte Abendmahl sei die "wichtigste Handlung", die Jesus vollziehe, "weil sie so unmittelbar mit dem Kreuzestod zusammenhängt, dass gewissermaßen das Abendmahl und seine Hingabe am Kreuz nicht voneinander zu trennen sind". Zunächst beauftrage er die anwesenden Apostel, "in seinem Gedächtnis" zu handeln. "Darin ist alles eingeschlossen, was Jesus vorher und nachher getan hat." Im Neuen Testament zeichne sich schon eine dreigliedrige Struktur des Amtes ab, die Laufe des ersten Jahrhunderts bereits sehr deutlich werde. Zentral sei schon damals der Ritus der Handauflegung gewesen. Diejenigen, die zu den Diensten beauftragt worden seien, hätten in der Nachfolge der Apostel gestanden. Dies gelte bis heute für kirchliche Amtsträger.

Oster wies auf die kirchliche Lehre hin, wonach der Priester "in persona Christi" handelt, wenn er die Eucharistie feiert. Das bedeute, Christus handle durch ihn und konsekriere die Gaben von Brot und Wein. Der Passauer Bischof zitierte in diesem Zusammenhang Thomas von Aquin: Dieser unterstreiche, dass ein Priester dazu geweiht sei, das Sakrament des Leibes Christi zu vollziehen und das gläubige Volk darauf vorzubereiten. "Daraufhin verdichtet sich alles", so Oster. Das Zweite Vatikanische Konzil spreche schließlich von der Eucharistie als Quelle und Höhepunkt des gesamten kirchlichen Lebens. "Kirche erwirkt Eucharistie – und Eucharistie erwirkt Kirche."

Priester als "Schlüsselfigur"

Den priesterlichen Zölibat hält Oster grundsätzlich für "richtig und gut". Einerseits sei er die Lebensform Jesu, andererseits könne er in der aktuellen Zeit eine "sinnvolle Provokation" für die Welt sein. "Ich sehe aber auch die riesige Schwierigkeit, die nicht wenige unserer Priester heute haben mit dieser Lebensform", räumte der Bischof ein. Eine weitere Herausforderung für den Priester sei es, bei allen Aufgaben ein geistliches Leben zu führen. Ein Priester solle eine "Schlüsselfigur" sein, "die eine Tür zu einem tieferen Inneren aufsperren kann". Das gelinge nur als betender Mensch.

Der Vortrag stand unter dem Titel "Priester!? Braucht's das noch?" Dieser ist laut dem Bischof unter anderem deshalb gewählt worden, weil bei der zweiten Vollversammlung des Synodalen Wegs beantragt wurde, dass das Synodalforum "Priesterliches Leben heute" über die Notwendigkeit von Priestern in der Kirche diskutieren soll. "Gemeint war wahrscheinlich eher: Vergewissert euch, warum wir das Priesteramt brauchen", so Oster.

Zuletzt hatte bereits der Münchner Kardinal Reinhard Marx betont, dass es keine katholische Kirche ohne Priester gebe. Das Priestertum sei ein klarer Baustein des Hauses Gottes, des Leibes Christi. Marx sprach von einem "völlig verunglückten Antrag" beim Synodalen Weg, der bei manchen den Eindruck erweckt habe, dass eine große Mehrheit bei dem Reformprozess grundsätzlich gegen Priester sei. "Das habe ich so nicht empfunden", so Marx. (mal)